Bhutan: Neuer König im «Land des Donnerdrachens»
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BhutanNeuer König im «Land des Donnerdrachens»

Das kleine Himalaya-Reich Bhutan hat seit dem 6. November 2008 den weltweit jüngsten König. Er erhielt die «Rabenkrone» aus den Händen seines Vaters.

Tausende Menschen strömten in die Hauptstadt Thimphu, als der bisherige Herrscher Jigme Singye Wangchuck seinem 28 Jahre alten Sohn die «Rabenkrone» aufsetzte und ihm den Titel «Druk Gyalpo» verlieh, was soviel bedeutet wie «Drachenkönig».

Der an der Universität Oxford ausgebildete neue König Jigme Khesar Namgyal Wangchuck wurde zunächst von Tänzern begrüsst, die zum Klang von Trommeln, Zymbeln und Trompeten durch die kühle Morgenluft wirbelten. Im Thronsaal empfing der neue Herrscher dann die aus Samt und Seide gefertigte Krone mit einem gestickten Rabenkopf.

Astrologen hatten zwei Jahre auf ein günstiges Datum für die Feier gewartet.

Mit diesem Zeichen seiner neuen Würde nahm Jigme Khesar Namgyal Wangchuck auf dem goldenen Thron Platz. Anschliessend schritt der Monarch eine Ehrengarde ab, vorbei an riesigen Bannern, die das Leben Buddhas und der Gurus darstellten, die dessen Religion nach Bhutan brachten. Angeführt von Je Khenbo, dem Oberhaupt der bhutanischen Buddhisten, schenkten die höchsten Würdenträger des Landes dem neuen König Früchte, Wein und acht besonders symbolträchtige Gegenstände, darunter einen Schirm und einen «Fisch der Weisheit».

Auch viele Yak-Hirten strömten in die Hauptstadt, um an den glänzenden Festlichkeiten teilzunehmen. «Wir sind mehr als eine Woche lang gewandert, um bei den Feiern dabei zu sein», sagte die 32-jährige Hirtin Dema aus den hohen Bergen im Norden, geschmückt mit Halsketten aus Silber, Bernstein und Türkis. Ganz Thimphu hat sich mit Blumen und Transparenten für die drei Krönungsfeiertage herausgeputzt. Höhepunkt war die Krönung im «Tashichho Dzong», einer Festung aus dem 17. Jahrhundert.

Erste demokratische Wahlen im März

Das letzte buddhistische Königreich im Himalaya war einst ein abgeschiedenes, strikt kontrolliertes Land und öffnet sich allmählich den Unsicherheiten der Moderne. Die meisten der 700.000 Bhutaner betrachten es als Verdienst des Königs, dass ihre Kultur und die Selbstbestimmung in einem eigenen Staat bewahrt werden konnten - eingezwängt zwischen 1,1 Milliarden Indern im Süden und 1,3 Milliarden Chinesen im Norden. Diese beiden Mächte haben schon zwei andere buddhistische Königreiche geschluckt, Sikkim und Tibet.

«Wir haben Fortschritt, einen stabilen Frieden, Sicherheit und Wachstum», sagte der bhutanische Ministerpräsident Jigme Thinley, der nach den ersten demokratischen Wahlen im März die Regierung gebildet hat. «Dies ist alles den grossen, wohltätigen und selbstlosen Königen zuzuschreiben, die Bhutan hatte.»

Fernsehen und Internet erst seit 1999

Allerdings hat der 1974 gekrönte König Jigme Singye Wangchuck beschlossen, einen grossen Teil seiner Macht abzugeben, um das Land in eine Demokratie umzuwandeln, mit dem König als Staatsoberhaupt. Das Parlament kann ihn künftig mit Zweidrittelmehrheit absetzen. Gleichzeitig mit den Reformen erklärte der 52-jährige König vor zwei Jahren seine Abdankung zugunsten seines ältesten Sohnes.

Bhutan hatte erst in den 60er Jahren mit der Öffnung gegenüber der Aussenwelt beschlossen. Bis dahin gab es weder asphaltierte Strassen noch Strom. Fernsehen und Internet haben erst 1999 Einzug in den kleinen Staat gehalten.

Der Wunsch Buthans, seine Kultur zu bewahren, hatte aber auch eine Schattenseite: Anfang der 90er Jahre wurden mehr als 100.000 Angehörige einer hinduistischen Minderheit vertrieben. Die meisten von ihnen leben in Flüchtlingslagern in Nepal. (dapd)

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