Aktualisiert 06.06.2005 18:05

Nick Hornby - «A Long Way Down»

Neuling von Hornby zäh und schleppend

ROMAN – Martin ist ein abgehalfterter Fernsehmoderator, der wegen Unzucht mit einer Minderjährigen im Knast war.

Maureen hütet seit Jahrzehnten alleine ihren schwerstbehinderten Sohn.

JJ hat nicht nur seine Rockband, sondern auch seine Freundin verloren. Und Jess, Tochter eines hohen Regierungsbeamten, ist eine hysterische Zicke. Die vier wollen Selbstmord begehen und von einem Hochhaus springen, dummerweise alle zum genau gleichen Zeitpunkt – an einem Silvesterabend.

So klappt das selbstverständlich nicht. Man beginnt miteinander zu reden und entdeckt, dass das persönliche Elend doch nicht so riesig ist, dass es gleich mit Suizid enden muss. Und man beginnt einander zu helfen, oft mit den untauglichsten Mitteln, aber, hey, die gute Absicht zählt.

Nick Hornbys neuester Roman geht von einer interessanten Versuchsanordnung aus. Die vier Protagonisten erzählen die weitere Entwicklung der Dinge nach dem gescheiterten Suizid. Dabei allerdings geht denen der Schnauf aus und die Handlung schleppt sich zäh dahin. Hornby hat immer noch ein ebenso leichtes wie präzises Händchen, die verschiedenartigsten Mitglieder der modernen Gesellschaft zu beschreiben, aber allzu oft wird er zum literarischen Sozialarbeiter. Zum selben Thema hat der Finne Arto Paasilinna mit «Der wunderbare Massenselbstmord» längst einen bedeutend knackigeren Roman geschrieben.

Wolfgang Bortlik

Nick Hornby: «A Long Way Down». Kiepenheuer & Witsch, 338 Seiten, 34.90 Franken.

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