Missbrauch aufgenommen: Neunjährige lockte Horror-Vater in die Falle
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Missbrauch aufgenommenNeunjährige lockte Horror-Vater in die Falle

Zwei Jahre lang missbraucht ein Spanier seine Tochter (9), doch keiner will der Kleinen so recht glauben – bis sie sich eines Tages einen Rekorder besorgt.

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Maria aus Madrid wurde zwei Jahre lang von ihrem Vater missbraucht, bis sie ihn überführte. (Symbolbild)

Maria aus Madrid wurde zwei Jahre lang von ihrem Vater missbraucht, bis sie ihn überführte. (Symbolbild)

Keystone/Christof Schuerpf

Maria* (9) hat in den letzten zwei Jahren Schreckliches durchgemacht. Nach der Trennung der Eltern besuchte das Mädchen ihren Vater regelmässig. Doch schon von Anfang an beklagte es sich bei der Mutter, dass der Vater es sexuell belästige. Eine Anzeige bei den Behörden brachte nichts, da ein Gericht in Madrid vermutete, dass die Geschichte ein Trick der Mutter sei, um ihre Tochter nicht zum Vater gehen zu lassen.

Also entschied sich Maria vor einigen Wochen, ihren Vater selbst zu überführen, in dem sie an einem Besuchstag einen Rekorder mitnahm. Während der sechsstündigen Aufnahme brachte die Kleine den Mann dazu, den Missbrauch zu gestehen.

Zuerst eine Blasenentzündung

Der erste Vorfall geschah, als Maria sieben Jahre alt war. Nach einem mehrtägigen Aufenthalt im Haus des Vaters kehrte sie mit einer Blasenentzündung heim. Als die Ärzte in der Notaufnahme sie fragten, seit wann sie das Brennen an den Geschlechtsteilen spüre, sagte die Kleine: «Seit Papa mich mit seinem Fingernagel kratzte.»

Maria erzählte dann der Mutter, dass der Vater sie oft «dort kitzelte» und dass sie das nicht möge. Im August 2014 brachte die Mutter Maria nach einem zehntägigen Besuch beim Vater ein weiteres Mal in die Notaufnahme wegen einer Entzündung der Harnröhre. Diesmal lautete der ärztliche Befund: «Verdacht auf sexuellen Missbrauch.»

Der Psychiater erkannte den Missbrauch nicht

Die Beziehung der Frau zu ihrem Ex war zu diesem Zeitpunkt so schlecht, dass die Polizei das Mädchen von der Schule abholen musste, um es zum Vater zu fahren. Die Mutter durfte an diesen Tagen nicht einmal vor dem Schuleingang warten. Maria wehrte sich jedes Mal. Sie schrie und weigerte sich, mit den Grosseltern väterlicherseits mitzugehen, wenn diese sie abholten.

Die forensischen Untersuchungen und die Termine beim Gerichtspsychiater verloren sich inzwischen in der Spirale der Bürokratie. Der Experte befand zudem, Maria habe die Geschichte erfunden, weil er «keine logische Struktur in ihrer Erzählung» sehen konnte.

«Sie meint was anderes»

Am 7. Juni 2016 nahm das Mädchen ein Aufnahmegerät seiner Mutter und steckte es in eine seiner Socken. Es weigerte sich zunächst erneut, ins Auto der Grosseltern einzusteigen, gab jedoch schliesslich nach. Im Haus des Vaters angekommen, stellte Maria den Rekorder an.

Nach einer Weile war es der Vater, der das Gespräch mit seiner Tochter suchte. Die Zeitung «El País» transkribierte einen Teil des haarsträubenden Gesprächs:

Vater: Was ist los mit dir? Wieso bist du immer so böse auf mich?

Maria: Weil ich es nicht mag, dass du mich anfasst.

Vater: Aber wann habe ich dich angefasst?

Maria: Mehrmals.

Vater: Aber Schatz, das mache ich doch nur zum Spielen.

Maria: Aber das darfst du eigentlich nie tun. Mein Körper gehört mir.

Vater: Ja, das stimmt. Dein Körper gehört dir und als du mir sagtest, ich solle damit aufhören, habe ich auch damit aufgehört. Ich wollte dich nur kitzeln.

In dem Moment mischt sich der Grossvater ins Gespräch ein. Er verteidigt seinen Sohn.

Grossvater: Das tut er ja nur, um dich dort richtig zu reinigen. Das muss immer schön sauber sein und eingecremt werden.

Vater zum Grossvater: Nein, nein, das ist nicht, was sie meint. Ich weiss, was sie meint.

Grossvater zu Maria: Ich habe dich auch schon gewaschen, also wäre es dasselbe.

Vater zum Grossvater: Nein, das ist nicht das, worüber sie spricht. Ich weiss ganz genau, was sie meint.

Maria: Es reicht. Hört auf!

Vater: Dann lerne, damit umzugehen.

Grossvater: Dein Vater wollte dich nur waschen.

Vater, genervt: Sei ruhig, Papa, sie redet von etwas anderem.

Die Grossmutter weiss, was vorgeht

An dieser Stelle meldet sich die Grossmutter zu Wort – und gibt zu, vom Missbrauch ihres Sohnes gegenüber ihrer Enkeltochter informiert zu sein: «Das wissen wir doch», sagt sie. Es entsteht eine zwei Sekunden lange Pause. Dann beginnen die Grosseltern über Marias Puppen Pin und Pon zu reden, um sie abzulenken.

Den Rekorder gab Maria ihrer Mutter, die damit – ein weiteres Mal – zur Polizei ging. Der Albtraum für Mutter und Tochter sollte diesmal definitiv eine Ende gefunden haben.

*Name geändert

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