Anzeigengenerator «Netzpigcock» - Neues Online-Tool generierte schon 1000 Anzeigen wegen Dickpics
Aktualisiert

Anzeigengenerator «Netzpigcock»Neues Online-Tool generierte schon 1000 Anzeigen wegen Dickpics

Der Verein der Zugerin Jolanda Spiess-Hegglin macht es mit einem Online-Anzeigengenerator möglich, innert Sekunden eine Anzeige zu erstellen, wenn man ungewollt Dickpics zugeschickt bekommt. Nach einem Monat zeigt sich: Das Tool wird sehr oft benutzt.

von
Astrid Winiker
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So sieht die Homepage von netzpigcock.ch aus. 

So sieht die Homepage von netzpigcock.ch aus.

Screenshot netzpigcock.ch
Screenshot netzpigcock.ch
Dieses Online-Formular kann man ausfüllen, dann wird mit den Angaben eine vorfrankierte Anzeige generiert, die man ausdrucken kann. Die Adresse der zuständigen Staatsanwaltschaft zum Beispiel wird automatisch ausgefüllt auf dem Schreiben.

Screenshot netzpigcock.ch

Jolanda Spiess-Hegglin lanciert mit ihrem Verein #NetzCourage das Projekt «NetzPigCock»: Dabei handelt es sich um ein Online-Tool, mit dem innert einer Minute eine Anzeige auf einem vorfrankierten PDF ausgedruckt werden kann, wenn man ungefragt ein Penis-Bild zugeschickt bekam und das zur Anzeige bringen will.

Jolanda Spiess-Hegglin lanciert mit ihrem Verein #NetzCourage das Projekt «NetzPigCock»: Dabei handelt es sich um ein Online-Tool, mit dem innert einer Minute eine Anzeige auf einem vorfrankierten PDF ausgedruckt werden kann, wenn man ungefragt ein Penis-Bild zugeschickt bekam und das zur Anzeige bringen will.

Tx Group/Reto Oeschger

Darum gehts

  • Die Zugerin Jolanda Spiess-Hegglin lancierte mit ihrem Verein #NetzCourage das Projekt «NetzPigCock». Dabei handelt es sich um ein Tool, das mit einem Online-Formular automatisch eine Anzeige generiert, wenn man ungefragt ein Penisbild zugeschickt bekommt und das zur Anzeige bringen will.

  • Schon im ersten Monat, in dem das neue Tool auf netzpigcock.ch online ist, wurden über 1000 Anzeigen damit generiert.

  • Das Projekt «NetzPigCock» soll Frauen über ihre Rechte aufklären und sie ermuntern, sich zu wehren.

Gemäss dem Verein #NetzCourage von Jolanda Spiess-Hegglin erhält jede zweite Frau in der Schweiz ungefragt Penisbilder zugeschickt. «Das ungefragte Versenden von Penisbildern fällt unter den Pornografie-Tatbestand von Art. 197 Abs. 2 StGB und ist somit verboten. Wer dagegen verstösst, wird mit einer Busse bestraft. Ist die Person, die das Penisbild unaufgefordert erhält, unter 16 Jahre alt, wird der Täter mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft», schreibt der Verein auf seiner Website netzpigcock.ch.

Auf dieser Website gibts nun seit einem Monat ein Online-Tool, das Anzeigen generieren kann, wenn man eine solche erstatten möchte, weil man ungefragt ein Penisbild zugeschickt bekam. Die Anzeige kann man dann ausdrucken, die Adresse der zuständigen Staatsanwaltschaft zum Beispiel wird automatisch ausgefüllt auf dem Schreiben, das man nur noch unterschreiben und versenden muss.

1178 Anzeigen in einem Monat generiert

Nun zeigt sich: Schon im ersten Monat wurden 1178 Anzeigen generiert, berichtete das Online-Portal Zentralplus. Gespeichert wird dort, wie viele Anzeigen aus welchen Kantonen erstellt werden. Persönliche Daten werden nicht gespeichert, schreibt der Verein. Die meisten Anzeigen wurden in Zürich generiert (211). Darauf folgen Waadt (197) und Basel-Stadt (89). In Zug wurde das Tool 76 Mal und in Luzern 56 Mal gebraucht. Wie oft diese generierten Anzeigen dann auch tatsächlich verschickt wurden, ist hingegen unbekannt.

Was die Staatsanwaltschaften vom neuen Angebot halten, weiss Spiess-Hegglin noch nicht, denn sie habe von diesen keine Rückmeldungen erhalten, sagte sie auf Anfrage von 20 Minuten. Es seien auch noch keine Urteile gefällt worden, aber das hat einen logischen Grund: «Solche Prozesse gehen mehrere Monate.»

Weiter sagt sie: «Wir haben in ein Wespennest gestochen. Jeder kennt es, doch man redet nicht offen darüber. Durch so ein unkonventionelles Projekt kann man den Dreck endlich an die Oberfläche schwemmen.» Gegenüber Zentralplus verwies sie darauf, dass es krass sei, wie viele Frauen davon betroffen seien und wie gross das Bedürfnis sei, sich dagegen zu wehren. «Es zeigt sich jetzt, wie wichtig dieser Anzeigengenerator ist.»

Spiess-Hegglin verweist auch darauf, dass «auf einen Polizeiposten zu gehen und eine Anzeige zu machen für Frauen oftmals zermürbend und demütigend sein kann.» Mit dem Tool geht das nun viel leichter. Sie ist optimistisch, dass durch die einfache Handhabung jetzt viele betroffene Frauen handeln: «Früher gab es sicher weniger solcher Anzeigen, da es mühsam und umständlich war. Da man nun so einfach eine Anzeige generieren kann, wird dies einiges in Bewegung setzen.»

Der Erfolg spornt sie an für mögliche weitere Projekte. «Wir sehen, es funktioniert. Nun überlegen wir uns, was man als Nächstes tun könnte, um für Minderheiten und Frauen die Situation zu verbessern.»

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