Aktualisiert 26.03.2017 06:56

Vladimir Petkovic

«Nicht auf Stammtisch-Niveau analysieren»

Die Nati steht nach Halbzeit in der WM-Qualifikation mit blütenweisser Weste da. Nati-Trainer Vladimir Petkovic will diesen Vorteil behalten.

von
E. Tedesco, Genf

Nati-Trainer Vladimir Petkovic zieht nach dem Sieg gegen Lettland und zur Halbzeit der WM-Qualifikation eine Bilanz. (Video: 20 Minuten)

Die Ausgangslage in der Gruppe B bleibt weiter hervorragend. Nach fünf Spielen führt die Schweiz die Tabelle mit 15 Punkten vor Europameister Portugal souverän an. Sollte die Equipe von Nati-Trainer Vladimir Petkovic auch die nächsten drei Ausscheidungsspiele – nach dem 1:0-Sieg am Samstag gegen Lettland warten im Juni die Färöer, danach zuhause Andorra und in Riga wieder Lettland – reichen sogar zwei Remis (gegen Ungarn und in Portugal) für den Gruppensieg und die direkte Qualifikation für die WM 2018 in Russland.

«Wir müssen diesen Vorteil behalten», sagt Nati-Trainer Vladimir Petkovic mit Nachdruck. Aber der Schweizer Selektionär warnt vor verfrühter Euphorie. «Wir haben erst die Hälfte absolviert. Auch wenn wir diese positiv abgeschlossen haben, haben wir doch gegen vermeintlich kleinere Gegner sehr viele Chancen kreiert, aber sie zu wenig ausgenützt. Das müssen wir verbessern. Wir haben fünf kleine Schritte hinter uns, aber wir müssen uns jetzt auf den sechsten kleinen Schritt konzentrieren. Man hat gesehen, dass es nicht so einfach ist und die Qualifikation wird bis zum Ende spannend bleiben.»

Die Crux mit der Effizienz

Wie schon zuletzt in den Partien in Andorra (2:1) und gegen die Färinger (2:0) war wieder nur die Chancenauswertung zu bemängeln. Die Mannschaft kreierte unzählige Möglichkeiten, arbeitete sich geschickt in die gegnerische Box vor, aber war einmal mehr zu wenig effizient. Das allein auf die fehlende Form oder Spielpraxis einiger Akteure in ihren Clubs zu schieben, wäre Petkovic zu einfach. «Das sollte man nicht auf Stammtisch-Niveau analysieren», so der Tessiner. «Wir müssen alle Fakten auf den Tisch legen und dann so beurteilen.»

Aber auch Petkovic sagt, dass er die Situation in den nächsten Monaten genau beobachten wird und schaut, wie sich die Spieler in ihren Vereinen weiter entwickeln. Petkovic: «Wir können nicht immer das Schicksal provozieren. Gegen einen stärkeren Gegner kann das gefährlich sein. Im Fussball kann es schnell passieren, dass ein Freistoss oder ein Corner ins Tor fällt.»

Das goldene Händchen des Trainers

Und auch der Trainer kann nicht immer die Kohlen aus dem Feuer holen. Bis jetzt ist Petkovic das mehrmals und hervorragend gelungen. So zum Beispiel in Litauen (2:1), als sich die Nati in der ersten Halbzeit sehr schwer tat, er den damaligen Nati-Captain Gökhan Inler durch Blerim Dzemaili ersetzte und Granit Xhaka erstmals auf der Position des Sechser Regie führen konnte. Oder beim turbulenten 3:2-Heimsieg nach einem 0:2-Rückstand gegen Slowenien seine Joker Josip Drmic (zweimal) und Valentin Stocker stachen. Und auch beim spektakulären Finish in Ungarn in der aktuellen Kampagne führte der Trainer-Joker Stocker das Team Sekunden nach seiner Einwechslung zum 3:2-Erfolg. Intuition oder mehr? «Das gehört dazu, dass man im richtigen Moment Spieler bringt. Als Trainer versucht man immer, etwas zu bewegen», sagt Petkovic.

Verblüffend ist vor allem auch, dass seine Mannschaften immer positiv bleiben und selbst in Geduldspielen wie gegen Lettland am Samstag nicht die Nerven verlieren und unbeirrt ihren Weg gehen. Auch das ist eine Qualität. Und vom lettischen Trainer Marians Pahars, 2004 mit den Letten EM-Teilnehmer und ehemaliger 75-facher Nationalspieler neidlos anerkannt: «Die Klasse und Qualität der Schweiz war ausschlaggebend.»

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