Aktualisiert 24.06.2004 11:29

Neuer Höhepunkt der Gewalt in Irak: 69 Tote

Knapp eine Woche vor der geplanten Machtübergabe in Irak eskaliert die Gewalt: Bei koordinierten Angriffen von Aufständischen wurden 69 Menschen getötet und 270 weitere verletzt.

Allein einer Serie von Autobombenanschlägen in der nordirakischen Stadt Mossul fielen mindestens 50 Menschen zum Opfer. Zuvor waren bei Anschlägen im so genannten sunnitischen Dreieck westlich von Bagdad zahlreiche Menschen ums Leben gekommen, darunter drei US-Soldaten.

Vier Autobomben explodierten innerhalb einer Stunde vor der irakischen Polizeiakademie, zwei Polizeiwachen und vor einem Krankenhaus in Mossul. Etwa 170 Menschen seien verletzt worden, sagte Chalid Mohammed, ein Mitarbeiter des El-Dschumhuri-Krankenhauses, das selbst Ziel eines Anschlags war. Unter den Toten war mindestens ein US-Soldat.

In Bakuba, Falludscha und Ramadi wurden am Donnerstag nahezu zeitgleich Polizeistationen und Regierungsgebäude angegriffen. In einer im Internet veröffentlichten Erklärung übernahm der mutmassliche Terroristenführer Abu Mussab el Sarkawi die Verantwortung für die Angriffe in Bakuba. In dem Bekennerschreiben, dessen Authentizität zunächst nicht bestätigt werden konnte, wurden die Bewohner aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Der Verfasser kündigte weitere Anschläge an.

In Bakuba, 55 Kilometer nordöstlich von Bagdad, kam es zu Gefechten zwischen Aufständischen und irakischen Polizisten, bei denen elf Sicherheitsbeamte und Häftlinge getötet wurden. US-Truppen wurden mit Granaten und Schusswaffen angegriffen. Zwei amerikanische Soldaten kamen ums Leben, sieben weitere wurden verletzt.

In Ramadi, 60 Kilometer westlich von Bagdad, schossen maskierte Rebellen mit Panzerabwehrraketen auf zwei Polizeistationen. Auch ein Regierungsgebäude wurde angegriffen. Mindestens sieben Menschen wurden getötet.

Explosionen und Gefechtslärm erschütterten auch Falludscha. Augenzeugen berichteten, bewaffnete Aufständische liefen durch die Strassen. US-Truppen hätten Falludscha von ihren Positionen ausserhalb der Stadt aus unter Beschuss genommen, hiess es weiter. Auch Kampfhubschrauber seien im Einsatz. Ein US-Hubschrauber musste in der Nähe der Stadt notlanden, wie die Streitkräfte mitteilten. Der Pilot sei unversehrt geborgen worden. Zunächst war nicht klar, ob der Hubschrauber von Aufständischen beschossen worden war.

Trotz der eskalierenden Gewalt wollen die USA am Zeitplan für die Übertragung der Souveränität festhalten. Am Donnerstag sollten die letzten elf Ministerien offiziell in irakische Hände übergeben werden, darunter das Verteidigungs- Justiz-, Innen- und Finanzministerium. (dapd)

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