Aktualisiert

Ärger wegen CisalpinoNeuer SBB-Fahrplan soll Pendlerspitzen entlasten

Mit dem Fahrplanwechsel vom 14. Dezember baut die SBB das Angebot besonders zwischen den Städten des Mittellandes und der Genferseeregion aus. Das Fehlen der neuen Cisalpino-Züge bereitet dem Bahnunternehmen etliche Probleme.

SBB-Chef Andreas Meyer sprach vor den Medien in Bern von einer «grossen, herben Enttäuschung». Dass die SBB inzwischen über zwei Jahre auf die bestellten Cisalpino-Züge warte, sei für ihn «nicht nur ein grosses Ärgernis, sondern stellt uns auch logistisch und betrieblich vor erhebliche Probleme».

Die ersten Züge des Typs ETR 610 des französischen Herstellers Alstom könnten voraussichtlich im Juni 2009 in Betrieb genommen werden, sagte Alain Barbey, CEO der Cisalpino AG. Hoffentlich würden ab 2010 alle 14 bestellten Cisalpino-Neigezüge fahren können.

Zuvor würden die neuen Züge von Cisalpino einem ausgedehnten Qualitätstestprogramm unterzogen. «Wir überprüfen im Interesse unserer Kunden die Betriebstauglichkeit und den Reisekomfort intensiv», sagte Barbey.

Als Ersatz für die noch fehlenden neuen ETR 610 kommen bestehende ETR 470 von Cisalpino und ICN der SBB zum Einsatz, letztere allerdings nur auf dem Schweizer Streckenabschnitt. Der Zweistundentakt zwischen Zürich und Mailand kann mit einer Lücke aufrecht erhalten werden.

Auf der Verbindung Basel-Luzern-Mailand werden in der Startphase des Fahrplans 2009 ICN statt der geplanten Cisalpino-Verbindungen eingesetzt. Reisen von Luzern nach Mailand werden vorübergehend immer ein Umsteigen in Arth-Goldau erfordern.

Preiserhöhungen angekündigt

Die SBB prüft die Möglichkeit, mit zusätzlichen Billettangeboten ausserhalb der Hauptverkehrszeiten die Pendlerspitzen zu entlasten. Die im letzten Dezember lancierte, vergünstigte 9-Uhr-Tageskarte zum Halbtax sei ein Erfolg, sagte Meyer.

Davon unabhängig müssten aber die Preise an die Entwicklung der Kosten und des Angebots angepasst werden. «Wir werden im kommenden Jahr um eine Preisanpassung nicht herumkommen», sagte der SBB-Chef, «spätestens zum Fahrplanwechsel im Dezember».

Mehr Züge und mehr Sitzplätze

Mit dem Fahrplan 2009 nehmen die Zugkilometer um 5,5 Prozent zu. In den Pendlerzeiten gibt es zwischen Bern und Zürich zusätzlich zum Halbstundentakt vier Intercity-Entlastungszüge.

Zusätzliche Züge zur Hauptverkehrszeit setzt die SBB auch auf den Strecken Lausanne-Genf, Neuenburg-Lausanne und Aarau-Zürich ein. Neu sind zudem der Halbstundentakt Basel-Zürich sowie ein morgens und abends verlängerter Halbstundentakt Lausanne-Genf und Bern-Zürich.

Mit dem Fahrplanwechsel führen alle IC-Züge einen Speisewagen mit. Zum Ausbau des Angebots auf den Hauptverkehrachsen kommen zahlreiche Verbesserungen im Regionalverkehr.

Mit dem weiteren Angebotsausbau gerate das SBB-Schienennetz zunehmend an die Kapazitätsgrenzen, sagte SBB-Chef Meyer vor den Medien. Der Netz-Ausbau sei deshalb dringend.

Die SBB habe dem Bund eine Liste mit ausführungsreifen Projekten im Umfang von 1,2 Milliarden Franken unterbreitet. Diese könnten im Rahmen eines allfälligen Konjunkturprogramms rasch realisiert werden. (sda)

Der Lötschberg: ein Segen für das Oberwallis

Die SBB verzeichnet am Lötschberg eine Zunahme der Passagiere um über 20 Prozent. Für das Oberwallis erweist sich der seit einem Jahr offene Basistunnel als Segen für die Wirtschaft. Namentlich der Tourismus wird dadurch angeheizt.

Insbesondere der Tagestourismus erlebe einen Boom, sagte Urs Zenhäusern, Direktor von Valais Tourisme, zur Nachrichtenagentur SDA. Visp und Brig sowie Zermatt und Saas-Fee profitierten davon besonders.

Der neue Tunnel macht umgekehrt auch die Oberwalliser und Oberwalliserinnen mobiler. Früher gingen sie zum Einkaufen und für den Ausgang nach Sitten, heute haben Bern und Thun den Hauptort des Kantons abgelöst.

Deine Meinung