«Zu ideologisch»: Neues Komitee kämpft gegen Viererfeld-Vorlage

Aktualisiert

«Zu ideologisch»Neues Komitee kämpft gegen Viererfeld-Vorlage

Vor den Abstimmungen in Bern vom 5. Juni hat sich ein neues Komitee gebildet, welches die Viererfeld-Vorlage bekämpft. Diese sei realitätsfremd, argumentiert das Komitee.

Auf dem Viererfeld soll ein neues Quartier entstehen.

Auf dem Viererfeld soll ein neues Quartier entstehen.

Keystone/Alessandro Della Valle

Zu ideologisch links-grün geprägt und realitätsfremd: Mit diesen Kernaussagen bekämpft ein neues, aus bürgerlichen Politikern bestehendes Komitee die Vierer- und auch die Mittelfeld-Vorlage, welche am 5. Juni in der Stadt Bern zur Abstimmung kommen.

Das Komitee nennt sich Viererfeld/Mittelfeld – so nicht und besteht aus Exponenten der FDP, SVP, CVP und BDP – jenen Parteien, welche die Vorlage schon im Berner Stadtrat bekämpft hatten. Vier Komitee-Vertreter traten am Mittwoch in Bern vor die Medien.

Zu wenig Parkplätze

Keiner von ihnen sprach sich grundsätzlich gegen die Überbauung dieser grossen Freifläche am Rand des Berner Länggassquartiers aus, wo ein neues Quartier für 3000 Menschen entstehen soll. Doch sei die Vorlage der Stadt zu schlecht, als dass man dazu Ja sagen könnte.

Konkret stört sich das Komitee an der Beschränkung der Parkmöglichkeiten auf 0,5 Plätze pro Wohnung in der Wohn- und in der gemischten Wohn- und Gewerbezone und an an der Vorschrift, dass 50 Prozent der Wohnungen gemeinnützig sein müssen. Damit entstehe kein Quartier, das für Familien geeignet sei, sagte Claudio Fischer, Stadtrat der CVP: «Alle Familien, die ich kenne, haben ein Auto.»

Mit dieser Parkplatzbeschränkung werde dereinst auch das Gewerbe seine liebe Mühe haben: Davon zeigte sich SVP-Fraktionschef Roland Jakob überzeugt. Gemäss den Plänen der Stadt sollen im neuen Quartier auch rund 750 Arbeitsplätze entstehen.

«Erziehungsvorlage»

Der 50-Prozent-Anteil gemeinnütziger Wohnungsbau sei nicht mehr vereinbar mit der Pflicht der Stadt Bern, ihr Finanzvermögen –also etwa Liegenschaften und Land – gewinnorientiert zu verwenden, sagte Philip Kohli, Präsident der BDP/CVP-Fraktion im Stadtrat. Und Bernhard Eicher, Fraktionschef der FDP, sprach von einer «Erziehungs- statt einer Überbauungsvorlage».

Es könne schon sein, dass vielerorts eine Parkplatzbeschränkung auf 0,5 Plätze pro Wohnung normal sei und die Wohnungen dennoch verkauft würden, antwortet Eicher auf die Frage eines Journalisten. Doch wenn das so sei, brauche es auch keine entsprechende Vorschrift im Zonenplan.

Das Komitee will 30'000 Franken aufwenden und den Abstimmungskampf mit sozialen Medien, Flugblättern in alle Haushalte und mit Plakaten führen.

Ohne «Viererfeld Nature»

Gegen die beiden Abstimmungsvorlagen Vierer- und Mittelfeld tritt nebst einem von den Plänen betroffenen Familiengarten-Verein der Verein Viererfeld Nature 2.0 ein. Dieser und das bürgerliche Komitee stünden zwar im Kontakt, arbeiteten aber nicht zusammen, sagte Eicher. Sein Komitee richte den Fokus vor allem auf die ideologischen Fragen, der Verein habe einen anderen Ansatz. Das bestätigt Peter Camenzind, Vorstandsmitglied des Vereins Viererfeld Nature 2.0: «Uns geht es um Stadtentwicklung. Wir machen keine Parteipolitik.»

Auf der Befürworterseite gibt es das Komitee Ja zum Viererfeld. Dieses wandte sich Anfang März an die Öffentlichkeit. Es besteht aus zehn Parteien, Verbänden und Organisationen.

(sda)

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