Aktualisiert 04.04.2009 07:41

14 Tote

New Yorker Bluttat - Waren es dieTaliban?

In einem Zentrum für Einwanderer in Binghamton im US-Staat New York hat ein schwerbewaffneter Mann 13 Menschen und dann sich selbst erschossen. Inzwischen übernahm ein pakistanischer Taliban-Führer die Verantwortung für die Bluttat.

Der Täter war in eine Prüfung für die US-Staatsbürgerschaft in Bringhamton, New York, gestürmt und hatte dort um sich geschossen. Er wurde später tot in dem Gebäude aufgefunden. Die Polizei ging davon aus, dass sich der Mann selbst richtete. Hundertprozentig sicher sei das aber noch nicht, sagte der örtliche Polizeichef Joseph Zikuski. Bei dem Täter handelte es sich nach Polizeiangaben um einen 42-jährigen Mann mit asiatisch klingendem Namen aus der nahe gelegenen Stadt Johnson City.

War es ein Taliban-Anschlag?

Während die Polizei noch über das Motiv des Mannes rätselt, hat der pakistanische Talibanführer Baitullah Mehsud die Verantwortung für den Anschlag übernommen. In einem Telefonanruf an die Nachrichtenagentur Reuters sagte er: «Ich übernehme die Verantwortung. Es waren meine Männer. Ich gab ihnen den Befehl als Antwort auf amerikanische Drohnenangriffe.» Die Behörden haben sich noch nicht zum Anruf geäussert.

Identifikation der Opfer schwierig

37 Personen wurden laut Zikuski in Sicherheit gebracht. Vier Verletzte schwebten in Lebensgefahr. Am Tatort seien zwei Waffen sichergestellt worden. Der Bürgermeister von Binghamton sagte, es könne lange dauern, bis alle Opfer identifiziert seien, weil viele von ihnen nicht aus den USA stammten.

Die Schiesserei ereignete sich in einem Gebäude der American Civic Association. Die Organisation hilft Einwanderern und Flüchtlingen unter anderem bei der Wohnungssuche und bei der Familienzusammenführung. Zudem gibt es in dem Zentrum auch Beratung und Dolmetscher. Am Freitag fand Medienberichten zufolge gerade eine Prüfung zur Erlangung der US-Staatsbürgerschaft statt. Offenbar hielten sich zur Tatzeit viele Vietnamesen in dem Gebäude auf.

Laut Aussagen von Polizeichef Zikuski hatte der Täter erst kürzlich seinen Job verloren. Der Mann, der nicht gut Englisch gesprochen habe, sei insgesamt ziemlich deprimiert gewesen.

Türe blockiert

Der Täter hatte nach Polizeiangaben mit seinem Fahrzeug die Hintertür des Gebäudes blockiert, um den Menschen im Haus den Fluchtweg zu versperren. Dann betrat er das Haus durch den Vordereingang und schoss sofort auf die Frauen am Empfang.

Zwei Minuten, nachdem eine verletzte Rezeptionistin einen Notruf abgesetzt habe, sei die Polizei eingetroffen, sagte Zikuski. Weil unklar gewesen sei, was der Täter vorhabe, hätten Elite-Einheiten stundenlang das Gebäude durchsucht. Dutzende Menschen harrten derweil vier Stunden lang verängstigt im Keller des Gebäudes aus.

Obama schockiert

US-Präsident Barack Obama zeigte sich schockiert. Seine Frau und er seien «tieftraurig» angesichts dieses «Aktes sinnloser Gewalt», erklärte Obama. «Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und den Bewohnern von Binghamton.»

Die Stadt Binghamton hat rund 45 000 Einwohner und liegt 240 Kilometer nordwestlich der Millionen-Metropole New York City.

In den vergangenen Jahren ist es in den USA mehrmals zu schweren Schiessereien gekommen, bei denen zahlreiche Menschen getötet worden. Am 10. März erschoss ein Mann in Alabama zehn Menschen, viele davon Familienangehörige. Im April 2007 erschoss ein Student in Virginia 32 Menschen und danach sich selbst.

(AP/SDA)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.