Aktualisiert 26.02.2009 10:46

Amsterdam-SchipholNeun Tote bei Turkish-Airlines-Crash

Eine Boeing 737-800 der Turkish Airlines ist beim Landeanflug auf den Amsterdamer Flughafen Schiphol abgestürzt. Mindestens neun Menschen sind ums Leben gekommen, darunter die drei Piloten.

86 Passagiere wurden verletzt, etliche davon schwer. Sechs Menschen schwebten am Abend noch in Lebensgefahr, wie die niederländischen Behörden mitteilten. Insgesamt 134 Menschen waren an Bord, darunter laut türkischem Verkehrsministerium 78 Türken und 56 Ausländer.

Das Unglück ereignete sich nur wenige hundert Meter von einer vielbefahrenen Autobahn entfernt. Um 10.31 Uhr stürzte die Boeing einen halben Kilometer vor Erreichen der Landebahn des Flughafens Schiphol auf ein Feld und zerbrach in mehrere Teile.

Das türkische Verkehrsministerium hatte zunächst beteuert, es sei niemand gestorben. Später mussten die Behörden diese Angaben korrigieren. An den Flughäfen von Istanbul und Amsterdam machte sich Verzweiflung unter Angehörigen breit.

Ursache unbekannt

Die Unglücksursache ist unklar. «Zunächst war es eine normale Landung, und dann hat es sich plötzlich wie ein Fall ins Leere angefühlt», sagte der Passagier Tuncer Mutluhan dem türkischen Nachrichtensender NTV. «Das Flugzeug geriet ausser Kontrolle, fiel und stürzte ab.» Alles sei eine Sache von wenigen Sekunden gewesen.

Sein Mitreisender Kerem Uzel berichtete, kurz nach der Ankündigung der bevorstehenden Landung sei die Maschine plötzlich abgesackt, als ob sie in Turbulenzen geraten sei.

Dann sei sie mit dem Heck zuerst auf dem Boden aufgekommen, neben einer Schnellstrasse entlanggeschlittert und in einem Feld zum Stehen gekommen. Zu dem Zeitpunkt herrschte in der Region schlechte Sicht.

Ein Augenzeuge berichtete der niederländischen Zeitung «De Telegraaf», er sei auf der A9 im Auto gesessen, als er die Maschine beim Landeanflug beobachten konnte. Das Flugzeug sei viel zu niedrig geflogen und habe versucht, wieder an Höhe zu gewinnen, um nicht auf der Autobahn zu landen. «Aber dafür hatte die Maschine nicht genügend Geschwindigkeit, worauf sie nach unten absackte.» Die Nase sei sofort abgebrochen.

Spekulationen, dass der Maschine womöglich der Treibstoff ausging, wurden nicht bestätigt. Luftfahrtexperten schlossen nicht aus, dass der Pilot wegen technischer Probleme auf dem Feld notlanden wollte. Augenzeugen wollen gesehen haben, dass die Maschine sehr langsam aufsetzte.

Blackbox gefunden

Aufschluss über die Unfallursache erhoffen sich die Ermittler von der Blackbox. Der Stimm- und Datenrekorder, der alle Flugdaten und Gespräche im Cockpit aufgezeichnet hat, wurde wenige Stunden nach dem Absturz gefunden.

Das Flugzeug wurde nach Angaben des türkischen Verkehrsministeriums 2003 gebaut und war regelmässig gewartet worden. Die Turkish Airlines liegt in Ranglisten zur Flugsicherheit relativ weit hinten; Grund sind indessen Unfälle, die teilweise Jahrzehnte zurückliegen.

Mitglied der Star Alliance

Seit 1973 verlor das Unternehmen zehn Flugzeuge. Das schlimmste Unglück ereignete sich am 3. März 1974. 346 Menschen starben, als eine DC-10 nach dem Start in Paris-Orly abstürzte. Es war eines der schwersten Unglücke der Zivilluftfahrt überhaupt.

In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen erheblich gewandelt und verfügt über eine hochmoderne Flugzeugflotte und ein neues Trainingskonzept. Deshalb wurde Turkish Airlines auch in die Star Alliance aufgenommen, einem Netzwerk von Fluggesellschaften um die deutsche Lufthansa, der auch die Swiss angehört.

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Quelle: Youtube

(am/dhr/sda)

Crashs der Turkish Airlines

844 Menschen starben. In den letzten 20 Jahren verunglückten vier Maschinen mit insgesamt 138 Todesopfern.

3. März 1974, als alle 346 Passagiere einer vollbesetzten DC-10 mit der Flugnummer 981 beim Absturz unmittelbar nach dem Start in Paris-Orly ums Leben kamen. Der Unfall gilt als eines der schwersten Unglücke der zivilen Luftfahrt. Ursache war die unsachgemäße Verriegelung der hinteren Frachtluke am Boden, die konstruktionsbedingt anfällig für derartige Probleme war.

8. Januar 2003. Im Endanflug auf Diyarbakir Airport, Türkei verlieren die Piloten einer Avro RJ100 die Orientierung, fliegen durch eine Nebelbank und setzen vor der Landebahn auf. Dabei zerbricht das Flugzeug in mehrere Teile und brennt. Nur fünf Menschen überleben. Opfer: 75 Tote

7. April 1999, Boeing 737-400, Ceyhan, Türkei: Beim Steigflug durch schlechtes Wetter verlieren die Piloten aus unbekannten Gründen die Kontrolle und stürzen zu Boden. Die 737 befand sich auf einem Crew-Überführungsflug. Opfer: sechs Tote.

(Quelle: Wikipedia.org)

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