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GeschmackstestNeues Label soll vor Olivenöl-Bschiss schützen

Es ist nicht überall hochklassiges Extra-vergine-Olivenöl drin, wo es draufsteht. Supermärkte in der Schweiz denken deswegen weiter.

von
Isabel Strassheim
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Minderwertige Qualität: Lidl wie auch der Olivenöl-Hersteller Bertolli sind in Italien gebüsst worden.

Minderwertige Qualität: Lidl wie auch der Olivenöl-Hersteller Bertolli sind in Italien gebüsst worden.

zvg
Allein Lidl muss deswegen rund 550'000 Euro zahlen.

Allein Lidl muss deswegen rund 550'000 Euro zahlen.

Keystone/Christian Beutler
Olivenöl-Ernte: Extra-vergine-Öl ist teurer und  muss den höchsten Qualitätsansprüchen genügen.

Olivenöl-Ernte: Extra-vergine-Öl ist teurer und muss den höchsten Qualitätsansprüchen genügen.

AP/Francisco Seco

Auch wenn sie schön aussehen, ist den Etiketten auf den Olivenöl-Flaschen nicht unbedingt zu trauen. Ende Juni hat die italienische Anti-Betrugs-Behörde gegen Lidl sowie gegen die Olivenöl-Hersteller Deoleo (Bertolli, Carapelli und Sasso) sowie Pietro Coricelli eine Busse von rund einer Million Euro ausgesprochen. Lidl allein muss rund 550'000 Euro zahlen. Der Grund: Der Detailhändler verkaufte als «extra vergine» deklariertes Öl, das gar keines war. Das Besondere an dem Urteil ist, dass die Öle zwar der chemischen Kontrolle im Labor den Qualitätsansprüchen genügt hatten, aber beim rein geschmacklichen Sensorik-Test durchgefallen waren.

Bei Lidl Schweiz steht zwar auch Bertolli-Olivenöl in den Verkaufsregalen, aber dieses genüge den Extra-vergine-Richtlinien, sagt Lidl-Sprecherin Corina Milz zu 20 Minuten. Bei einem Sensorik-Test von «Kassensturz» diesen Mai fiel der Detailhändler allerdings mit anderen seiner Öl-Marken klar durch. Das Urteil: Sie dürften nicht als «extra vergine» angepriesen werden.

Strafanzeigen auch in der Schweiz möglich

«Grundsätzlich sind auch in der Schweiz Strafanzeigen gegen Vertreiber wegen falsch deklarierten Olivenöls möglich», sagt der Kantonschemiker des Thurgaus, Christoph Spinner, zu 20 Minuten. Unklar sei jedoch, ob wie in Italien allein das Durchfallen beim Geschmackstest für eine Verurteilung durch ein Gericht ausreiche.

Extra-vergine-Olivenöl ist ein beliebtes Produkt für Fälscher.«Mit minderwertigen Ölen können auf diese Weise hohe Gewinne gemacht werden», sagt Olivenöl-Experte Silvan Brun. Italien habe 2014 mehr Olivenöl exportiert, als es selbst hergestellt habe. Öle aus aller Welt würden mit italienischem gemischt, um dann wieder exportiert werden zu können. «Das ist zwar nicht verboten, führt die Konsumenten aber irre, weil die Öle unter bekannten italienischen Namen verkauft werden und in puncto Qualität zudem leider oft nichts mit dem Standard ‹extra vergine› zu tun haben, obwohl genau das auf dem Etikett steht.»

Manor führt ein neues Label ein

Brun geht jedoch davon aus, dass sich mit dem jüngsten Urteil in Italien die Überwachung auch hierzulande verbessere. «Auch Händler wie Lidl dürften jetzt die Qualität besser überprüfen.»

Manor führt am Mittwoch als erster Detailhändler in der Schweiz Öle mit einem neuen Label der International Olive Foundation (IOF) ein. «Wir möchten mit diesem Label die Kaufentscheidung unserer Kunden vereinfachen, denn die IOF-Zertifizierung bedeutet höchste Qualität», sagt Manor-Sprecherin Elle Steinbrecher zu 20 Minuten.

Weiterhin ranzig schmeckendes Öl in den Regalen

Von Experten getestet werden müssen auch Extra-vergine-Öle ohne das neue Label, und zwar vom einzigen offiziellen Panel, das bei der Fachstelle Sensorik der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft (ZHAW) angesiedelt ist. Annette Bongartz, die Leiterin Sensorik der ZHAW, betont allerdings, dass es eine 100-prozentige Kontrolle der Öle nicht geben kann.

«Die Mengen und Marken auf dem Markt sind zu gross», sagt Bongartz. «Nicht alle Olivenöle, die in den Regalen der Schweizer Supermärkte als ‹extra vergine› deklariert sind, entsprechen aus sensorischer Sicht dieser Güteklasse.» Denn anders als bei dem neuen Label werde nicht jede Charge getestet.

Drei Klassen von Olivenöl

Extra vergine ist ein Olivenöl nur, wenn es einen besonders niedrigen Anteil an freien Fettsäuren hat (Laboranalyse). Es muss jedoch auch höchste Geschmacks und Geruchs-Kriterien erfüllen. Zum Beispiel darf es nicht "ranzig" oder "stichig" schmecken (Geschmackstest durch Experten).

Vergine genannte Öle dürfen einen höheren Anteil an freien Fettsäuren haben. Und auch leichte Fehler bei Geschmack und Geruch werden in Kauf genommen.

Gewöhnliches Olivenöl hat einen noch höheren Anteil an freien Fettsäuren. Geschmacksfehler dürfen zudem auftreten, ish

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