Schummeleien ohne Ende: Neuer VW-Chef ist auf Crash-Kurs
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Schummeleien ohne EndeNeuer VW-Chef ist auf Crash-Kurs

Er war angetreten, um bei VW aufzuräumen: Ex-Porsche-Chef Matthias Müller. Dass nun auch der Sportwagenbauer unter Verdacht steht, könnte Müller den Job kosten.

von
sas

Erst vor gut fünf Wochen war der 62-jährige Matthias Müller an die Spitze von VW gewählt worden. Er löste dort Martin Winterkorn ab, der im Zuge des Dieselskandals seinen Chefsessel räumen musste. Der langjährige Porsche-Chef Müller sollte bei VW für den Neuanfang stehen und für Ehrlichkeit. Vor seiner Ernennung zum obersten Boss musste der Topmanager eine Erklärung unterschreiben, nichts von den Abgas-Manipulationen im VW-Konzern gewusst zu haben.

Dass nun aber die US-Umweltbehörde EPA dem VW-Konzern vorwirft, neben den 1,2- bis 2-Liter-Dieselmotoren auch bei den 3-Liter-Aggregaten von gewissen Modellen von VW, Porsche und Audi geschummelt zu haben, bringt Müller unter Druck. Wusste der Topmanager doch mehr über die Manipulationen, als er dem Volkswagen-Vorstand vor der Wahl mitgeteilt hatte? Oder hätte Müller als oberster Verantwortlicher von den Unstimmigkeiten wissen und diese schon vor Jahren verhindern müssen? Erschwerend kommt für Müller hinzu, dass VW am Montagabend einräumen musste, es habe auch bei Benzinmotoren Unstimmigkeiten gegeben.

Zusätzliche 800'000 Fahrzeuge

Beim neusten Skandal geht es um den Ausstoss des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2), der höher ist als deklariert. Daraus resultiert ein stärkerer Treibstoffverbrauch. «Nach derzeitigem Erkenntnisstand könnten davon rund 800'000 Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns betroffen sein», heisst es in einer VW-Mitteilung vom Dienstagabend. Ob auch Fahrzeuge in der Schweiz betroffen sind, ist noch unklar. Die zusätzlichen Kosten beziffert Volkswagen auf rund zwei Milliarden Euro. Betroffen sind einige der bestverkauften Modelle des Konzerns, darunter der Audi A3, der Skoda Octavia und der Seat Leon. Klar ist: Müllers Ziel, das angeschlagene Kundenvertrauen rasch zurückzugewinnen, hat einen herben Rückschlag erlitten.

Bisher war es im Dieselskandal um manipulierte Stickoxid-Werte gegangen. Im Auto eingebaute Software erkannte, wenn sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand befand und reduzierte die Abgase. Betroffen sind weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge, in der Schweiz sind es rund 128'000. Experten schätzen den für VW aus dem Diesel-Skandal resultierenden Schaden auf gegen fünfzig Milliarden Euro.

Sitzt Müller noch fest im Sattel?

VW-Chef Müller versprach am Dienstagabend eine «schonungslose Aufklärung». Dieser Prozess sei hart, aber ohne Alternative, um den Konzern neu auszurichten. Noch bei seinem Amtsantritt hiess es, Ex-Porsche-Mann Müller sei die perfekte Wahl, da der Sportwagenbauer im Gegensatz zu VW unbelastet sei. Sollte Porsche aber von den US-Behörden überführt werden, wäre die Glaubwürdigkeit von Matthias Müller schwer angeschlagen. «Wahrscheinlich weiss nicht einmal VW-Chef Matthias Müller, welchen Missbrauch die internen Untersuchungen noch aufdecken werden», schreibt das «Handelsblatt» in einem Kommentar. Der Blick in den Abgrund könne auch für den Aufklärer Müller gefährlich werden. Der VW-Aufsichtsrat will sich bald treffen, um über die Konsequenzen des jüngsten Skandals zu beraten.

VW-Aktie stürzt ab

Nach Bekanntwerden neuer Unregelmässigkeiten bei Volkswagen ist die Aktie stark eingebrochen. Das Wertpapier sank an der Börse in Frankfurt am Main zum Handelsstart am Mittwochmorgen um über acht Prozent. VW hatte am Dienstagabend eingeräumt, dass auch die CO2-Werte bei rund 800'000 Fahrzeugen höher liegen als angegeben. (sda)

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