Grander-Wasser im Test: «Nicht alles auf dieser Welt lässt sich beweisen»
Aktualisiert

Grander-Wasser im Test«Nicht alles auf dieser Welt lässt sich beweisen»

Die Fans von «belebtem Wasser» schmecken einen Unterschied zu üblichem Wasser - angeblich. Der Blindtest hingegen zeigt ein etwas anderes Bild.

von
Amir Mustedanagic

«Pflanzen blühen schöner», «das Wasser schmeckt besser und weicher», «der Chlorgeschmack ist nicht mehr so stark»: Die Fans von «belebtem Wasser» sind überzeugt von den Vorteilen der Produkte der Firma Grander. Nach dem Artikel von 20 Minuten Online über die Grander-Systeme in Schweizer Schwimmbädern entbrannte eine heisse Diskussion im Talkback. Der Artikel sei voreingenommen, fanden die Fans: nicht alles «auf dieser Welt könne bewiesen werden» und «die Welt ist eben noch icht bereit für belebtes Wasser».

Der Standpunkt der Wissenschaft ist eindeutig: «Grander-Wasser ist ein aus dem Esoterik-Milieu stammender Unfug», findet beispielsweise Erich Eder, Biologe an der Universität Wien. Dass er seine Meinung so dezidiert äussern darf, musste sich der Wissenschaftler vor Gericht erkämpfen: Die Vertriebsfirma klagte ihn an, verlor den Prozess vor Gericht aber. Auf seiner Homepage sammelt Eder seither wissenschaftliche Untersuchungen über den Unterschied zwischen Wasser und angeblich «belebtem Wasser». Die Ergebnisse lassen sich kurz zusammenfassen: Keine chemische Veränderung, keine strukturelle Veränderung oder sonstige physikalische Veränderung – und das wichtigste Ergebnis: es gibt auch keine geschmacklichen Unterschiede.

Da staunten die Verkoster

Eder machte zu diesem Zweck selbst einen Blindtest: Er setzte 31 Probanden «abgefülltes Granderwasser» und Leitungswasser vor. Das Resultat: Sieben fanden das Leitungswasser schmecke besser, acht fanden das Granderwasser besser. Zum Vergleich von nachweisbaren Geschmacksunterschieden machte Eder einen zweiten Test und setzte den Tester gekühltes Wasser und Wasser mit normaler Temperatur vor. Dabei fiel das Resultat deutlich anders aus: Zwölf Testtrinker fanden das gekühlte Wasser eindeutig besser, zehn fanden beide «gleich gut» und zwei das Wasser mit normaler Temperatur.

Klar, als einer der bekanntesten Bekämpfer des «belebten Wassers» könnte man Eder eine Verfälschung der Resultate vorhalten. Umso erstaunlicher ist der wissenschaftliche Test des Instituts für Umwelt- und Verfahrenstechnik UMTEC an der Hochschule Rapperswil von 2005: Die Untersuchung führte ein bekennender Fan und Anhänger des Granderwassers durch. Der Student machte unter der Aufsicht von Institutsleiter Rainer Bunge mit 15 Testpersonen und einer «elektronischen Nase» den Blindtest. Das Ergebnis bekehrte den Student vollends, wie Bunge sagt: «Die Ergebnisse waren so zufällig, dass man genau so gut eine Münze hätte werfen können.» Wie bereits bei Eder haben die Testpersonen absolut zufällig, dass eine oder andere Getränk als «besser» bewertet.

Vertriebsfirma winkt ab

Gemäss Bunge hat das Ergebnis einen ganz einfachen Grund: «Der Geschmack von Wasser hängt ausschliesslich von der Temperatur und der chemischen Zusammensetzung ab. Da durch das Grander Gerät weder Temperatur noch chemische Zusammensetzung verändert werden, kann das Wasser folglich auch nicht anders schmecken», so der Umwelttechniker. Obwohl eine Wirkung also bereits aus theoretischen Gründen ausgeschlossen sei, habe sich auch im Test erwiesen: Das Grander-Gerät hat keinen Einfluss auf das Wasser. Tatsächlich wagt es auch niemand von der Schweizer Vertriebsfirma U.V.O. AG in einem sauber angelegten Blindtest «behandeltes» von unbehandeltem Wasser zu unterscheiden.

Softe Fakten nicht erhärtet

«Es geht nicht um den Geschmack, dass ist etwas Individuelles», findet Geschäftsführer Paul Keel und lehnt das Angebot vehement ab. Dennoch wirbt die Firma auf ihrer Homepage damit unter dem Punkt «Veränderungen und Auswirkungen»: «Erhöhtes Verlangen Wasser zu trinken durch feineren Geschmack des Wassers», heisst es dort. Ein absoluter individueller Eindruck auch das «Angenehme Empfinden beim Baden und Duschen für Haut und Haare», welches beworben wird. Objektiv nachvollziehbare Effekte oder wissenschaftliche Belege für die Wirkung gibt es aber keine. Das Unternehmen findet die «überzeugten Kunden» und ihre «positiven Erfahrungen» seien Beweis genug.

Das Vorgehen ist kein Zufall, sondern passt gemäss der Checkliste zur Identifikation von technisch wirkungslosen Verfahren und Produkten der Umtec perfekt in die Bewerbung von wirkungslosen Produkten (zur gesamten Checkliste). Statt Versuchsergebnisse werben «begeisterte Kunden» für das Verfahren oder Unternehmen. Typisch auch die versprochenen Effekte, welche allesamt nicht «greifbar» oder «kontrollierbar» sind. Wichtiger Anhaltspunkt für die Wirkungslosigkeit ist auch das fehlen eines Patentes: Kein Mensch würde riskieren, dass seine «Erfingung» kopiert wird. Bei Grander absolut der Fall, was aber auf «darauf zurückzuführen ist, dass die etablierte Lehrmeinung es nicht verstehe», wie in der Geschichte von Erfinder von Johann Grander heisst. Das kokettieren mit dem Underdog-Image ist gemäss Checkliste genau so ein Anhaltspunkt für die Wirkungslosigkeit. Wer das Argument ins Feld führt, dass die Wissenschaft eben nicht alles erklären kann, bleibt nur eines zu sagen: «Die Wissenschaft muss auch nicht verstehen wie etwas funktioniert», sagt Bunge, «aber ein Hersteller muss den Beweis liefern können, dass etwas funktioniert.»

Badi «Wolfi» soll Subventionen verlieren

Weil der Beweis offenbar nicht zu erbringen ist, schlagen in Winterthur die Wasserwogen hoch. 47 000 Franken hat das Schwimmbad Wolfensberg in Winterthur 2009 für ein «Grander-System» bezahlt. Nach dem Artikel auf 20 Minuten Online ist im Stadtrat eine Debatte über die Höhe der Subventionen entbrannt. Wie der «Landbote» meldet, stellt FDP-Stadtrat Stefan Fritschi die Höhe des städtischen Beitrags in Frage. In Zeiten, in denen die Sanierung maroder Bäder aus finanziellen Gründen aufgeschoben werden müsse, stehe eine solche Investition «quer in der Landschaft». Für das Grander-System hat er kein Verständnis: «Solche Methoden grenzen an Quacksalberei.» Johann Grander dürfte dies egal sein: Sein Unternehmen macht jährilch rund 17 Millionen Franken Umsatz.

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