21.01.2016 04:48

Grippe-Epidemie

«Nicht anstecken lassen ist das Einzige, das hilft»

Die Schweiz liegt flach, die Grippe regiert. Und das ist erst der Anfang. Immerhin: Die Impfung ist deutlich wirksamer als im Vorjahr.

von
vro
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Die Grippewelle hat die Schweiz im Griff. Laut Medizinern ist eine Impfung das Einzige, das wirklich hilft.

Die Grippewelle hat die Schweiz im Griff. Laut Medizinern ist eine Impfung das Einzige, das wirklich hilft.

Keystone/AP
Sie können es den Viren aber etwas schwerer machen. Mit den folgenden Tipps dürften das gelingen.

Sie können es den Viren aber etwas schwerer machen. Mit den folgenden Tipps dürften das gelingen.

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Waschen Sie Ihre Hände und waschen Sie sie oft. Probanden, die während einer Untersuchung ihre Hände fünfmal pro Tag wuschen, reduzierten ihre Grippeanfälligkeit um 45 Prozent.

Waschen Sie Ihre Hände und waschen Sie sie oft. Probanden, die während einer Untersuchung ihre Hände fünfmal pro Tag wuschen, reduzierten ihre Grippeanfälligkeit um 45 Prozent.

Maxim Kostenko

Die Zahl der Grippefälle hat sich in nur einer Woche verdoppelt. Die Hochrechnungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zeigen, dass der Schwellenwert für eine Epidemie erstmals in dieser Saison überschritten wurde. Die Kurve, die der neusten Statistik zu entnehmen ist, verläuft derzeit parallel zu jener des Vorjahres – damals handelte es sich um eine der extremsten Grippewellen der letzten zehn Jahre.

«Letztes Jahr gab es einen Super-GAU», sagt Andreas Widmer, Leiter Abteilung Spitalhygiene am Unispital Basel. In diesem Jahr habe man sich bereits vorbereitet, es seien zwei Abteilungen eingerichtet worden, die nur für Influenza-Patienten reserviert seien, da sie sonst andere anstecken könnten. Das Personal wird zudem ab nächster Woche am Morgen früher zu arbeiten beginnen und abends länger bleiben.

Pendler und Kitas besonders gefährdet

Trotzdem gibt sich Widmer zuversichtlich: «Wir glauben, dass es in diesem Jahr weniger Fälle gibt als im letzten Jahr.» Die Grippe sei spät dran, was unter anderem an den warmen Temperaturen im Dezember liegen könnte. Ausserdem dürfte eine Impfung zu 70 bis 100 Prozent vor der Grippe schützen. Im vergangenen Jahr war sie lediglich in 30 Prozent der Fälle auch tatsächlich wirksam. «Dass es zwei so schwere Grippewellen in Folge gibt, ist extrem selten.»

Trotzdem stehen wir erst am Anfang: «Nächste Woche geht es richtig los. Die Zahl wird sich nochmals verdoppeln. Besonders gefährdet sind Pendler und Kitas», erklärt Widmer. Das bestätigen die Zahlen des BAG: Den grössten Anstieg gibt es derzeit bei Kindern zwischen null und vier Jahren.

Vorsicht vor wandernden Gegenständen

Doch was hilft? Warme Kleider nützen jedenfalls nichts gegen virale Infektionen wie die Influenza, sagt Widmer. Die Impfung sei momentan das wirksamste Mittel. Bereits erkrankte Mitmenschen können zudem ein Ausbreiten verhindern, indem sie etwa statt in die Hände in die Ellenbeugen niesen.

Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten vom BAG, sieht die Impfung ebenfalls als wirksamstes Mittel. Allerdings sei es mittlerweile fast schon zu spät, da sie 14 Tage braucht, um einen vollständigen Schutz aufzubauen. Er verweist auf die gängigen Verhaltensregeln wie häufiges Händewaschen und die Verwendung von Papiertaschentüchern. Ausserdem sei bei jedem Gegenstand, der von einer Hand in die andere gereicht werde, Vorsicht geboten.

«Mitleid hilft immer ein bisschen»

«Es gibt nur eines, das wirklich hilft. Und zwar, sich nicht anstecken zu lassen», ergänzt der Immunologe Beda Stadler. Das ist einfacher gesagt als getan. Dennoch ist auch für ihn eine Impfung die sicherste Vorbeugung gegen die Grippe.

Ein weiterer Faktor, der laut Stadler hilft, ist, «menschenscheu» zu werden. Wer Menschenmengen jedoch nicht meiden kann, sollte besonders achtgeben. Da die Viren mehrere Stunden überleben können, ist es ratsam, sich die Hände bei der nächstbesten Gelegenheit – etwa am Arbeitsplatz – zu desinfizieren.

Besser wäre es dennoch, einfach zu Hause zu bleiben und die Grippe auszukurieren. Denn ein effektives Mittel gegen Influenza gibt es nicht. Stadler formuliert es mit folgendem Bonmot: «Mit Medikamenten dauert sie ungefähr eine Woche, ohne rund sieben Tage.» Das einzige, was Linderung verschaffen könnte, ist die Bekämpfung der Symptome. Man sollte beispielsweise immer genug Getränke dabei haben, Aspirin und ähnliche Mittel helfen gegen Kopfschmerzen. Und: «Das Mitleid der Mitmenschen hilft immer ein bisschen», sagt Stadler.

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