Aktualisiert 04.05.2017 14:19

Neuseeland ist die Schöne und das Biest in einem

Ob mit oder ohne Surfbrett – Neuseeland entdeckt man am besten mit einem Van. Doch das raue Küstenwetter ist nichts für Warmduscher.

von
Melanie Keller
4.5.2017
Manu Bay hat Weltklasse-Format. Die Welle besticht durch ihre Konstanz und Länge – ideal um neue Manöver auszuprobieren. Gute Surferskills sind notwendig. Besonders beim Ein- und Ausstieg ist aufgrund der Steine Vorsicht und Geduld erforderlich.

Manu Bay hat Weltklasse-Format. Die Welle besticht durch ihre Konstanz und Länge – ideal um neue Manöver auszuprobieren. Gute Surferskills sind notwendig. Besonders beim Ein- und Ausstieg ist aufgrund der Steine Vorsicht und Geduld erforderlich.

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Einer unserer absoluten liebsten Wild-Camping-Plätze befindet sich am Lake Pukaki mit dem Mt. Cook im Hintergrund. Der See ist eiskalt, aber eine kurzer Waschgang muss nach drei Tagen ohne Dusche trotzdem sein.

Einer unserer absoluten liebsten Wild-Camping-Plätze befindet sich am Lake Pukaki mit dem Mt. Cook im Hintergrund. Der See ist eiskalt, aber eine kurzer Waschgang muss nach drei Tagen ohne Dusche trotzdem sein.

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Wenn es keine Schafe sind, dann bevölkern Kühe die grünen Weiden.

Wenn es keine Schafe sind, dann bevölkern Kühe die grünen Weiden.

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Entspannt strecken wir unsere Füsse auf dem Sofa aus und geniessen den Blick aufs Meer und die Wellen. Die Sonne steht bereits tief. Bald werden auch die letzten Surfer das Wasser verlassen. Ein Pfeifen im Hintergrund durchbricht die Stille. Ich stehe auf und giesse heisses Wasser in die Teetassen. Als ich die beschlagenen Scheiben unseres Vans freirubble, sehe ich einen Surfer, der sich gerade schlotternd aus dem Neoprenanzug befreit. Ich beneide ihn in diesem Moment nicht. Wir stehen auf dem Parkplatz von Manu Bay in Raglan – der gleichnamige Surfspot wurde dank Bruce Browns Surffilmklassiker «The Endless Summer» (1966) weltberühmt. Und nicht zu Unrecht ist die fast endlos brechende Linke bis heute auf die globale Top-Ten-Liste der besten Wellen. Raglan ist zwar der populärste, aber natürlich nicht der einzige Surferort in Neuseeland.

Auf dem Surf-Highway

Ein Land mitten im Pazifischen Ozean – da ist es keine Überraschung, dass es sogar einen Surf-Highway gibt. Die Strasse schlängelt sich nahe an der Küste entlang, vorbei an grünen Hügeln, weiss gesprenkelt mit Schafen. Auf dem Weg zum Surfspot klettern wir über Kuhgatter und überqueren saftige Viehweiden. Die Idylle ist fast kitschig. Im Wasser hört die Romantik dann aber auf. Das raue Küstenwetter ist nichts für Warmduscher und die Natur legt einem für die perfekte Welle manchmal Steine in den Weg.

Wer den Sprung ins kalte Nass trotzdem wagt, wird belohnt: Neuseeland bietet dank seiner exponierten Lage eine unglaubliche Variation an Surfspots. Von schnellen Monsterbrechern über klassische Pointbreaks bis hin zu gemütlichen Longboard-Wellen. Entspannt geht es auch im Wasser zu und her. Während die sympathischen Kiwis gerade ihr Insiderwissen mit uns teilen, taucht mal eben eine Robbe neben uns auf.

Natur ist Programm in Neuseeland. Wer mit dem Van unterwegs ist, hat den Luxus, sich an den schönsten Plätzen hinzustellen. Freiheit pur! Fast: Nur wer die Toilette im Schrank hat und sein Abwasser sammelt, darf abseits von Camping-Plätzen wild campieren. Die Wetterlage in Neuseeland ändert sich ständig, eine akkurate Wellenvorhersage ist daher nahezu unmöglich. Deshalb empfehlen sich Standorte, in deren unmittelbarer Nähe sich mehrere Surfspots befinden – idealerweise mit unterschiedlicher Swell-Ausrichtung.

Im Zickzack durchs Land und doch nicht alles gesehen

Aber auch wenn man mal kein Glück mit den Wellen hat. An Alternativaktivitäten mangelt es im Outdoor-Paradies nicht: Der Tongarori National Park ist nur eines der Naturhighlights, die auch in der «Herr der Ringe»-Saga als Filmkulisse dienen. Mountainbike-Fans finden in der Nähe von Rotorua einen fantastischen Park — und wer sich am Geruch des Schwefels nicht stört, sollte den Thermal Wonderlands einen Besuch abstatten. Angenehmer für die Sinne hingegen ist es im Weingebiet von Marlborough. Den Campervan lässt man hier lieber stehen und geniesst die Weinprobe-Tour entlang der Rebberge mit den Fahrrädern.

Wir verbringen rund zweieinhalb Monate in unserem Haus auf vier Rädern. Die Wellen geben den Takt an und oftmals reisen wir im Zickzack durchs Land, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Wir sehen viel, aber niemals alles. Zeit ist ein wichtiger Faktor in Neuseeland – man sollte einfach genug davon haben.

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Melanie Keller und Gabriel Wappler haben sich dem Surfen verschrieben. Im August 2015 brach das Paar seine Zelte in der Schweiz ab und startete in Asien seine Weltreise. Das Datum der Rückkehr ist noch offen. Auf 20 Minuten sowie im Online-Magazin Laybacktravel.com dokumentieren die Schweizer Surfer ihre Erlebnisse und teilen ihr Wissen.

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