Ölpest: Neues Ölleck entdeckt
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ÖlpestNeues Ölleck entdeckt

Im Golf von Mexiko sickert womöglich wieder Öl aus dem Meeresboden. Die US-Regierung ist beunruhigt, BP gibt sich unwissend.

Auch nach drei Monaten Ölkatastrophe am Golf von Mexiko reisst die Pannenserie nicht ab. Die Einsatzleitung der Regierung teilte in der Nacht zum Montag mit, dass in der Nähe des verschlossenen Bohrlochs Erdöl aus dem Meeresboden entweiche.

Experten der US-Regierung und BP-Verantwortliche trafen sich am Sonntagabend, um über die entdeckten Blasen zu beraten. Möglicherweise wurden sie durch Methangas verursacht, die auf austretendes Öl schliessen lassen könnten. Nach dem Treffen erklärte Krisenkoordinator Thad Allen, die Belastungstests dürften 24 Stunden fortgesetzt werden.

Bohrinsel gesunken - Ölteppich bleibt

Die Erlaubnis für die Fortführung des Tests sei aber an die Bedingung geknüpft, dass BP «rigoros» überwache, dass der Test die Gesamtlage nicht verschlechtere, sagte Allen. Zudem müsse BP einen Plan für die schnellstmögliche Öffnung der Abdichtkappe vorlegen, sollte sich der Ölaustritt am Meeresboden bestätigen.

Mehr Öl als BP behauptet läuft in Meer aus

BP-Einsatzmanager Doug Suttles räumte ein, an zwei Stellen seien «einige wenige Blasen» ausgemacht worden. Dies sei nicht ungewöhnlich, würde aber beobachtet. Sollte sich bestätigen, dass das Öl aus dem Bohrloch stamme, werde die Kappe umgehend geöffnet und das Öl abgepumpt, sagte BP-Sprecher Robert Wine in London.

Lebendig begraben im Öl

BP und Regierung uneins über Vorgehen

BP hatte erst am Sonntag einen entscheidenden Durchbruch verkündet: Seit gut drei Tagen fliesse kein Öl mehr aus dem Bohrloch, der neue Zylinder habe das Leck in 1500 Meter Tiefe geschlossen. Es war der erste echte Fortschritt nach diversen Fehlschlägen seit dem Unfall auf der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April.

Angesichts der positiven Drucktests hatte BP angekündigt, das Bohrloch bis Mitte August geschlossen halten zu wollen. Dann sollte über Entlastungsbohrungen die defekte Pipeline endgültig mit Schlamm und Beton versiegelt werden.

Dagegen fürchtet die Einsatzleitung, die Steigleitung könne der Belastung des Drucks nicht standhalten und befürwortet eher, die Ventile des Zylinders wieder zu öffnen und das ausströmende Öl wie zuvor auf bereitstehende Schiffe abzupumpen. Krisenkoordinator Allen hat das letzte Wort in der Sache.

BP bezahlt bislang knapp 4 Milliarden

Die BP-Bohrinsel «Deepwater Horizon» war im April nach einer Explosion gesunken. Es handelt sich um die schwerste Ölpest der US- Geschichte.

Bislang strömten Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge zwischen 2,3 und 4,5 Millionen Barrel Öl ins Meer. Das entspricht in etwa der neun- bis 17-fachen Menge dessen, was 1989 bei der Ölkatastrophe der Exxon Valdez in Alaska ausgelaufen war.

BP musste nach eigenen Angaben für die Folgen der Ölkatastrophe bislang 3,95 Milliarden Dollar aufbringen. Die Zahl umfasst die Kosten für Eindämm- und Reparaturarbeiten, die Beseitigung der Umweltschäden wie auch die Zahlungen an die betroffenen US- Bundesstaaten und die US-Regierung.

Ebenfalls enthalten sind rund 67'500 Entschädigungszahlungen an Betroffene, für die der Konzern 207 Millionen Dollar ausgab. BP hat eingewilligt, 20 Milliarden Dollar in einen Treuhandfonds zur Begleichung von Schadenersatzforderungen zu zahlen. (sda/dapd)

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