28.03.2019 17:16

EU- Pläne

Neuer Tempo-Begrenzer soll Raser stoppen

Die EU geht Temposündern an den Kragen: Ab 2022 sollen alle Neuwagen mit Tempobremsen ausgestattet sein. Die erste Hürde hat der Vorschlag genommen.

von
srt
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Um die Sicherheit auf Europas Strassen zu erhöhen, haben die Unterhändler des Europäischen Parlaments Ende März diverse Massnahmen durchgewunken – unter ihnen auch Alkohol-Wegfahrsperren, die bald in allen Autos eingebaut werden sollen.

Um die Sicherheit auf Europas Strassen zu erhöhen, haben die Unterhändler des Europäischen Parlaments Ende März diverse Massnahmen durchgewunken – unter ihnen auch Alkohol-Wegfahrsperren, die bald in allen Autos eingebaut werden sollen.

Volvo
Ein Alcolock besteht aus zwei Bestandteilen: einem in Reichweite des Fahrersitzes angebrachten Handgerät zum Reinblasen samt einer Messanzeige und einer Steuereinheit, die normalerweise unterhalb der Armaturenabdeckung installiert wird.

Ein Alcolock besteht aus zwei Bestandteilen: einem in Reichweite des Fahrersitzes angebrachten Handgerät zum Reinblasen samt einer Messanzeige und einer Steuereinheit, die normalerweise unterhalb der Armaturenabdeckung installiert wird.

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Einsteigen, blasen – und erst dann losfahren: Was für Busfahrer, Lokführer und Taxifahrer in skandinavischen Ländern bereits zum Alltag gehört, soll laut EU bald potentiell für jeden Autofahrer Realität werden.

Einsteigen, blasen – und erst dann losfahren: Was für Busfahrer, Lokführer und Taxifahrer in skandinavischen Ländern bereits zum Alltag gehört, soll laut EU bald potentiell für jeden Autofahrer Realität werden.

ACS

Haben Blitzer und Geschwindigkeitskontrollen bald ausgedient? Geht es nach der EU, lautet die Antwort ja. Denn in Zukunft sollen Autos selbst dafür sorgen, dass sich Autofahrer an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Möglich machen soll das ein neues Assistenzsystem, das ab Mai 2022 alle Hersteller in ihre Neuwagen einbauen müssen.

Der European Transport Safety Council (ETSC) hat bereits alle Autohersteller dazu aufgerufen, den sogenannten Intelligent Speed Assistant (ISA) in Neuwagen zu integrieren. Das Assistenzsystem bremst das Auto zwar nicht direkt ab, reduziert jedoch automatisch die Motorleistung, sobald gegen das herrschende Tempolimit verstossen wird.

Wie bei einem Tempomaten

Der Intelligent Speed Assist nutzt dafür eine Kamera, um Schilder mit Tempolimits zu erkennen, plus die Daten aus dem GPS. Der Fahrer wird dabei auf die Geschwindigkeitsbegrenzung aufmerksam gemacht, und die Motorleistung wird automatisch reduziert.

Zu Beginn soll der Assistent noch überstimmt werden können. Dafür müssen Autofahrer ähnlich wie beim Tempomaten bloss etwas stärker auf das Gaspedal drücken. So sollen Fahrer auch kurzfristig beschleunigen können, um beispielsweise Hindernissen ausweichen zu können. Wird jedoch zu lange Gas gegeben, blinken die Warnleuchten erneut auf, und der Assistent bremst das Auto wieder ab.

Hintergrund dieser Neuerung ist ein ambitioniertes Ziel, denn die Anzahl der Unfälle soll innerhalb der nächsten 15 Jahre um 30 Prozent reduziert werden. 2017 kamen laut der EU-Kommission über 25'000 Menschen auf Europas Strassen ums Leben. 90 Prozent aller Unfälle führte man auf menschliches Versagen zurück. Die Brüsseler Behörde hatte daraufhin Vorschläge für Hightech-Fahrhilfen vorgelegt, um die Zahl der Unfälle zu reduzieren.

«So bedeutend wie die Gurtenpflicht»

Die automatische Tempobremse ist nur eine von vielen Massnahmen, die demnächst umgesetzt werden sollen. Rund 30 Hightech-Assistenten sollen in Autos künftig serienmässig installiert werden. Neben dem ISA-Limiter zählen dazu auch Kontrollsysteme, die etwa bei übermässigem Alkoholkonsum den Start des Autos blockieren. Oder Warnsysteme, die den Fahrer bei Müdigkeit oder Ablenkung alarmieren. Einige dieser Systeme sind in Premium-Modellen bereits eingebaut. Künftig sollen sie aber in jedem Neuwagen serienmässig eingebaut sein. Auch Datenrekorder für Unfälle sollen, ähnlich wie die Blackbox in Flugzeugen, in Zukunft zur Pflicht werden.

Was für viele noch wie Science-Fiction klingen mag, dürfte bald Realität werden. Am Dienstag haben Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten in Brüssel den Vorschlägen zugestimmt. Das grüne Licht für die neuen Vorschriften im September sieht ETSC-Direktor Antonio Avenoso als reine Formsache – und vergleicht den Schritt mit der Einführung der Anschnallpflicht: «In den letzten 50 Jahren gab es nur wenige Meilensteine in Sachen Verkehrssicherheit. Die Einführung der Gurtenpflicht gehört dazu, und diese Massnahmen werden auch einer sein.»

Auch beim TCS begrüsst man die Pläne. Zentralpräsident Peter Goetschi sagt auf Anfrage von 20 Minuten: «Der TCS befürwortet grundsätzlich die Einführung der sogenannten Tempobremse unter der Voraussetzung, dass sie zuverlässig funktioniert.» Wichtig sei, dass das System «zwar autonom eingreift, der Fahrer den elektronischen Eingriff jedoch übersteuern» könne. Tests in Schweden hätten gezeigt, dass diese Technik zur Verhinderung von Unfällen beiträgt und damit die Verkehrssicherheit erhöht.

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