Aktualisiert 04.05.2012 08:14

Schwindel mit TitelNeuer Yahoo-Chef frisiert seinen Lebenslauf

Rückschlag für den Hoffnungsträger des angeschlagenen Internetunternehmens Yahoo: Konzernchef Scott Thompson hat gar nicht wie angegeben einen Bachelor-Abschluss in Computerwissenschaften.

Yahoo-CEO Scott Thompson, hier am 24. November 2010 in seinem Büro bei PayPal in San Jose, gerät unter Druck der Investoren.

Yahoo-CEO Scott Thompson, hier am 24. November 2010 in seinem Büro bei PayPal in San Jose, gerät unter Druck der Investoren.

Der Konzernchef des Internetunternehmens Yahoo, Scott Thompson, hat sich zu Unrecht als Computerwissenschafter bezeichnet. Der Konzern räumte am Donnerstag gegenüber dem Blog «All Things Digial» ein, dass Thompson keinen solchen Titel besitze.

Yahoo stellte sich ausdrücklich hinter seinen Chef. Die falsche Information sei ein «unbeabsichtigter Fehler» gewesen, erklärte das Unternehmen. Zuvor hatte der Investor Dan Loeb, der mit der Yahoo-Führung im Clinch liegt, auf Ungereimtheiten in der offiziellen Biografie Thompsons hingewiesen.

Loeb wies in einem süffisant formulierten Brief darauf hin, dass Thompsons Stonehill College erst vier Jahre nach dessen Abschluss 1979 überhaupt angefangen habe, Titel in Computerwissenschaften zu vergeben.

Abschluss in Buchhaltung

Unklar ist, ob sich Aktionäre und Aufseher von Yahoo mit der knappen Erklärung des Unternehmens zufriedengeben. US-amerikanische Medien wiesen darauf hin, dass der falsche Titel schon zu Thompsons Zeit bei der Handelsplattform Ebay in seinen offiziellen Lebensläufen auftauchte. In Wirklichkeit hatte er einen Abschluss in Buchhaltung gemacht.

Thompson war Anfang des Jahres als grosser Hoffnungsträger zu dem mit Schwierigkeiten kämpfenden Internet-Pionier gekommen. Yahoo lebt von Online-Werbeeinnahmen. In diesem Geschäft sind Konkurrenten wie Google und zuletzt auch das weltgrösste Online-Netzwerk Facebook immer stärker geworden.

Thompson leitete einen strikten Sparkurs mit drastischem Stellenabbau ein. Vor seinem Antritt war Yahoo monatelang führungslos, nachdem die vorherige Chefin Carol Bartz nach zwei Jahren gefeuert worden war.

(sda)

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