Neuer Zugang zum Inzestverlies entdeckt
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Neuer Zugang zum Inzestverlies entdeckt

Im Kellerverlies der Inzest-Opfer von Amstetten haben Ermittler einen weiteren Zugang entdeckt. Der geständige Inzest-Täter Josef Fritzl hat das Kellerverlies, in dem er seine Tochter festhielt, offenbar schon vor 30 Jahren vorbereitet.

Wie die österreichische Polizei am Montag in Amstetten mitteilte, gehen die Planungen bis ins Jahr 1978 zurück. Elisabeth Fritzl war damals zwölf Jahre alt. Die ersten Jahre verbrachte die eingesperrte Tochter in einem etwa 35 Quadratmeter grossen Kernbereich unter dem Altbau, zu dem nun auch der verborgene Zugang entdeckt wurde.

Neuer Zugang entdeckt

Der weitere Zugang sei mit zwei Türen gesichert gewesen und später offenbar stillgelegt worden, erklärte der Leiter des Landeskriminalamts Niederösterreich, Franz Polzer, am Montag auf einer Pressekonferenz. Insgesamt war das Verlies mit acht versperrbaren Türen gesichert, zusätzlich mit einer elektronischen Sicherung.

Als Kinder auf die Welt kamen, wurde es zunehmend eng, und der Verdächtige schuf Durchbrüche für die Erweiterungen, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. Der ursprüngliche Durchgang, erreichbar durch einen Technikschacht, dürfte nach Einschätzung der Polizei zunehmend schwerer zu öffnen gewesen sein, weshalb die vor eine Woche entdeckte Tür eingebaut wurde. Polzer verwies auf die Verzweigtheit der gesamten mit Zylinderschlössern gesicherten Kellerräume und sprach von regelrechten Schleusen.

Ermittlungen zum Vorgehen des Verdächtigen

Der Inzest-Fall von Amstetten war am vergangenen Sonntag aufgeflogen. Der 73-jährige Tatverdächtige gestand weitgehend, seine Tochter 24 Jahre lang in einem Kellerverlies seines Hauses gefangen gehalten, sexuell missbraucht und mit der heute 42-Jährigen sieben Kinder gezeugt zu haben.

Untersucht werde unter anderem, wie der 73-Jährige die Opfer im Verlies mit Lebensmitteln und dergleichen versorgt habe, sagte Polzer. Sicherheitsdirektor Franz Prucher zeigte sich überzeugt davon, dass es sich um einen Einzeltäter handle.

Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass eine weitere Person im Spiel gewesen sei. Die Tochter untermauerte diese Aussage. Bei ihrer einzigen Vernehmung sagte sie gemäss dem Magazin «Spiegel» aus, ihre Mutter habe von den Verbrechen nichts gewusst.

Die Staatsanwaltschaft kündigte an, sie werde Josef F. am Mittwoch oder Donnerstag zum ersten Mal vernehmen. Zum Schicksal der Opfer äusserten sich Vertreter der behandelnden Klinik. Sie sagten, die Mitglieder der wiedervereinigten Familie lernten gerade, zusammen zu leben.

(dapd)

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