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Neun Tote und 60 Verletzte nach Hochhaus-Brand

Das Flammeninferno in einem Wohnhaus in Ludwigshafen hat mindestens neun Menschen das Leben gekostet. Unter den Opfern sind vermutlich fünf Kinder. Bei der Evakuation spielten sich dramatische Szenen ab.

Da die Feuerwehr eine Etage des vierstöckigen Gebäudes bislang nicht betreten konnte, können weitere Opfer nicht ausgeschlossen werden. Etwa 20 Personen werden noch in Krankenhäusern behandelt, drei sind schwer verletzt, in Lebensgefahr schwebt jedoch niemand mehr. Die Brandursache ist noch unklar.

Oberbürgermeisterin Eva Lohse sprach auf einer Pressekonferenz vom grössten Brand in der Geschichte Ludwigshafens seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie habe sich selbst vor Ort ein Bild gemacht. Die Brandstelle sei ein Bild des Schreckens. «Ich werde das nie vergessen», sagte die CDU-Politikerin.

Der Alarm sei noch während des Fastnachtumzuges ausgelöst worden, deswegen seien die ersten Rettungskräfte bereits gut fünf Minuten später vor Ort gewesen und hätten eine noch grössere Katastrophe verhindert, erklärte Polizeipräsident Wolfgang Fromm.

Die Feuerwehr konnte das Haus allerdings nur wenige Minuten betreten, da dann die Holztreppe einbrach. Vor dem brennenden Haus spielten sich entsetzliche Szenen ab, wie Fromm sagte. Polizeibeamte fingen mit blossen Händen Kinder auf, die von ihren Eltern aus dem Haus geworfen wurden, bevor sie selbst sprangen. Laut Polizei verletzten sich dabei mehrere Menschen schwer.

Aus dem Gebäude wurden nach Angaben der Polizei insgesamt acht Leichen geborgen. Eine Frau erlag im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Unter den rund 60 Verletzten sind auch elf Polizeibeamte und ein Feuerwehrmann.

Zwei Kinder nach einer Stunde aus dem Haus gerettet

Eine Stunde nach Ausbruch des Brandes konnte die Feuerwehr noch zwei Kinder retten, die sich hinter einer Couch versteckt hatten, wie Feuerwehrkommandant Peter Friedrich erklärte. Sie seien wie durch ein Wunder wohlauf.

Weitere Opfer können nicht ausgeschlossen werden. Die dritte Etage des vierstöckigen Gebäudes war auch knapp einen Tag nach dem Ausbruch des Brandes noch nicht begehbar. Für das ganze Haus besteht zudem Einsturzgefahr. Ausserdem ist nicht klar, wer sich zum Zeitpunkt des Brandes in dem Haus aufhielt. Bewohnt wurde das vierstöckige Haus nach Angaben der Behörden von zwei türkischen Familien, 52 Bewohner waren dort gemeldet.

Nach Abschluss der Bergungsarbeiten soll eine 50 Personen starke Kommission die Ermittlungen zur Brandursache aufnehmen. Ein Kind aus dem Haus habe erzählt, es habe einen grossen Knall gegeben. Dann habe alles in Flammen gestanden, hiess es von den Rettungskräften.

Der Brand ereignete sich am Rande eines Fastnachtumzuges. «Wir gehen davon aus, dass auch in dem Haus Fastnacht gefeiert wurde», sagte eine Polizeisprecherin. Es habe offenbar viele Gäste gegeben. Bürgermeisterin Lohse erklärte die Fastnacht in Ludwigshafen für beendet. Wegen der Brandkatastrophe sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck die Teilnahme am Mainzer Rosenmontagszug ab. Am Mittag wollte der SPD-Chef selbst den Brandort besuchen, um sich ein Bild von der Katastrophe zu machen. (dapd)

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