Rettung in Sicht?: Neues Antibiotikum tötet auch resistente Keime
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Rettung in Sicht?Neues Antibiotikum tötet auch resistente Keime

Weil Bakterien immun gegen Antibiotika werden, können simple Infektionen tödlich enden. Deshalb braucht es dringend Alternativen. US-Forscher haben eine gefunden.

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Weil viele Erreger wie Staphylococcus aureus heute Resistenzen gegen Antibiotika gebildet haben, ist die einstige Wunderwaffe heute häufig wirkungslos.

Weil viele Erreger wie Staphylococcus aureus heute Resistenzen gegen Antibiotika gebildet haben, ist die einstige Wunderwaffe heute häufig wirkungslos.

PD
Diese Erfahrung hat auch der olympische Goldmedaillengewinner Ian Thorpe gemacht. Er soll sich 2014  im Spital zwei schwere Infektionen eingefangen haben.

Diese Erfahrung hat auch der olympische Goldmedaillengewinner Ian Thorpe gemacht. Er soll sich 2014 im Spital zwei schwere Infektionen eingefangen haben.

Keystone
Infiziert haben soll er sich mit dem Spitalkeim MRSA, der  zum Teil offene Hautinfektionen, entzündete Organe oder Blutvergiftungen zur Folge hat und tödlich enden kann.

Infiziert haben soll er sich mit dem Spitalkeim MRSA, der zum Teil offene Hautinfektionen, entzündete Organe oder Blutvergiftungen zur Folge hat und tödlich enden kann.

Gregory Moran

Lange galten Antibiotika als Wunderwaffe gegen Bakterien. Doch aufgrund ihres massiven Einsatzes haben einige Erreger Resistenzen gebildet: Sie tragen nun Gene, die sie vor der Wirkung des Medikaments schützen. Für Patienten kann das tödliche Folgen haben.

Weltweit bemühen sich Forscher darum, Abhilfe zu schaffen. Doch die Resistenzen verbreiten sich schneller als neue Wirkstoffe in die klinische Praxis eingeführt werden können. Denn die Suche kostet Zeit und Geld. Letzteres sind viele nicht bereit zu investieren, denn weil die neuen Wirkstoffe nur sparsam verschrieben werden, um die Bildung von Resistenzen nicht zu forcieren, sind sie zu wenig lukrativ.

Vom Boden ins Labor und zurück

Doch angesichts des sich verstärkenden Problems hat die Suche nach Alternativen an Fahrt aufgenommen. Nun sind Forscher um Losee Ling des Start-ups Novo Biotic Pharmaceuticals im US-Bundesstaat Massachusetts fündig geworden: Sie haben es geschafft, eine im Boden vorkommende Bakterienform im Labor zu kultivieren. Etwas, das gemeinhin als unmöglich gilt.

Dafür entwickelten sie einen Chip mit mehreren Kammern, in dem einzelne Zellen von Bodenbakterien isoliert und im Boden selbst vermehrt werden können, wie sie im Fachjournal «Nature Medicine» schreiben.

Hilft selbst bei Spitalkeimen

Der Trick: Die Bodenprobe wird so stark verdünnt auf den Chip gegeben, dass in jeder Kammer nur eine Zelle liegt. Mit einer speziellen Membran verschlossen wird das Ganze wieder in den Boden gebracht, wo aus den einzelnen Zellen ganze Zellkolonien heranwachsen, die sich im Labor auf ihre antibiotische Wirkung hin testen lassen.

Fündig wurden Ling und ihre Kollegen bei dem neu entdeckten Bakterium Eleftheria terrae. Der darin enthaltene Stoff Teixobactin erwies sich als hochwirksam gegen verschiedene Bakterien, darunter das Milzbrandbakterium Bacillus anthracis, den Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis, den Durchfall-Erreger Clostridium difficile und den resistenten Spitalkeim MRSA. In Tests mit Mäusen konnte selbst eine niedrige Dosis die Tiere heilen.

Grosse Hoffnungen

Die Forscher beschreiben ihren Fund als vielversprechend. Vor allem weil nicht davon auszugehen ist, dass sich dagegen schnell Resistenzen bilden werden. Denn Teixobactin wirke gegen die Bakterien, indem jene Moleküle zerstört werden, die für deren Zellwandaufbau notwendig sind. Als Folge platzen die Zellen auf und sterben.

Zudem greift der neue Wirkstoff – anders als beispielsweise das Antibiotikum Vancomycin, das einen ähnlichen Wirkmechanismus besitzt und bei dem es 30 Jahre dauerte, bis Resistenzen auftauchten – nicht nur ein, sondern gleich mehrere Moleküle an. Damit dürfte das Teixobactin wahrscheinlich noch länger wirken, schätzen die Forscher.

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