Selenski in Bern: SVP liebäugelt mit Einladung für Putin

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«Neutralität wahren»SVPler möchte nach Selenski auch Putin nach Bern einladen

Die SVP-Spitze schwänzt die Einladung des ukrainischen Präsidenten. Aussenpolitiker Roland Rino Büchel sieht die Neutralität am Ende. Von Mitte-Links dagegen gibt es Applaus für den Bundesrat.

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Der ukrainische Präsident weilte am Montag in Bern und tauschte sich mit der Schweizer Politik-Elite aus. 

Der ukrainische Präsident weilte am Montag in Bern und tauschte sich mit der Schweizer Politik-Elite aus. 

AFP
SVP-Aussenpolitiker Roland Rino Büchel sieht die Schweizer Neutralität nach dem Selenski-Besuch am Ende.

SVP-Aussenpolitiker Roland Rino Büchel sieht die Schweizer Neutralität nach dem Selenski-Besuch am Ende.

Parlamentsdienste
Fabian Molina, SP-Nationalrat und damaliger Juso-Präsident im Abstimmungskampf, teilt gegenüber der «Republik» mit: «Die Informationen des Bundesrats von damals waren nicht korrekt. Die Grundrechte der Schweizer Bürgerinnen und Bürger werden in erheblichem Masse verletzt.»

Fabian Molina, SP-Nationalrat und damaliger Juso-Präsident im Abstimmungskampf, teilt gegenüber der «Republik» mit: «Die Informationen des Bundesrats von damals waren nicht korrekt. Die Grundrechte der Schweizer Bürgerinnen und Bürger werden in erheblichem Masse verletzt.»

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Nach dem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski entbrennt eine neue Neutralitätsdebatte.

  • SVP-Aussenpolitiker Büchel sagt, der Bundesrat müsste konsequenterweise auch Russlands Präsidenten Wladimir Putin einladen.

  • Mitte-Links dagegen begrüsst den Besuch. Dieser liege im Interesse der Schweizer Sicherheitspolitik.

Grosser Bahnhof für Wolodimir Selenski: Der ukrainische Präsident traf in Bern mehrere Mitglieder des Bundesrats und die Parteispitzen. Thema war in den Gesprächen natürlich hauptsächlich der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nicht dabei waren SVP-Präsident Marco Chiesa und Fraktionschef Thomas Aeschi.

SVP-Spitze schwänzt Selenski-Treffen

Beide waren zwar während des Austausches im Bundeshaus, erklärten aber im Gespräch mit 20 Minuten, dass sie als Kommissionspräsidenten Sitzungen leiten müssten. Auf die Frage, ob dabei eine kurze Pause für einen Blitz-Austausch mit Selenski eine Option wäre, meinte Aeschi kurz angebunden: «Nein.»

Hinter dem Manöver dürften politische Gründe stehen – bereits eine Video-Ansprache ans Parlament boykottierte die Rechtspartei. Sie sieht nach dem Besuch die Neutralität der Schweiz in Gefahr. SVP-Aussenpolitiker Roland Rino Büchel sagt: «Ich bin bald schon nicht mehr erstaunt, wie bedingungslos sich die Schweiz auf die Seite einer Kriegspartei schlägt.» Eine Einladung nach Bern habe eine andere Qualität als ein kurzes Treffen am WEF.

Es sei «clever» von Selenski, dass er auch die Parteien treffen wollte, um «Stimmung zu machen». Für den St. Galler ist aber klar: «Die neutrale Schweiz darf in diesem sinnlosen Gemetzel keine Partei ergreifen.» Die Friedensgespräche in Davos seien «absurd», solange Russland nicht am Tisch sitze. Büchel sagt deshalb: «Die Schweiz kann die Neutralität nur bewahren, wenn sie auch Wladimir Putin nach Bern einlädt.» Der Bundesrat habe diese Tür aber durch «sein Verhalten in letzter Zeit quasi selbst geschlossen».

SP-Molina sicher: «Schweiz hat Interesse, die Ukraine zu unterstützen»

Bei anderen Parteien kommt der aufsehenerregende Besuch gut an. SP-Aussenpolitiker Fabian Molina sagt: «Es ist lächerlich, wie sich die SVP aufführt. Sie steht eindeutig auf der Seite Putins. Ihr einziges Interesse in der Aussenpolitik besteht darin, weiterhin Geschäfte mit Autokraten tätigen zu können.»

Selenski repräsentiere ein Land, das seit zwei Jahren unter einer völkerrechtswidrigen Invasion leide. Das sei auch für die Sicherheit der Schweiz relevant. «Putin wird nicht in Kiew stoppen, wenn er den Krieg gewinnt. Deshalb hat die Schweiz ein vitales Interesse daran, die Ukraine zu unterstützen, so gut es geht», sagt Molina.

Mitte nennt Besuch «verfassungskonform»

Ähnlich sieht es Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. «Der Besuch von Herrn Selenski war verfassungskonform und die Schweiz bleibt somit neutral», sagt sie. Im Endeffekt gehe es um die Sicherung gemeinsamer Werte und die Sicherheit beider Länder.

Hast du den Besuch von Präsident Selenski in Bern verfolgt?

«Die Schweiz ist ein kleines Land, wir sind auf eine funktionierende Sicherheitsarchitektur in Europa angewiesen», so Schneider-Schneiter. Sie unterstütze deshalb das Vorgehen des Bundesrats. «Der Besuch ist die logische Folge davon, dass die Schweiz Sanktionen gegen Russland übernommen hat», erklärt die Baselbieterin.

Das sieht auch Selenski selbst so – er bedankte sich an der Pressekonferenz sogar ausdrücklich dafür. «Eure Neutralität heisst nicht, dass ihr die Realität ignoriert», so der Präsident der Ukraine.

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