10.07.2020 12:18

Jade

Neuer Superspreader-Fall in Zürcher Club

Nach einer Partynacht im Zürcher Club Jade sollen sich mehrere Personen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Eine Frau erzählt, wie sie und andere sich an dem Abend infizierten.

von
Matteo Bonomo
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Mehrere Personen wurden nach einer Party im Jade positiv auf das Coronavirus getestet.

Mehrere Personen wurden nach einer Party im Jade positiv auf das Coronavirus getestet.

bec
Das berichtet der «Tages-Anzeiger».

Das berichtet der «Tages-Anzeiger».

KEYSTONE
Das Jade wollte sich nicht dazu äussern. Die Verantwortlichen haben das Lokal vorübergehend geschlossen.

Das Jade wollte sich nicht dazu äussern. Die Verantwortlichen haben das Lokal vorübergehend geschlossen.

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Darum gehts

  • In Zürich soll es einen nächsten Superspreader-Fall geben.
  • Im Club Jade sollen sich mehrere Personen angesteckt haben.
  • Die Zürcher Gesundheitsdirektion will sich nicht dazu äussern.

Nach dem ersten Superspreader-Fall im Zürcher Club Flamingo, wo es bei einer Party am 21. Juni zu mehreren Ansteckungen kam und danach 300 Personen in Quarantäne mussten, berichtet der «Tages-Anzeiger» von einem neuen Fall. Dabei soll es im Club Jade zu den Infektionen gekommen sein. Das Jade wollte sich nicht dazu äussern. Die Verantwortlichen haben das Lokal vorübergehend geschlossen.

Eine Frau, die am 28. Juni mit drei Freundinnen im Jade feierte, erzählt, dass der Eingang des Jade, als sie kurz vor zwei Uhr in den Club wollte, unbewacht war. Sie sei deshalb, ohne kontrolliert zu werden oder ihre Kontaktdaten anzugeben, reingegangen. Drinnen ist es voll. Sie begibt sich in eine Lounge, die ein Kollege ihrer Freundin reserviert hatte. Dort feiern etwa 20 Personen ausgelassen.

Drei der vier Frauen entwickeln nach der Partynacht Symptome wie Husten und Gliederschmerzen. Sie lassen sich testen – der Test fällt positiv aus. Wann und wie genau sich die Frauen angesteckt haben, ist unklar. Symptome entwickeln laut dem «Tages-Anzeiger» aber auch andere Gäste, die sich in der Lounge aufgehalten hatten. Insgesamt sollen sich zehn Personen an dem Abend infiziert haben.

Hotline überlastet

Da sich eine der infizierten Frauen in den Bündner Bergen aufhält, lässt sie sich im Kantonsspital Chur testen. Als der Test positiv ausfällt, meldet sie sich beim Graubündner Contact-Tracing (CT). Da sie im Kanton Zürich lebt, versucht man in Chur mit den Zürcher Kollegen Kontakt aufzunehmen. Die Hotline Zürich soll aber überlastet gewesen sein, erzählt die junge Frau weiter.

Die Bündner sollen ihr am Schluss noch gesagt haben, dass den Zürchern drei Fälle von Infektionen im Jade bekannt seien. Sie begibt sich daraufhin freiwillig in Isolation. Weil sie bis zum Samstag keinen Anruf bekommt, ruft sie selbst die Hotline des CT an. Wie sie sagt, wird ihr da mitgeteilt, dass ihr Fall noch nicht offiziell registriert worden sei und man deshalb noch nichts unternehmen könne.

Die Zürcher selbst melden sich laut dem «Tages-Anzeiger» erst am Montag bei der jungen Frau und damit drei Tage nach dem positiven Test in Chur. Nun bekommt sie endlich Informationen und Anweisungen, wie sie sich zu verhalten habe. Hätte sich die junge Frau nicht freiwillig in Isolation begeben, hätte sie theoretisch Dutzende weitere Personen anstecken können, schreibt der «Tages-Anzeiger».

Personalbestand auf 50 Personen aufgestockt

Bei der Gesundheitsdirektion Zürich heisst es dazu: «Die Erfahrung der Gesundheitsdirektion Zürich zeigt, dass die interkantonale Zusammenarbeit schnell und unbürokratisch funktioniert.» Dafür habe man den Personalbestand auf 50 Personen aufgestockt und arbeite sieben Tage pro Woche im Zweischichtbetrieb.

Wie viele Leute sich im Jade tatsächlich angesteckt haben, bleibt unklar. Bei der Gesundheitsdirektion Zürich will man sich zu anonymen Hinweisen nicht äussern.

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