Aktualisiert 21.02.2019 06:35

«Ich bi de Christian»

Neuer Postauto-Chef bietet allen das Du an

Ein antiautoritärer Führungsstil soll Postauto jetzt helfen, neuen Skandalen vorzubeugen.

von
vay
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Der neue Postauto-Chef Christian Plüss hat in einem ersten Interview mit dem «Tages-Anzeiger» erklärt, dass er seinen Mitarbeitern das Du anbietet.

Der neue Postauto-Chef Christian Plüss hat in einem ersten Interview mit dem «Tages-Anzeiger» erklärt, dass er seinen Mitarbeitern das Du anbietet.

Keystone/Peter Schneider
«Ich wollte Distanz zum Management abbauen und signalisieren, dass wir ein Team sind», sagt Plüss im Interview mit der Zeitung. Er dränge das Duzen aber nicht auf. «Ich respektiere, wenn Mitarbeiter ihre Chefs lieber siezen wollen.»

«Ich wollte Distanz zum Management abbauen und signalisieren, dass wir ein Team sind», sagt Plüss im Interview mit der Zeitung. Er dränge das Duzen aber nicht auf. «Ich respektiere, wenn Mitarbeiter ihre Chefs lieber siezen wollen.»

Keystone/Lukas Lehmann
Gegen Plüss' Vorgänger Daniel Landolf wurde ein Verwaltungsstrafverfahren eröffnet. Im Bild: Der ehemalige Postauto-Chef spricht vor den Medien. (Archivbild)

Gegen Plüss' Vorgänger Daniel Landolf wurde ein Verwaltungsstrafverfahren eröffnet. Im Bild: Der ehemalige Postauto-Chef spricht vor den Medien. (Archivbild)

Keystone/Sedrik Nemeth

Der neue Postauto-Chef Christian Plüss ist seit rund drei Monaten im Amt und setzt auf einen neuen Stil: So bittet der 56-Jährige seine Mitarbeiter, ihn zu duzen. «Ich wollte Distanz zum Management abbauen und signalisieren, dass wir ein Team sind», sagt Plüss im Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Er dränge das Duzen aber nicht auf. «Ich respektiere, wenn Mitarbeiter ihre Chefs lieber siezen wollen.»

Ziel des Duzens ist der Abbau von Hierarchien. «Ich habe eine gewisse Gläubigkeit an die Hierarchie festgestellt», sagt der ehemalige Alpiq-Manager Plüss. Dieser Führungsstil sei nicht die alleinige Ursache für die Buchhaltungstricks bei der Tochtergesellschaft der Schweizerischen Post gewesen, «hat aber wohl eine Rolle gespielt».

Wie es auf Anfrage bei Postauto heisst, gelte bei der Kundenansprache aber generell das Sie. «Natürlich halten wir aber an der Tradition fest, dass Postauto-Chauffeure, die in ihrer Dorfgemeinschaft unterwegs sind, Bekannte und Familienmitglieder duzen dürfen», sagt eine Postauto-Sprecherin zu 20 Minuten. Zudem duze man Kunden in der Deutschschweiz auf den Social-Media-Kanälen.

Buchhaltung manipuliert

Anfang Februar 2018 wurde bekannt, dass Postauto über zehn Jahre lang im subventionierten Geschäftsbereich Gewinn erzielt und zu hohe Subventionen von Bund und Kantonen im Umfang von 205 Millionen Franken bezogen hatte. Möglich war dies, weil Mitarbeiter von Postauto die Buchhaltung manipuliert hatten. Die Affäre hatte zu zahlreichen Rücktritten geführt, darunter auch zum Rücktritt von Post-Chefin Susanne Ruoff.

Ex-Postauto-Chef Daniel Landolf könnte für bis zu fünf Jahre ins Gefängnis gehen. Die Bundespolizei (Fedpol) hat gegen ihn sowie seinen damaligen Finanzchef im Zuge des Buchungsskandals ein Verwaltungsstrafverfahren wegen Leistungsbetrugs eröffnet. Die beiden Ex-Vorstandsmitglieder sollen demnach Leistungen des Gemeindewesens erschlichen haben.

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