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Nez rouge mit ungewisser Zukunft

Zum 15. Mal wird die Aktion Nez rouge im Dezember wieder angetrunkene Autofahrer gratis nach Hause bringen. Die Zukunft der Organisation steht aber in den Sternen.

Dies weil die finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand wegzufallen droht. Strittig ist die Frage, ob der Service wirklich eine präventive Wirkung hat.

Die Aktion Nez rouge bietet ihre Dienste in der Schweiz seit 1990 jeweils im Dezember an. Wer zu viel getrunken hat oder aus Müdigkeit nicht mehr fahrtüchtig ist, ruft bei Nez rouge an und wird von freiwilligen Mitarbeitern abgeholt und im eigenen Auto nach Hause gefahren. Der Service zur Unfallprävention erfreut sich seit seiner Einführung stetig wachsender Beliebtheit: Im vergangenen Jahr riefen knapp 14.100 Menschen an und wurden von 5.444 Freiwilligen nach Hause gebracht.

Im kommenden Dezember nun startet die Aktion in ihre 15. Saison, welche im schlimmsten Fall die letzte sein könnte. Grund für die Unsicherheit ist die Weigerung des Fonds für Verkehrssicherheit (FVS), die Aktion weiter finanziell zu unterstützen. Der Fonds, der als öffentliche Anstalt Massnahmen zur Verkehrssicherheit fördert, hat das Finanzierungsgesuch von 150.000 Franken im vergangenen März abgelehnt. Nez rouge erhob dagegen zwar Beschwerde beim Bundesrat, doch dieser hat sich bislang noch nicht dazu geäussert.

Bleibt der Bundesrat beim Nein des FVS, steht die Zukunft von Nez rouge in den Sternen. Schon dieses Jahr kann der Weiterbetrieb nur dank einer «Notlösung» gesichert werden, wie Jean-Luc Baierle, Präsident von Nez rouge, sagte. Nach langer Sponsorensuche sind die Loterie Romande und andere Lotteriegesellschaften eingesprungen, um der Aktion über die Runden zu helfen. Zudem brach Nez rouge ein altes Tabu: Die regionalen Sektionen müssen in einer einmaligen Aktion 20 Prozent der erhaltenen Trinkgelder an die Dachorganisation abgeben. Dies im Widerspruch zur bisherigen Maxime, dass mit den Trinkgeldern nicht die eigene, sondern andere Organisationen unterstützt werden. «Das ist das letzte Mal, dass wir so funktionieren können», sagte Baierle.

Hintergrund des Streits um die Fondsgelder ist die alte Frage, ob Nez rouge wirklich einen Beitrag zur Prävention leistet oder nicht vielmehr den Alkoholkonsum fördert. Der FVS begründete seinen Rückzug aus der Finanzierung damit, dass Nez rouge nicht der Form der Prävention entspreche, wie er sie fördern wolle. Die Aktion passe nicht zum Motto «Drink or Drive», wonach Autofahren und Alkoholkonsum strikt getrennt werden müssten. Gemäss den Prinzipien des Fonds sollen die Menschen schon vor dem Ausgang entscheiden, ob sie am gleichen Abend trinken werden oder nicht.

Baierle hält dem entgegen, dass Nez rouge einen messbaren Präventionserfolg erziele. Die Aktion appelliere an die Verantwortung eines angetrunkenen Fahrers und ermuntere ihn zur Abgabe des Autoschlüssels, was schon ein grosser Schritt sei. Der Service von Nez rouge sei ein symbolisches Geschenk während den Festtagen, das die Autofahrer daran erinnere, auch während dem Rest des Jahres auf das Fahren unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss zu verzichten. «Wir sind kein Taxiservice für Betrunkene», sagte Baierle. (dapd)

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