New York: Für Geld gesund leben
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New York: Für Geld gesund leben

Regelmässige Arztbesuche und die Teilnahme an Elternabenden sollen sich für Arme in New York künftig auszahlen: Die Stadt will eine gesunde und konsequente Lebensführung finanziell belohnen und die Menschen damit aus einem Teufelskreis herausführen.

Ein zweijähriges Pilotprojekt nach dem Vorbild von Ländern wie Brasilien und Mexiko soll im Herbst starten, wie die Stadtverwaltung am Montag mitteilte.

Vorgesehen sind «Belohnungen» in unterschiedlicher Höhe. Für gute Noten in der Schule soll es beispielsweise 300 Dollar geben (373 Franken), ein Arztbesuch bringt 200 Dollar (249 Franken), und 100 Dollar erhält jedes Familienmitglied, das zwei Mal im Jahr zum Zahnarzt geht. Schüler, die so gut wie nie im Unterricht fehlen, bekommen 25 Dollar monatlich.

Die insgesamt veranschlagten Kosten in Höhe von 53 Millionen Dollar für rund 14 000 Teilnehmer will Bürgermeister Michael Bloomberg über private Spenden zusammenbekommen. Bislang lägen schon mehr als 43 Millionen Dollar vor, sagte seine Stellvertreterin Linda Gibbs. Bloomberg wolle das Pilotprogramm nicht mit Steuergeldern finanzieren, weil es lediglich ein Experiment sei.

Zu Grunde liegt dem Projekt die Theorie, dass Arme in einem Teufelskreis wiederholter Fehlschläge gefangen sind und ihrer Situation so nicht entkommen können. Wer aber beispielsweise regelmässig zum Arzt gehe, sei weniger krank und riskiere damit nicht, einen Arbeitsplatz zu verlieren. Menschen für gute Entscheidungen zu bezahlen, könne ihnen helfen, aus dem Armuts-Kreislauf auszubrechen, sagte Bloomberg. Das geplante Programm gebe den Armen in New York «einen finanziellen Anreiz, nach vorn zu schauen und Entscheidungen zu treffen, die ihre Aussichten für die Zukunft verbessern».

Kritiker machen dagegen geltend, damit werde suggeriert, dass Arme allein durch bessere Entscheidungen ihre Situation verbessern könnten. Bloombergs Projekt «verstärkt den Eindruck, dass wir die Armut in diesem Land lösen könnten, wenn jeder nur hart genug arbeiten und sein persönliches Verhalten ändern würde», sagte Margy Waller von Inclusion, einem Think-Tank in Washington. Das entspreche aber nicht den Tatsachen. (dapd)

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