ZÜRICH: Neunjährige sah Pornos - selber Schuld?
Aktualisiert

ZÜRICHNeunjährige sah Pornos - selber Schuld?

Laut Anklage hat ein Kinderhüter aus Stäfa einem neunjährigen Mädchen pornographische Bilder am Computer gezeigt. Das Kind habe die aufreizenden Fotos selbst herunter geladen, wehrte sich der Angeklagte am Freitag vor Gericht.

von
Attila Szenogrady

Die Anklage gegen den heute 42-jährigen Programmierer aus Stäfa lautete auf Pornographie. Bei einem Schuldspruch drohen eine happige Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu 80 Franken sowie eine Busse von 1000 Franken. Wobei die Sanktion von insgesamt 16 800 Franken für den Ersttäter bedingt ausfiele. Die Busse wäre hingegen zu bezahlen. Die Staatsanwaltschaft schilderte, wie sich der Angeklagte im Sommer 2003 in Zürich als Kinderhüter betätigte und ein damals neunjähriges Mädchen beaufsichtigte.

Neunjährige Schülerin sah Pornos

Unbestritten ist, dass das Kind eines Tages vor dem Computer sass und dabei pornographische Bilder anschaute. Es fühlte sich dabei unwohl und berichtete darüber später der Mutter, die Strafanzeige gegen den Kinderbetreuer erstattete. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte die Fotos absichtlich herunter geladen und der Primarschülerin gegen deren Willen gezeigt hatte.

Versehen des Mädchens geltend gemacht

Vor Gericht beteuerte der Angeklagte seine Unschuld. Der Schweizer IV-Rentner, der mit seinem Bart und langen Haaren äusserlich an den Heiland erinnerte, führte aus, dass er selber erschrocken sei, als er das ihm anvertraute Kind plötzlich vor dem Computer gesehen habe. Das Mädchen habe die fraglichen Pornobilder wohl aus Versehen herunter geladen und ihn danach mit zahlreichen Fragen bombardiert. Eine Verantwortung für das Geschehene lehnte der Angeklagte jedenfalls ab. Er mutmasste vielmehr, dass die Schülerin unbeabsichtigt auf die gespeicherten Pornoseiten ihres Vaters gelangt sei.

Vollen Freispruch verlangt

Der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und stufte die Strafanzeige der Mutter als Racheaktion ein. In einem langen Plädoyer skizzierte der Angeklagte eine äusserst komplexe Familiengeschichte, wobei sein Mandant nicht nur als Kinderbetreuer, sondern auch als Liebhaber der Mutter eine wesentliche Rolle gespielt haben soll. Die Geschädigte sei zudem massiv beeinflusst worden, erklärte der Verteidiger und setzte sich in einem Nebenantrag für den Beizug eines Glaubwürdigkeitsgutachtens ein.

Das Gericht zog sich danach zur geheimen Urteilsberatung zurück. Es wird den Entscheid voraussichtlich nächste Woche eröffnen.

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