24.07.2020 13:10

Kanton Graubünden

Neues Wolfsrudel entdeckt – Wachablösung beim Calanda-Rudel?

Wie bereits länger vermutet, hat sich im Bündnerland ein neues Wolfsrudel gebildet. Es erhielt die Bezeichnung Stagias-Rudel. Andere Rudel haben für Nachwuchs gesorgt. Um das Calanda-Rudel gibt es viele Fragezeichen.

von
Michel Eggimann
1 / 8
Dieser Wolf wurde als Jungwolf des neuen Stagias-Rudels ausgemacht.

Dieser Wolf wurde als Jungwolf des neuen Stagias-Rudels ausgemacht.

Amt für Jagd und Fischerei GR
Die Wölfe werden im Kanton Graubünden genau beobachtet und ihre Entwicklungen dokumentiert.

Die Wölfe werden im Kanton Graubünden genau beobachtet und ihre Entwicklungen dokumentiert.

KEYSTONE
Dabei helfen auch Fotofallen.

Dabei helfen auch Fotofallen.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Im Kanton Graubünden gibt es mit dem Stagias-Rudel ein sechstes Wolfsrudel.
  • Beobachtungen und Fotofallen bestätigten die Vermutung eines neuen Rudels.
  • Bei anderen Rudeln gab es Nachwuchs.
  • Besonders beim Calanda-Rudel gibt es viele Unklarheiten.

Die Präsenz eines Wolfspaars rund um Sedrun und Disentis deutete schon länger darauf hin, dass sich in dieser Region ein weiteres Wolfsrudel bilden wird. Nun hat sich diese Vermutung bestätigt. Bis jetzt seien drei Jungtiere beobachtet worden, teilt das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden mit. Amtsleiter Adrian Arquint sagt: «Das konnten wir aufgrund von Beobachtungen und Fotofallen feststellen.» Das Revier des neuen Rudels umfasst das Gebiet Sursassiala. Es erstreckt sich über die Gemeindegebiete Tujetsch, Disentis/Muster und Medel (Lucmagn). Mit dem neuen Rudel sind nun zusammen mit dem Morobbia-Rudel an der Kantonsgrenze zum Tessin sechs Rudel bestätigt, die ihre Streifgebiete im Kanton Graubünden haben.

Bekannte Wolfsrudel ebenfalls mit Nachwuchs

Am Heinzenberg, rund um den Glaspass konnten sowohl Schafhirtinnen als auch die Wildhut des Amts für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden mehrere Male Rufe von Wolfswelpen hören. Dies bestätigt die Annahme einer Reproduktion beim Beverin-Rudel. Noch ist aber nicht klar, um wie viele Welpen es sich handelt. Arquint meint dazu: «Es ist sehr schwierig, zu dieser Zeit bereits die Anzahl von Jungtieren zu bestimmen. Das ist nicht nur beim Beverin-Rudel so, sondern bei allen.» Im letzten Jahr hätten sie die Anzahl Welpen erst im Herbst eruieren können.

Auf einer Alp auf der Nordseite von Ilanz konnten von der Wildhut zwei erwachsene Wölfe mit fünf Jungwölfen beobachtet werden. Der Aufenthaltsort deutet darauf hin, dass es sich dabei um das Ringelspitz-Rudel handelt. Obwohl die Tiere über einen langen Zeitraum beobachtet werden konnten, lässt sich nicht ausschliessen, dass mehr als fünf Welpen zum Rudel gehören.

Auch in Obersaxen gab es Hinweise, dass das Valgronda-Rudel in diesem Jahr wieder Nachwuchs erhalten hat. Hier können ebenfalls noch keine Angaben zur Anzahl der Welpen gemacht werden.

Nicht allen passt die Wolfspräsenz in Graubünden, wie dieses Video aus Panix vom März zeigt.

20M

Offene Fragen beim Calanda-Rudel

Das erste Rudel war 2012 das Calanda-Rudel. Dort gibt es noch keine Informationen zu Nachwuchs und auch sonst gibt es Unklarheiten. Arquint erklärt: «Die beiden Leittiere des Rudels kommen langsam in die Jahre. Wenn Wölfe ein gewisses Alter erreicht haben, sorgen sie für keinen Nachwuchs mehr.»

Es sei aber unklar, ob neue Leittiere das Rudel übernommen haben und ob diese Nachwuchs produziert haben. Diese Leittiere müssten auch nicht zwingend aus dem gleichen Rudel kommen. Es sei auch möglich, dass sie aus einer anderen Region zum Calanda-Rudel gestossen seien, erklärt Arquint. Denn Jungwölfe bleiben nicht immer beim Rudel, sondern wandern auch ab, und so entstehen neue Rudel. Es ist noch nicht bekannt, ob es in den letzten Wochen in weiteren Regionen des Kantons Graubünden zu neuen Rudelbildungen mit Nachwuchs gekommen ist.

Wolfspräsenz in Appenzell Innerrhoden

Zunehmende Wolfsbestände im Alpenraum sorgen dafür, dass sich Wölfe vermehrt auch im Ap-
penzellerland aufhalten. Erst vor wenigen Wochen kam es auch zu Rissen von anderen Tieren auf der Potersalp. Mehrere Geissen wurden dort von einem Wolf getötet oder verletzt. Wie die Jagd- und Fischereiverwaltung und das Landwirtschaftsamt im Kanton Appenzell Innerrhoden informieren, hält sich im Gebiet Potersalp-Schwägalp seit mindestens einem Monat ein Wolf auf. Diese längere Wolfspräsenz ist für den Kanton neu. Die Sennen sorgen sich um das Wohl ihrer Nutztiere auf der Alp. Bisher seien vier Geissen gerissen worden. Durch die neue Situation suchen die beiden Ämter den Austausch mit den Bauern und stehen für Informationen zur Verfügung.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
43 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Tino

25.07.2020, 10:20

Die Jäger und die Bauern haben vollstes Verständnis wenn man sie Jagt. Der Wolf hat keine natürliche Feinde, deshalb braucht es den Beschuss.

Thomi

24.07.2020, 15:53

Ich finde es schön und toll, dass wir wieder neue Wölfli bei uns haben...

P. Bissig

24.07.2020, 15:02

Ich brauche sie nicht, bringen nichts, verursachen nur schaden und der Verlust von lieben Haustiere, weg mit dieser Seuche.