01.07.2020 05:10

Warnung aus China

Neues Schweinegrippe-Virus mit «Pandemiepotenzial» entdeckt

Schlechtes Timing: Während Sars-CoV-2 die Welt in Atem hält, melden chinesische Forscher, sie hätten ein neues Virus bei Schweinen entdeckt, das alle Eigenschaften besitze, «um Menschen infizieren zu können».

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Chinesische Virologen haben einen neuen Subtyp des Virus H1N1 entdeckt, der sich seit 2016 in Schweinebeständen vermehrte.

Chinesische Virologen haben einen neuen Subtyp des Virus H1N1 entdeckt, der sich seit 2016 in Schweinebeständen vermehrte.

Foto: Keystone
Auch bei Mitarbeitern auf Schweinefarmen in China konnten Antikörper gegen das Virus bereits nachgewiesen werden.

Auch bei Mitarbeitern auf Schweinefarmen in China konnten Antikörper gegen das Virus bereits nachgewiesen werden.

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Das haben Blutanalysen gezeigt.

Das haben Blutanalysen gezeigt.

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Darum gehts

  • Forscher aus Peking berichten von einem neuen Grippevirus bei Schweinen.
  • Das Virus sei für Menschen zunehmend ansteckend, unmittelbare Gefahr bestehe aber nicht.
  • Allerdings habe das Virus das Potenzial, pandemisch zu werden.
  • Ein US-Wissenschaftler beschwichtigt jedoch: Es gebe keinen Hinweis, dass das Virus beim Menschen zirkuliere.

Chinesische Wissenschaftler warnen vor einem neuen Grippevirus bei Schweinen. Dieses habe das Potenzial für eine Pandemie, hiess es in der Studie, die in dem Fachjournal «Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America» (PNAS) veröffentlicht wurde.

Das neue Virus, das bei Schweinen in China entdeckt worden sei, sei für Menschen zunehmend ansteckend geworden, es bestehe aber keine unmittelbare Gefahr. «China verfolgt die Entwicklungen in dieser Angelegenheit genau. Wir werden alle notwendigen Massnahmen ergreifen, um die Ausbreitung eines jeglichen Virus zu verhindern», erklärte der Sprecher des chinesischen Aussenministeriums, Zhao Lijian, am Dienstag.

Erhöhte Viruswerte im Blut von Schweinefarm-Mitarbeitern

Der Studie zufolge untersuchten chinesische Wissenschaftler Influenzaviren, die von 2011 bis 2018 bei Schweinen gefunden wurden. Sie fanden dabei einen «G4»-Stamm des als Schweinegrippe bekannten H1N1-Virus, das 2009 eine Pandemie ausgelöst hatte (siehe Box). Dieser besitze «alle wesentlichen Merkmale eines Kandidaten für ein Pandemievirus». Mitarbeiter von Schweinefarmen wiesen erhöhte Antikörperwerte des Virus in ihrem Blut auf; eine genaue Überwachung bei Menschen, insbesondere bei Arbeitern in Schweinefabriken, sei dringend nötig.

Es bestehe das Risiko, dass sich das Virus auf Menschen in dicht besiedelten Regionen übertrage, in denen Millionen in unmittelbarer Nähe von landwirtschaftlichen Betrieben, Zuchtanlagen, Schlachthöfen und Märkten leben.

Schweinegrippe-Pandemie von 2009/2010

Der offizielle Name der Schweinegrippe-Pandemie lautete Pandemie H1N1 2009/10 – als solche wurde das globale Auftreten von Influenza-Erkrankungen bezeichnet, die durch eine im Jahr 2009 entdeckte Influenzavirus-Variante des Subtyps A (H1N1) und eng verwandter Subtypen hervorgerufen wurde.

Das Virus wurde erstmals Mitte April 2009 bei zwei Patienten nachgewiesen, die Ende März unabhängig voneinander in den USA erkrankt waren. Später entdeckte man eine Häufung solcher Krankheitsfälle in Mexiko und fand Hinweise auf eine Verschleppung des Virus über die Landesgrenzen nach Norden.

Ende April 2009 warnte die Weltgesundheitsorganisation WHO zum ersten Mal vor der Gefahr einer Pandemie. Kaum einen Monat später stufte sie die Ausbreitung tatsächlich als eine solche ein. Über ein Jahr später – im August 2010 – erklärte sie die Phase der Pandemie für beendet.

Die Symptome der Schweinegrippe waren ähnlich wie bei einer saisonalen Grippe: Fieber, Frösteln, Halsweh, Schnupfen, Muskelschmerzen, Kopfweh und Müdigkeit. Einige Erkrankte leiden auch unter Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Die Pandemie entpuppte sich als weniger tödlich als ursprünglich befürchtet.

US-Forscher beschwichtigt

In der Studie hiess es, Schweine seien ein wichtiges «Mischgefäss» für die Erzeugung von pandemischen Influenzaviren, weshalb eine «systematische Überwachung» erforderlich sei.

Obwohl das neue Virus in der Lage sei, Menschen zu infizieren, bestehe kein unmittelbares Risiko einer neuen Pandemie, sagte Carl Bergstrom, Biologe an der Universität von Washington. «Es gibt keine Hinweise darauf, dass G4 trotz fünfjähriger intensiver Exposition beim Menschen zirkuliert», erklärte er auf Twitter. Bergstrom war nicht an der Studie beteiligt, hat sich aber nachvollziehbar für seine Follower mit ihr beschäftigt.

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(REUTERS)

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