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New Orleans: Weniger Opfer als befürchtet?

In New Orleans hat sich eine Entspannung der Lage angedeutet. Die Zahl der Toten könnte niedriger sein als bisher befürchtet. Doch neues Unheil braut sich zusammen: «Ophelia» wird wohl am Dienstag über North Carolina fegen.

Das US-Pionierkorps teilte mit, das Abpumpen der Wassermassen werde nur halb so lange dauern wie zuvor angenommen. Der Befehl zur Zwangsevakuierung sollte am Sonntag in einigen Gegenden im Süden der Stadt aufgehoben werden. Ausserdem wurde geplant, den internationalen Flughafen von New Orleans am Dienstag für den Passagierverkehr wieder zu öffnen.

Feuerwehrleute, Soldaten und Bestattungsunternehmer setzten am Wochenende in Booten und zu Fuss ihre Suche nach Opfern fort. Bisher wurde der Tod von 154 Menschen in Louisiana und von 211 Menschen im benachbarten Bundesstaat Mississippi bestätigt. Die Behörden hatten befürchtet, dass in New Orleans bis zu 10 000 Menschen gestorben sein könnten.

Unter den vielen Vermissten befinden sich auch drei Schweizer. Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte entsprechende Medienberichte. Zwei Frauen hätten sich seit dem Hurrikan nicht mehr bei Bekannten oder Behörden gemeldet. Seit einer Woche vermisst werde auch ein Mann, dessen Frau nach dem Sturm nach Houston gebracht worden sei.

Die Meisten konnten entkommen

Inzwischen mehren sich aber die Anzeichen, dass doch die meisten Bewohner fliehen oder von ihren Dächern gerettet werden konnten. Schätzungsweise eine Million Menschen mussten in Louisiana, Mississippi und Alabama ihre Häuser verlassen, nachdem «Katrina» am 29. August über die Golfküste hinweggefegt war. Noch immer liegen Städte und Orte entlang der Golfküste in Trümmern.

Das US-Pionierkorps ging davon aus, dass New Orleans innerhalb von 40 Tagen trockengelegt werden könne. 74 der 174 Pumpen der Stadt funktionierten und saugten das mit Chemikalien, Benzin und Abwässern verseuchte Wasser aus der geschichtsträchtigen Stadt, die unter dem Meeresspiegel liegt.

Das Amerikanische Rote Kreuz suchte unterdessen noch 40 000 Freiwillige, um die 36 000 bereits im Einsatz befindlichen Helfer zu unterstützen oder abzulösen.

Zustimmung für Bush auf Rekordtief

Der wegen des Katastrophen-Managements in die Kritik geratene US- Präsident George W. Bush wurde am Sonntag zu seinem dritten Besuch in der Region erwartet. Seine Visite fällt mit dem vierten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 zusammen, nach denen sich die Amerikaner geschlossen hinter ihren Präsidenten gestellt hatten.

Dem Magazin «Newsweek» zufolge lag die Zustimmungsrate zu Bush bei 38 Prozent - so niedrig wie noch nie. 53 Prozent der Befragten trauen ihm demnach nicht mehr die richtigen Entscheidungen bei einer Krise im In- oder Ausland zu.

Bevölkerung will Irak-Krieg-Gelder kürzen

Dem Magazin «Time» zufolge wollen 61 Prozent der Amerikaner die Ausgaben für den Irak-Krieg kürzen, um mehr Mittel für den Wiederaufbau an der US-Golfküste zu haben. Zu diesem Zweck wollten 58 Prozent der Befragten einen Teil der US-Truppen aus dem Irak abziehen.

Der Kongress billigte unterdessen zusätzliche Hilfen in Höhe von rund 52 Milliarden Dollar, um deren Freigabe Bush gebeten hatte. Michael Brown, der in die Kritik geratene Chef der Katastrophenschutzbehörde Fema, wurde von seiner Aufgabe vor Ort entbunden und nach Washington zurückbeordert.

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(sda)

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