30.10.2020 16:05

Arizona kannte Vergehen NHL-Club lässt Spieler fallen, weil er schwarzen Mitschüler mobbte

Anfang Oktober drafteten die Arizona Coyotes Mitchell Miller. Früher hatte er einen Mitschüler gemobbt und verletzt. Der Club wusste davon, tat aber nichts – bis das Opfer seine Stimme erhob.

von
Erik Hasselberg
Schauen nach einem Draft-Runden-Pick, der nicht kommen wird: Die Spieler der Arizona Coyotes.

Schauen nach einem Draft-Runden-Pick, der nicht kommen wird: Die Spieler der Arizona Coyotes.

Foto: Sergei Belski (USA Today Sports/Reuters)

Eigentlich hatten sich die Arizona Coyotes schon die Rechte an Mitchell Miller gesichert. Doch nur wenige Wochen nach dem Draft ist der Viertrundenpick vom NHL-Club freigestellt, der 18-Jährige als Free Agent wieder auf dem Markt verfügbar. «Wir haben beschlossen, mit sofortiger Wirkung auf die Rechte an Mitchell Miller zu verzichten», sagte Xavier Gutierrez, Präsident und CEO der Coyotes.

2016 hatte Miller als 14-Jähriger einen Mitschüler gemobbt, einen Mitschüler mit einer Entwicklungsbeeinträchtigung, einen Mitschüler der People of Color. «In der Junior High wurde ich von ihm zusammengeschlagen», sagte Millers Opfer, Isaiah Meyer-Crothers, gegenüber «The Arizona Republic». «Jeder denkt, er ist so cool, weil er es in die NHL geschafft hat, aber ich sehe nicht ein, wie jemand cool sein kann, wenn man jemanden auswählt und ihn sein ganzes Leben lang schikaniert.» Der Fall kam damals sogar vors Jugendgericht, Miller und andere Schüler wurden zu 25 Stunden Zivildienst verurteilt.

«Was wir erfahren haben, stimmt nicht mit unseren Grundwerten überein.»

Xavier Gutierrez, Präsident und CEO der Arizona Coyotes

«Als wir Mitchell im NHL-Draft auswählten, war uns bewusst, dass 2016 ein Mobbingvorfall stattgefunden hatte», sagte der Präsident der Coyotes. Scheinbar kannte der Club allerdings nicht alle Details. In amerikanischen Medien spricht Meyer-Crothers öffentlich davon, wie er von Miller jahrelang als Nigger beleidigt und gezwungen wurde, Süssigkeiten zu essen, die zuvor in einem Pissoir abgewischt worden waren – zu viel für das in Glendale beheimatete Franchise.

Wollte Mitchel Miller helfen, bevor er die Tragweite des Vergehens kannte: Xavier Gutierrez, Arizona-CEO.

Wollte Mitchel Miller helfen, bevor er die Tragweite des Vergehens kannte: Xavier Gutierrez, Arizona-CEO.

Foto: Greg Doherty (Getty Images)

Man habe dem jungen Spieler zunächst die Möglichkeit geben wollen, «eine führende Rolle bei den Bemühungen gegen Mobbing und Rassismus zu übernehmen», habe mehr über die Angelegenheit gelernt. «Was wir erfahren haben, stimmt nicht mit den Grundwerten und der Vision unserer Organisation überein und führte zu unserer Entscheidung, auf unsere Rechte aus dem Draft zu verzichten», so Gutierrez.

Die Coyotes, sie sehen sich als Vorreiter, wenn es um Diversität und Inklusion geht. Der Verein, der 2019 mit Alex Meruelo den ersten hispanischen Besitzer der Liga bekam, Gutierrez, der im Inklusions-Exekutivrat der NHL sitzt – all das zeugt von den Bemühungen, die der Club unternimmt. «Wir fühlten uns verpflichtet, ein Teil der Lösung zu sein», erklärte der CEO, wieso Miller ursprünglich verpflichtet wurde.

Fortschritte der Liga

Alles andere als eine Lösung war die Verpflichtung in den Augen des Opfers. Meyer-Crothers sagte, es habe «mein Herz verletzt», als er gesehen habe, dass die Coyotes Miller im Draft ausgewählt hätten. Der Club entschuldigte sich. «Im Namen der Eigentümer der Arizona Coyotes und unserer gesamten Organisation möchte ich mich bei Isaiah und der Familie Meyer-Crothers entschuldigen», wird CEO Gutierrez in einem Statement zitiert.

Meyer-Crothers erhob in einem Jahr seine Stimme, in dem Proteste der Black-Lives-Matter-Bewegung den Sport vermehrt unter Druck setzten, Rassismus zu bekämpfen. «Ich denke, die Liga hat grosse Fortschritte gemacht, um die Vielfalt und den Rassismus in Ordnung zu bringen, aber die Liga hat noch viel zu tun», sagt Brian Burke, in der NHL früher General Manager von Hartford, Vancouver, Anaheim, Toronto und Calgary, in der «New York Times».

Bei welchem Club Miller Fortschritte machen und sich weiterentwickeln wird, wird sich zeigen.

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