TV-Aufzeichnung verboten: Gesundheitsdirektor Engelberger hat keine Gnade mit Schnitzelbänklern
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TV-Aufzeichnung verbotenGesundheitsdirektor Engelberger hat keine Gnade mit Schnitzelbänklern

Der Lokalsender Telebasel hätte gerne Schnitzelbänke aufgezeichnet. Trotz Appell des Senders gibt sich der Basler Gesundheitsdirektor hart und will die TV-Aufzeichnung des «nicht professionellen Gesangs» nicht erlauben.

von
Lukas Hausendorf

Telebasel appelliert an den Basler Gesundheitsdirektor, sich einen Ruck zu geben und der Region eine Freude zu machen.

Telebasel

Über 20 Basler Schnitzelbankformationen hatten sich schon bereit erklärt, fürs Lokalfernsehen Telebasel dieses Jahr ihre Verse vorzutragen, die sie sonst keinem Publikum vorsingen könnten. Pandemiebedingt fällt die Fasnacht ja auch dieses Jahr aus. Eine Aufzeichnung der satirischen Verse fürs Fernsehen sollte aber kein Problem sein. Unter strengen Schutzmassnahmen, wie Telebasel betont.

Jetzt kommt es aber anders. Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger will auch für Fernsehaufnahmen keine Ausnahme vom geltenden Verbot für nicht professionellen Gesang machen und erteilte dem Sender, der pflichtbewusst um Genehmigung ersucht hatte, eine Absage. Gemäss der geltenden Covid-Verordnung dürften Ausnahmen nur bewilligt werden, wenn ein «überwiegendes öffentliches Interesse» eine solche gebieten würde. Im vorliegenden Fall könne aber nicht davon ausgegangen werden, erklärte das Gesundheitsdepartement.

«Herr Engelberger, geben Sie sich einen Ruck»

Hansjörg Wilhelm, Redaktionsleiter Telebasel News

Der Redaktionsleiter des Senders Hansjörg Wilhelm ist da entschieden anderer Meinung. «Die Fasnacht ist unser wichtigstes Kulturgut», sagt er. «Die Aufzeichnung der Schnitzelbänke mit ihren Helgen und spitzen Pointen über das lokale Geschehen wären ein Aufsteller für die ganze Region gewesen.» Wilhelm hat die Hoffnung aber noch nicht ganz aufgegeben und appelliert an Engelberger: «Geben sie sich doch einen Ruck. Sie würden ganz vielen Menschen eine grosse Freude bereiten.»

Dieser bleibt aber hart. «Wir haben keinen Spielraum dies zuzulassen», erklärte das Gesundheitsdepartement am Mittwochnachmittag nach einer erneuten Lagebeurteilung. «Wir anerkennen selbstverständlich, dass die Fasnacht als einer der wichtigsten Bräuche Basels und als Unesco-Welterbe von öffentlichem Interesse ist», heisst es weiter. Allerdings sei die Frage, wie mit dem Wort «überwiegend» in der bundesrätlichen Verordnung umzugehen sei. Weiter weist das Departement darauf hin, dass sämtliche sechs Schnitzelbank-Gesellschaften ihre Aktivitäten abgesagt hätten, ebenso wie das Fascachts-Comité. «Es ist zu berücksichtigen, dass wir mit diesen Rahmenbedingungen eine Einzelinitiative im Sinne einer Ausnahme nicht bewilligen können.»

«Die TV-Ausstrahlung von Schnitzelbänken birgt keinerlei Gefahr für Mensch und Umwelt»

Online-Petitionär

Dieser Entscheid wird auf den Sozialen Medien breit diskutiert und stösst vor allem bei Baslern auf Ablehnung. Kabarettist Gabriel Vetter fragt sich, ob am Ende der Kanton Zürich grösszügiger wäre und Aufzeichnungen der Schnitzelbänke erlauben würde. Derweil werden online schon Unterschriften gesammelt. Die TV-Ausstrahlung von Schnitzelbänken berge keinerlei Gefahr für Mensch und Umwelt, begründet der Petitionär sein Anliegen.

Letztes Jahr, als das Singverbot noch nicht in Kraft war, unterhielten die Schnitzelbänke auch schon online, weil öffentliche Auftritte verboten waren. Obwohl die Fasnacht von der Pandemie kalt erwischt wurde, waren manche Formationen nicht um Corona-Verse verlegen.

Deine Meinung

225 Kommentare
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Irma

04.02.2021, 15:09

Seit November sind die Restaurants und Bars in Basel Stadt geschlossen! In Baselland blieben sie geöffnet. Ich habe die Fallzahlen von Baselland und Baselstadt in dieser Zeit angeschaut. Fazit: Die Schliessung hat in Basel Stadt nichts genutzt. Ausser ein paar Existenzen mehr zerstört. Jetzt verbietet der gleiche Politiker sogar unsere kleine Restfreude. D.h. die Übertragung der Schnitzelbängge! Jetzt ist genug. Ehrgeiz in Ehren, Herr Engelberger...aber bitte nicht mehr auf unsere Kosten.

dr Miggu vom Chlinebasel

04.02.2021, 12:36

Herr Engelberger in Basel gibt es Wahlen und ich denke, dass Sie durch das Schnitzelbank-Verbot zusätzliche Stimmen gewonnen haben!

Navalny

04.02.2021, 10:46

Tip an Engelberger: Prüfen Sie Ihre Unterhosen vor dem Anziehen genau, auch die Streusel auf dem Kuchen könnten strahlen.