Aktualisiert 18.06.2016 12:25

Immo-vote

Neues Portal lässt Mieter ihren Vermieter bewerten

Was bei Hotels Standard ist, gibt es nun auch im Wohnungsmarkt: Mieter können die Hausverwaltung oder den Vermieter beurteilen. Rechtlich ist das nicht unproblematisch.

von
F. Lindegger
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Ein neues Bewertungsportal lässt Mieter Vermieter und Verwaltungen bewerten.

Ein neues Bewertungsportal lässt Mieter Vermieter und Verwaltungen bewerten.

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Mittels Sternchen und Kommentaren können Mieter entweder Kritik ausüben oder Lob verteilen.

Mittels Sternchen und Kommentaren können Mieter entweder Kritik ausüben oder Lob verteilen.

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Das Ganze funktioniert nach dem Prinzip von anderen Bewertungsportalen wie zum Beispiel TripAdvisor, wo Restaurants, Hotels oder Sehenswürdigkeiten unter die Lupe genommen werden.

Das Ganze funktioniert nach dem Prinzip von anderen Bewertungsportalen wie zum Beispiel TripAdvisor, wo Restaurants, Hotels oder Sehenswürdigkeiten unter die Lupe genommen werden.

Keystone/Christian Beutler

Der Berner Marcel Heim will mit einem Bewertungsportal im Internet für mehr Transparenz auf dem Mietmarkt sorgen. «Ich habe schon in vielen Mietwohnungen gelebt und hauptsächlich gute Erfahrungen mit Vermietern und Verwaltungen gemacht», erklärt Heim 20 Minuten. Doch dann hätte es bei einer Wohnung stets Probleme mit der Hausverwaltung gegeben. Und viele seiner Nachbarn berichteten Ähnliches. Frustriert über die neue Erfahrung habe er im Internet nach Erfahrungsberichten mit Verwaltungen gesucht – und nichts gefunden.

«Es gibt Bewertungsportale für Hotels oder Restaurants, aber nicht für Vermieter und Verwaltungen», sagt Heim. Hätte er vorgängig gesehen, dass die Verwaltung schlecht bewertet sei, hätte er auf die Wohnung verzichtet. Dieses Ereignis sei im letzten Herbst der Auslöser gewesen, um Immo-vote.ch zu lancieren. So heisst das Bewertungsportal von Heim, das seit wenigen Wochen online ist.

«Bewertungsportal auch für Vermieter interessant»

«Die Website soll dazu beitragen, ein besseres Verhältnis zwischen Vermietern und Mietern zu schaffen.» Die guten Verwaltungen und Vermieter würden durch das Bewertungssystem belohnt. Jene, die schlecht bewertet werden, erhielten aufgezeigt, wo die Probleme sind und was verbessert werden könnte, erklärt Heim. Das Portal sei deshalb auch für Vermieter und Verwaltungen interessant, ist er überzeugt.

Auf Immo-vote.ch können anonyme Bewertungen abgegeben werden. Einerseits durch die Vergabe von einem (schrecklich) bis fünf (ausgezeichnet) Sternchen. Andererseits gibt es auch die Möglichkeit, Kommentare zu verfassen. In den letzten Tagen seien bereits rund 40 Kommentare eingegangen, erklärt Heim. Diese würden kontrolliert und gelöscht, falls sie despektierlich oder verletzend seien.

«Bis jetzt waren die Kommentare sehr ausgewogen und fair», sagt Heim. Sollte sich jemand, der bewertet wurde, ungerecht behandelt fühlen, könne er sich melden und es werde versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden: «Die Seite ist für berechtigte Kritik gedacht und nicht dafür, jemanden anzuschwärzen.»

Bedenken des Datenschützers

Solange die Website professionell geführt werde und die Bewertungen sachlich seien, habe der Hauseigentümerverband Schweiz (HEV) nichts an einem Bewertungsportal für Vermieter und Verwaltungen auszusetzen, sagt Direktor Ansgar Gmür zu 20 Minuten. Oft seien Bewertungen aber wenig aussagekräftig: «Es gibt immer zwei Seiten und jeder sieht die Sache etwas anders.» Wer bewertet werde, sollte deshalb die Chance erhalten, im Vornherein eine Stellungnahme abgeben zu können, so Gmür. Zudem biete eine solche Plattform immer auch ein Missbrauchspotenzial und könne dazu genutzt werden, jemandem eins auszuwischen.

Es ist nicht das erste Mal, dass in der Schweiz ein Vermieterbewertungsportal lanciert wird. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) erklärte vor einigen Jahren, dass solche Plattformen rechtliche Probleme mit sich bringen könnten. Diese Bedenken seien auch heute noch aktuell, sagt EDÖB-Sprecher Francis Meier. «Der Betreiber sollte beispielsweise die Einwilligung der bewerteten Vermieter und Verwaltungen einholen.» Zudem müsse sichergestellt werden, dass die Personendaten der Bewerter korrekt seien und keine ehrverletzenden Inhalte publiziert werden.

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