Sperre: «Neuer Tsunami innerhalb der Fifa»
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Sperre«Neuer Tsunami innerhalb der Fifa»

Das Urteil ist hart, die Reaktion Sepp Blatters genauso. Der 79-jährige Walliser holt an der Pressekonferenz zum Rundumschlag gegen die Fifa aus.

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Sepp Blatter an der Medienkonferenz im Sonnenberg in Zürich. (Quelle: 20 Minuten)

«Es wäre falsch zu sagen, dies ist ein guter Tag für mich und für die Fifa.» Sepp Blatter sprach etwas mehr als eine Stunde nach der Verkündung seiner achtjährigen Sperre vor versammelter Weltpresse – und rechnete mit der Fifa ab. Gut gelaunt, gefasst, ruhig, geduldig und mit einer klaren Botschaft: «Ja, das Urteil hat mich getroffen. Aber ich kann Ihnen versichern: Ich komme zurück», sagte der 79-Jährige an der Pressekonferenz im Hotel Sonnenberg in Zürich.

«Ich habe mein Amt am 2. Juni 2015 zur Verfügung gestellt, damit sich die Fifa neu organisieren kann. Und nun sperrt man mich wegen solcher Dinge?», warf Blatter in die Runde und hielt dabei einen Bogen Blätter in die Höhe. Es war das Urteil der Fifa-Ethikkommission, welches den 79-Jährigen und dessen Anwälte am Montagvormittag erreichte. Dies, wie Blatter angesäuert verriet, erst nachdem die Mitteilung an die Medien verschickt worden war. «Überrascht hat uns das nicht. Es ist ein Zeichen dafür, wie die Kommunikation im Ethikkomitee funktioniert und zeigt, wie man es nicht tun sollte.»

Es geht um die ominöse Millionen-Zahlung, ein «Gentleman Agreement», wie Blatter es am Montag erneut nannte. In der Urteilsbegründung heisst es, dass im Vertrag, den Blatter und Platini am 25. August 1999 abschlossen, eine entsprechende Zahlung nirgends erwähnt sei und somit keine rechtliche Grundlage für diese Zahlung bestehe. «Weder in seinem schriftlichen Statement noch in der Anhörung hat Herr Blatter eine rechtliche Grundlage aufzeigen können.» Die Darstellung einer mündlichen Abmachung mit Platini wies der Richter zurück.

Acht Jahre Sperre für Blatter und für Platini

«Ein administratives Problem»

Die rechtsprechende Kammer der Fifa-Ethikkommission mit dem deutschen Richter Hans-Joachim Eckert an der Spitze folgte dem Antrag der Anklage nach einer lebenslangen Sperre nicht und liess auch den Vorwurf der Bestechung und Korruption fallen. Doch wird Blatter, der von einer lebenslangen Sperre ausging, in der Urteilsbegründung fehlende Loyalität zur Fifa und Amtsmissbrauch vorgeworfen.

Über die Zahlung sei man bei der Uefa und der Fifa im Bilde gewesen. «Und nun wirft man mir vor, ich hätte mit dem Geld Stimmen für die Wahl von 2011 gekauft. Was für Stimmen? Aus Europa?», fragte Blatter. «Wenn die Ethikkommission sagt, die Vereinbarung existiert, dann muss sie in den Büchern zu finden sein. Tut sie es nicht, dann ist das ein administratives Problem. Das hat nichts mit Ethik zu tun.»

Platini soll auch kämpfen

Und nun? «Ich werde kämpfen, für mich und für die Fifa.» Rekurs gegen das Fifa-Urteil wurde bereits eingelegt und der 79-Jährige kündigte an, den Fall auch vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu bringen. Gegen dieses könnte er notfalls beim Schweizer Bundesgericht Einspruch erheben. «Wenn man in der Schweiz für acht Jahre gesperrt wird, dann hat man etwas Grosses verbrochen.» Und er hofft, dass sich auch Platini nicht geschlagen gibt. «Auch wenn wir nicht immer gleicher Meinung sind: Er ist ein ehrlicher Mann», sagte Blatter über den Franzosen.

Blatter ist der Ansicht, dass sich die Ethikkommission mit dem Urteil ins eigene Fleisch geschnitten hat. Und dass die Probleme innerhalb der Fifa noch immer die gleichen seien. «Es zeigt, dass etwas in diesem System nicht stimmt. Ich habe immer noch Befürworter innerhalb der Fifa, auch innerhalb des Exekutivkomitees. Das ist ein neuer Tsunami innerhalb der Fifa.»

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