24.02.2017 20:45

Durchfall und Erbrechen

Neuer Viren-Typ sorgt für Noro-Welle

In Deutschland und Frankreich wütet ein heimtückischer neuer Norovirus-Typ. Das BAG schliesst nicht aus, dass der Typ auch in der Schweiz auftreten wird.

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Pro Jahr werden dem Bundesamt für Gesundheit rund 100 Fälle von Ausbrüchen gemeldet. (Bild: iStock)

Pro Jahr werden dem Bundesamt für Gesundheit rund 100 Fälle von Ausbrüchen gemeldet. (Bild: iStock)

Mehr als doppelt so viele Menschen wie sonst sollen in Deutschland diesen Winter am Norovirus erkrankt sein. Besonders deutlich sei die Zahl der Fälle in den ersten vier Wochen des Jahres gestiegen, berichtet die deutsche Zeitung «Bild». Rund 13'700 Erkrankungen seien in den ersten vier Wochen des Jahres 2017 in Deutschland registriert worden.

Für den Grossteil ist laut Medizinern des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) ein neuer, bisher unbekannter Virusstamm des Norovirus schuld. Der neue Virustyp GII.P16-GII.2 sei jedoch nicht gefährlicher als sonst. «Es kann sich nur besser vor dem Immunsystem verbergen, sodass mehr Leute erkranken», so eine RKI-Sprecherin.

100 Meldungen pro Jahr

Ob der neue Virustyp auch in der Schweiz aufgetreten ist, ist unklar, wie es beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) heisst: «Wir können keine genauen Zahlen nennen, da in der Schweiz einzelne Fälle von Noroviren nicht meldepflichtig sind», erklärt Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG. «In der Schweiz werden lediglich auffällige Ausbrüche, also Häufungen, gemeldet.»

In den letzten Jahren seien rund 100 Meldungen von Häufungen beim BAG eingegangen. Koch: «Vergleicht man die aktuellen Zahlen mit denjenigen aus dem Vorjahreszeitraum, so gibt es bisher keine Auffälligkeiten.»

«Neuer Typ kann auch in der Schweiz auftreten»

Ob bei den bisher aufgetretenen Ausbrüchen der neue Virus-Typ schuld war, kann Koch nicht sagen: «Da wir bisher nichts Aussergewöhnliches oder schwerere Erkrankungen bemerkt haben, gab es auch keinen Anlass, bei Analysen zudem eine Typisierung zu beantragen.»

Trotzdem: «Es ist möglich, dass der neue Virus-Typ auch in der Schweiz auftritt, da Deutschland ein Nachbarland ist», erklärt Koch. Gemäss «Bild» ist der neue Viren-Typ auch in anderen Ländern wie etwa Frankreich, Australien, Japan und China aufgetreten.

«Man kann sich mehrmals im Jahr anstecken»

Andreas Widmer, Leiter Spitalhygiene des Universitätsspitals Basel, sagt: «Alle Noroviren mutieren. Daher kann man sich jedes Jahr mehrere Male anstecken.» Je nach Mutation sei die Empfindlichkeit der Bevölkerung auf das Virus unterschiedlich.

Auch komme es jedes Jahr zu Epidemien, so Widmer. «Die Schwere der Epidemie ist direkt abhängig von der Geschwindigkeit, wie die Präventionsmassnahmen eingesetzt werden, wenn die Diagnose klar ist.»

Widmer würde eine erweiterte Meldepflicht begrüssen, da die Dunkelziffer bei schwerem Durchfall oder Erbrechen nicht bekannt ist. «Es reicht eine Pflicht der sogenannten Labormeldung.»

Mehrere Vorfälle im Jahr 2017

Eine Woche zuvor musste die Primarschule Ermatingen ihr Lager vorzeitig abbrechen. Eine Leser-Reporterin berichtete: «Nach zwei Nächten Skilager in Obersaxen ist mehr als die Hälfte der 70 Lagerteilnehmer am Norovirus erkrankt.» Darauf wurde das Lager vorzeitig abgebrochen. «In zwei verschiedenen Cars wurden die Schüler nach Hause gefahren – einer für die gesunden, einer für die kranken Teilnehmer.» Mit Folgen: «Der Bus kam mit eimerweise Kotze im Thurgau an.»

Das Norovirus

Symptome einer Norovirus-Erkrankung sind starkes Erbrechen, Fieber und Durchfall. Im Normalfall dauert die Erkrankung bis zu 72 Stunden und verschwindet von selbst wieder. Gehäuft tritt das Virus vor allem in Spitälern und Heimen, aber auch in Kasernen oder in Schullagern auf.

Anders als in der Schweiz gibt es in Deutschland gemäss dem RKI die namentliche Meldepflicht für den direkten Erregernachweis aus dem Stuhl. Des Weiteren ist der Verdacht auf und die Erkrankung an einer akuten infektiösen Gastroenteritis meldepflichtig, wenn die betroffene Person Umgang mit Lebensmitteln hat oder in Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung (z. B. Küchen, Gaststätten) beschäftigt ist. Und wenn zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird.

Die Meldungen müssen dem Gesundheitsamt spätestens 24 Stunden nach erlangter Kenntnis vorliegen.

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