New York: Polizist schoss 31 mal auf unbewaffneten Bräutigam
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New York: Polizist schoss 31 mal auf unbewaffneten Bräutigam

Nach tödlichen Schüssen auf einen jungen Schwarzen am Tag seiner Hochzeit steht die New Yorker Polizei im Kreuzfeuer der Kritik. Zu reden gibt die Tatsache, dass ein Polizist bei der Aktion mehrere Magazine leerte.

Während die beteiligten Beamten für die Dauer der Untersuchung vom Dienst suspendiert wurden, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg am Montag, es sei für ihn inakzeptabel und unerklärlich, wieso Polizisten etwa 50 Schüsse auf einen unbewaffneten Mann abgegeben hätten. Die Ermittlungen müssten den genauen Hergang zum Tod des 23-jährigen Sean Bell klären.

Bell feierte in der Nacht zum Samstag seinen Abschied von der Junggesellenzeit mit einem Besuch in einem Striptease-Klub im Stadtteil Queens. Als er das Lokal mit zwei Freunden in seinem Auto verlassen wollte, eröffneten die fünf Polizisten das Feuer. Die beiden Freunde wurden verletzt.

Am Montag äusserte sich erstmals Bells Verlobte Nicole Paultre zum Tod ihres Bräutigams. Dem Radiosender Power 105.1 sagte sie, die beteiligten Polizisten sollten nicht als Beamte bezeichnet werden. «Das waren Mörder.» Paultre besuchte am Montag früh den Ort der tödlichen Schüsse und zündete Kerzen an.

Der New Yorker Bürgerrechtler Al Sharpton sprach nach einer Unterredung mit Bloomberg von einem sehr offenen Gespräch. «Diese Stadt muss moralische Entrüstung darüber zeigen, dass auf drei unbewaffnete Männer 50 Schüsse abgegeben wurden», sagte der Pfarrer.

Unterdessen wurden weitere Einzelheiten des tragischen Vorfalls bekannt. Ihnen zufolge war der Club, in dem der junge Bräutigam seinen Abschied vom Junggesellendasein feierte, wegen des Verdachts auf Drogenhandel und Prostitution unter Beobachtung. Zwei der fünf späteren Schützen hatten sich im Club selbst aufgehalten und nach Angaben des Fernsehsenders Fox dort auch Alkohol getrunken. New Yorks Polizeichef Kelly sagte am Montag dazu, dass Beamte in einem solchen Einsatz bis zu zwei Cocktails zu sich nehmen dürften.

Der New Yorker Polizeichef Raymond Kelly erklärte, Bell sei nach vier Uhr morgens vor dem Klub in einem Streit verwickelt gewesen. Einer seiner Freunde habe eine Bemerkung über eine Schusswaffe gemacht. Bei der Abfahrt des Autos sei dann ein sich dem Fahrzeug nähernder Polizist in Zivil angefahren worden. Dieser Beamte habe offenbar zuerst geschossen, sagte Kelly. Ein anderer Polizist habe 31 Mal geschossen und zwei Magazine geleert. Die Schützen, zwei Weisse, zwei Schwarze und ein Latino, mussten ihre Waffen abgeben. Einer der weissen Polizisten hatte insgesamt 31 Schüsse auf das Auto der drei Opfer abgegeben.

Von den beiden Freunden des Bräutigams wurde der 31-jährige Joseph Guzman von mindestens elf Kugeln getroffen. Seine Verletzungen wurden am Montag als kritisch bezeichnet. Von drei Kugeln getroffen wurde der 23-jährige Trent Benefield. (dapd)

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