Aktualisiert 25.06.2009 17:28

ZürichNeun Jahre für russischen Prügel-Offizier

Ein Ex-Offizier der russischen Armee muss für neun Jahre hinter Gitter. Laut Geschworenengericht hat der nicht geständige Mann in der Asylunterkunft in Lachen SZ einen Landsmann halbtot und damit zum Invaliden geschlagen.

von
Attila Szenogrady

Ein Opfer, das den Angeklagten entlasten will. Eine Bluttat, die kein neutraler Zeuge beobachtet hat. Der Geschworenenprozess gegen den heute 38-jährigen Angeklagten wies einige Knacknüsse auf. Am Donnerstag kam das Zürcher Geschworenengericht dennoch zu einem klaren Ergebnis. Es verurteilte den russischen Beschuldigten wegen versuchter vorsätzlicher Tötung sowie mehrfacher Drohung zu einer hohen Freiheitsstrafe von neun Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre gefordert. Die Verteidigung erfolglos einen umfassenden Freispruch.

Landsmann zum Invaliden geprügelt

Die Geschworenen waren den Darstellungen der Staatsanwaltschaft gefolgt. Demnach hatte der Angeklagte am 13. Dezember 2006 in Lachen die Asylunterkunft aufgesucht, um einen heute 28-jährigen Landsmann zu besuchen. Zunächst tranken sich die beiden ehemaligen Gefängniskollegen ein starken Wodka-Rausch an. Bis sich der Angeklagte kurz vor Mitternacht auf den Geschädigten stürzte und diesen völlig brutal zusammenschlug. So stark, dass das Opfer schwerste Kopfverletzung mit bleibenden Schäden wie Epilepsie und massive Sehstörungen erlitt.

Opfer mit Gedächtnisverlust

Schlimm war zudem, dass sich der lebensgefährlich verletzte Bauarbeiter wegen eines totalen Gedächtnisverlustes an nichts mehr erinnern konnte. Mit der Folge, dass er den Angeklagten sogar entlastete und ihn als Angreifer ausschloss. Hinzu kam, dass die einige Heimbewohner den Vorfall nur akustisch vernommen, aber nicht gesehen hatten.

Der Angeklagte behauptete am Prozess, dass er erst unmittelbar nach dem Verbrechen am Tatort auftaucht sei. Aus Angst sei er dann aber weggelaufen.

Zu viele Lügensignale

Für die Geschworenen kam aber nur der Angeschuldigte als Täter in Frage. So hatte sich dieser während der Untersuchung in diverse Widersprüche verwickelt. Was das Gericht als klassische Lügensignale wertete. Hinzu kamen an den Kleidern sichergestellte DNA-Spuren, die den Russen ebenfalls massiv belasteten. Für ein angebliches Komplott gab es gemäss dem Gerichtspräsidenten Pierre Martin keine Anhaltspunkte.

Das Gericht sah auch die Vorwürfe bei den Drohungen als erfüllt an. So hatte der Ex-Truppenkommandant der russischen Armee im August 2006 im Zürcher Milieu eine ukrainische Barmaid mit dem Tode bedroht.

80 000 Franken Schmerzensgeld zugesprochen

Das Gericht verpflichtete den verurteilten Angeklagten, dem behinderten Geschädigten ein Schmerzensgeld von 80 000 Franken zu entrichten. Zudem einen grundsätzlichen Schadenersatz in noch zu bestimmender Höhe.

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