Abandonware: Neues Leben für vergessene Pixelhasen
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AbandonwareNeues Leben für vergessene Pixelhasen

Games der Kategorie Abandonware sind klein und schon etwas älter. Kaufen kann man sie nicht mehr, Enthusiasten sorgen aber dafür, dass man sie heute wieder erhält.

von
F. Fischer
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Die Rache der Hasen: Als Langohr-Ninja können im Abandonware-Game «Ninja Rabbits» Menschen verkloppt werden.

Die Rache der Hasen: Als Langohr-Ninja können im Abandonware-Game «Ninja Rabbits» Menschen verkloppt werden.

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Im Bau gibt's anderen Hasen eins auf die Stupsnase.

Im Bau gibt's anderen Hasen eins auf die Stupsnase.

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Der Adventureklassiker «Monkey Island 2: LeChucks Revenge» wartet mit kniffligen Rätseln auf.

Der Adventureklassiker «Monkey Island 2: LeChucks Revenge» wartet mit kniffligen Rätseln auf.

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Von der Mode sind wir die Rückkehr in die Ästhetik vergangener Jahrzehnte gewohnt. Während auf der Jagd nach dem aussergewöhnlichsten Teil aus den 1990ern immerhin noch Brockenhäuser angesteuert werden müssen, haben es Retrogamer gemütlicher. Psychedelische Pixelwelten, fiepsiges 8-Bit-Gedudel und eine nervöse Steuerung, wie sie beispielsweise das Beat 'em up «Ninja Rabbits» von 1991 bietet, sind nur ein paar Sekunden Wartezeit entfernt.

Denn länger dauert der Download eines Spiels der Kategorie Abandonware normalerweise nicht. Bei ihrer Veröffentlichung mögen sie den Konsolen und Computern volle Leistung abverlangt haben – heutige Hardware muss für ein «Ninja Rabbits» nicht mal die Kühlung anwerfen.

Klassiker ausser Reichweite

Was natürlich nicht heisst, dass diese Games keinen Spass machen. Im Gegenteil: Jahrzehnte engagierten Gamedesigns haben grossartige Spiele hervorgebracht, die zu Klassikern geworden sind. Sie sind zeitlos und weiterhin relevant – für «Ninja Rabbits» gilt das zwar nicht unbedingt, doch weil gerade Ostern ist, bekommt es hier einen Ehrenplatz.

Klassiker sind etwas Schönes, leider aber sind viele Rechteinhaber nicht an ihrem Erbe interessiert. Das hat oft rein kommerzielle Gründe, in anderen Fällen ist der ursprüngliche Vertrieb im Bankrott-Nirvana verschwunden. Die Spiele werden in der Folge nicht mehr verkauft und sind für heutige Gamer vorerst verloren.

Abstürzen wie anno dazumal

Glücklicherweise gibt es gut vernetzte Communitys, die sich um die vergessenen Games kümmern und sie wieder zugänglich machen. Dazu gehört auch die Entwicklung von Emulatoren. Diese Programme bilden die Betriebssysteme nach, für die die Games ursprünglich entwickelt wurden.

Wer in den 90ern bereits gespielt hat, kann sich gut an den Ärger über eingefrorene Bildschirme oder unverhoffte Neustarts erinnern. Die Hardware läuft mittlerweile zuverlässiger, die Amiga- oder DOS-Emulatoren funktionieren aber beileibe nicht so geschmiert, wie es Gamer heutzutage von ihren Geräten gewohnt sind.

Keiner zu klein, ein altes Game zu sein

In den Kommentarspalten finden sich deshalb durchaus verzweifelte Hilferufe, die aber eigentlich ganz unberechtigt sind. Denn das Spielerlebnis wird doch erst richtig authentisch, wenn sich die Fehlermeldungen häufen oder der Computer nur dank Notabschaltung (was ja auch die gängigste Lösung bei einem Problem mit Windows 95 war) überhaupt noch eine Reaktion zeigt.

Zudem hat «Abandonware» auch unbestrittene Vorteile, etwa einen geringen Bedarf nach Speicherplatz. Nach 1995 Geborene kennen eine Masseinheit wie Kilobyte (KB) nur noch vom Hörensagen. So ist «Ninja Rabbits» – was sonst – gerade mal 276 KB gross. Das reicht heutzutage gerade mal für ein pixeliges GIF.

Neben diesem zugegebenermassen ziemlich trashigen Game warten zahlreiche ebenso kompakte, qualitativ aber sehr viel hochstehendere Titel darauf, wiederentdeckt zu werden. Adventureklassiker wie «Monkey Island» oder «Indiana Jones», Strategiespiele wie «Command & Conquer» oder «Die Siedler», Actiontitel wie «System Shock» oder «Metal Gear», um nur einige wenige zu nennen.

Die wachsende Popularität von Abandonware ist natürlich auch den Rechteinhabern nicht entgangen, und so verlangen einige nun doch wieder Geld für den Download ihrer alten Titel. Meist kosten sie aber nicht viel mehr als eine Tasse Kaffee in einer Schweizer Stadt. Wer also gerne mal einen Espresso in Zürich trinkt, kann sich auch ab und zu einen Game-Klassiker leisten.

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