Das Ende der Zöliakie? - Neuer Wirkstoff gegen Gluten-Unverträglichkeit entwickelt
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Das Ende der Zöliakie?Neuer Wirkstoff gegen Gluten-Unverträglichkeit entwickelt

Menschen mit Zöliakie vertragen kein Gluten und sind in ihrer Ernährung eingeschränkt. Nun präsentieren Forschende erstmals ein Arzneimittel, das es ihnen ermöglicht, auch jene Dinge zu essen, die sie bislang meiden mussten.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Normales Brot ist für Menschen mit einer Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie) Tabu. 

Normales Brot ist für Menschen mit einer Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie) Tabu.

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Denn in vielen Getreidesorten ist das Gluten genannte Klebe-Eiweiss enthalten, das ihnen Probleme beschert.

Denn in vielen Getreidesorten ist das Gluten genannte Klebe-Eiweiss enthalten, das ihnen Probleme beschert.

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Bei den Betroffenen löst der Verzehr von Gluten eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus.

Bei den Betroffenen löst der Verzehr von Gluten eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus.

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Darum gehts

  • Ein Arzneimittel gegen Gluten-Unverträglichkeit gibt es bislang nicht.

  • Doch nun haben Forschende einen vielversprechenden Wirkstoff entwickelt.

  • Noch stehen Untersuchungen aus, doch die Verantwortlichen sind zuversichtlich.

Eine von 100 Personen leidet an einer Gluten-Unverträglichkeit, von Experten `Zöliakie` genannt. Bei ihnen löst der Verzehr von Gluten, einem Klebe-Eiweiss in verschiedenen Getreiden, eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus. Dadurch sterben mit der Zeit die Zotten des Dünndarms ab und es kommt zu einer Unterversorgung des Körpers mit lebenswichtigen Vitaminen.

Eine Therapie dagegen gibt es bislang nicht. Die einzige Möglichkeit, die Entwicklung zu stoppen, ist eine lebenslange, streng glutenfreie Ernährung (siehe Box). Nur so kann sich die Dünndarmschleimhaut erholen und eine normale Nährstoffaufnahme gewährleisten. Eine Entwicklung von deutschen Forschenden könnte das nun ändern.

Hier steckt Gluten drin

Gluten kommt in folgenden Getreidearten natürlich vor: Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste, Grünkern, Hafer, Einkorn, Emmer, Kamut und Triticale. Aber auch in allen Lebensmitteln, die glutenhaltiges Getreide beinhalten.

Getreidearten wie Teff, Hirse, Mais und Reis sowie Pseudogetreide wie Quinoa, Amarant und Buchweizen sind dagegen glutenfrei.

Ein «Durchbruch»

Das Team um Detlef Schuppan, Biochemiker und Mediziner der Universitätsmedizin Mainz hat einen Wirkstoff geschaffen, der ein spezielles Enzym hemmt, das bei Personen mit Zöliakie überaktiv ist. Auf diese Weise verhindert die Transglutaminase-Hemmer ZED1227 genannte Substanz die Entzündungen der Darmschleimhaut, schreiben sie im «New England Journal of Medicine».

Es handele sich um «das erste Zöliakie-Medikament, für das eine klinische Wirksamkeit belegt werden konnte», teilt die Hochschule mit, die sogar von einem «Durchbruch für die Behandlung von Zöliakie» spricht. Die Begeisterung der Beteiligten stützt sich auf die Daten, die die Mainzer Forschenden gemeinsam mit internationalen Kollegen im Rahmen einer Studie mit 160 Probandinnen und Probanden gewonnen haben. Demnach hat ZED1227 «eine stark schützende Wirkung auf die Dünndarmschleimhaut und verbessert die Entzündung, Erkrankungssymptome sowie die Lebensqualität der Betroffenen.» Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen ihre Ergebnisse ab Herbst noch in einer grösseren Studie überprüfen.

So macht sich Zöliakie bemerkbar

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, die sich meist unbemerkt in der Kindheit entwickelt. Erste Anzeichen darauf treten jedoch erst im Erwachsenenalter auf. Die Symptome können unterschiedlich sein, was die Diagnose erschwert. Typisch sind, laut der IG Zöliakie der Deutschen Schweiz:

  • Müdigkeit

  • Erschöpfung

  • Blutarmut

  • Eisen- und Vitaminmangel

  • Gewichtsverlust

  • Durchfall und Verstopfung

  • Blähungen

  • Appetitlosigkeit

  • Erbrechen

  • Bauch- oder Knochenschmerzen

Diagnostiziert wird eine Gluten-Unverträglichkeit in einem mehrstufigen Verfahren: Zunächst wird das Blut auf bestimmte Antigene untersucht. Bei positivem Befund folgen eine Magenspiegelung und eine Biopsie des Dünndarms.

Wie die betroffenen Mitglieder der 20 Minuten-Community mit ihrer Gluten-Unverträglichkeit umgehen, erfährst du hier. Welche alternativen Mehle es für Zöliakie-Patienten gibt, verraten wir dir hier. Und hier erfährst du, warum Personen, die nicht an Zöliakie leiden, besser nicht auf das Klebe-Eiweiss verzichten sollten.

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