Dublin-Boston-Score: Neuer Test sagt Covid-Verlauf «akkurat» voraus

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Dublin-Boston-ScoreNeuer Test sagt Covid-Verlauf «akkurat» voraus

Das Tückische an Covid-19 ist: Niemand kann vorhersagen, wie schwer ihn die Krankheit erwischt. Ein von Harvard-Forschern entwickelter Bluttest soll das ändern. Damit können Mediziner gezielter behandeln.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Künftig sollen Mediziner Covid-19-Patienten in den ersten vier Tagen Blut abnehmen und so akkurate Vorhersagen über den weiteren Verlauf der Erkrankung machen können. 

Künftig sollen Mediziner Covid-19-Patienten in den ersten vier Tagen Blut abnehmen und so akkurate Vorhersagen über den weiteren Verlauf der Erkrankung machen können.

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Möglich machen soll das ein neuer Bluttest. 

Möglich machen soll das ein neuer Bluttest.

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Der sogenannte Dublin-Boston-Score wurde von Forschenden des Royal College of Surgeons in Irland (RCSI)  … (Im Bild: RCSI Disease and Research Centre am Beaumont Hospital in Dublin)

Der sogenannte Dublin-Boston-Score wurde von Forschenden des Royal College of Surgeons in Irland (RCSI) … (Im Bild: RCSI Disease and Research Centre am Beaumont Hospital in Dublin)

Wikimedia Commons/RavensFists/PD

Darum gehts

  • Erwartet den Patienten ein schwerer oder ein leichter Verlauf? Die Antwort darauf soll bald ein neuer Bluttest geben.

  • Entwickelt wurde das Dublin-Boston-Score genannte Verfahren von Forschenden aus Irland und den USA.

  • Es ist bereits von «möglicherweise einem der grössten Durchbrüche in der Coronavirus-Pandemie» die Rede.

Forschenden der Universitäten Harvard (USA) und des Royal College of Surgeons in Irland (RCSI) ist es gelungen, einen Bluttest zu entwickeln, mit dem sich der Verlauf einer Covid-19-Erkrankung vorhersagen lässt. Und das «akkurat», wie die Wissenschaftler im Fachjournal «The Lancet EBioMedicine» schreiben.

Das Dublin-Boston-Score genannte Verfahren soll Medizinern helfen, zu erkennen, wie schwer ein Patient an Covid-19 erkrankt, heisst es in einer Mitteilung. Alles, was die behandelnden Ärzte tun müssen, ist, das Blut ihres Patienten die ersten vier Tage täglich zu untersuchen. Dann können sie zuverlässig sagen, wie schwer die Erkrankung an Tag sieben sein wird (siehe Box).

Darum ist Tag sieben so wichtig

Der siebte Tag gilt als kritischer Punkt einer Covid-19-Erkrankung. Im Mai 2020 berichteten Ärzte des St Vincent’s Hospital in Sydney erstmals von rätselhaften Verschlechterungen an Tag sieben der Krankheit, die sich auch bei bis dato leicht erkrankten Patienten einstellen und zu lebensbedrohlichen Verläufen führen können. «Bis zum Ende der ersten Woche sind sie noch in einem stabilen Zustand, doch ganz plötzlich haben sie diese überschiessende Entzündungsreaktion, die sich im ganzen Körper ausbreitet», erklärte damals Pneumologe David Darley im Gespräch mit TheGuardian.com. Danach, so der Mediziner, beginnt die Lunge zu kämpfen, der Blutdruck sinkt ab und andere Organe – darunter auch die Niere – drohen zu versagen. Zudem bilden sich im ganzen Körper Blutgerinnsel. Allerdings sind nicht alle Erkrankten von dieser plötzlichen Wendung betroffen.

«Möglicherweise einer der grössten Durchbrüche»

Mit dem neuen Bluttest lässt sich der Spiegel zweier Moleküle – Interleukin-6 (IL-6) und Interleukin-10 (IL-10) – im Blut Infizierter messen, welche Botschaften an das Immunsystem senden und Entzündungen kontrollieren. Während Ersteres entzündungsförderlich ist, wirkt IL-10 entzündungshemmend. Bei schweren Covid-19-Patienten sind die Spiegel beider Moleküle verändert.

Anhand des Verhältnisses der beiden Interleukine zueinander haben die Wissenschaftler eine Art Punktesystem entwickelt, das angibt, wie schwer der Verlauf wird. Der Anstieg um einen Punkt in der Skala entspricht dabei einer um 5,6 erhöhten Wahrscheinlichkeit für einen schwerwiegenderen Verlauf. «Der Dublin-Boston-Score ist leicht zu berechnen und kann auf alle hospitalisierten Covid-19-Patienten angewandt werden», wird RCSI-Forscher Gerry McElvaney in der Mitteilung zitiert.

Das Vorhersehen des weiteren Verlaufs kann lebensrettend sein, denn je früher Ärzte wissen, worauf sie sich einstellen müssen, desto besser und gezielter können sie helfen und im besten Fall Leben retten. Eine genaue Prognose könnte dabei helfen, zu bestimmen, wann welche Behandlungsmethode nötig ist – laut McElvaney «eine Schlüsselkomponente für die effiziente Verteilung von Ressourcen während der aktuellen Pandemie». Einige Medien sprechen bereits von «möglicherweise einem der grössten Durchbrüche in der Coronavirus-Pandemie».

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