«Sehr unwahrscheinlich» – Sorgte der Booster wirklich für nicht erklärbare Übersterblichkeit?
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«Sehr unwahrscheinlich»Sorgte der Booster wirklich für nicht erklärbare Übersterblichkeit?

Ende 2021 starben überdurchschnittlich viele Leute in der Schweiz. Zur selben Zeit startete die Booster-Kampagne. Ein Zusammenhang? Experten sehen dafür keine Hinweise.

von
Nicolas Meister
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Während der Boosterkampagne in der Schweiz starben überdurchschnittlich viele Leute, sodass von einer Übersterblichkeit gesprochen werden kann. Gibt es einen Zusammenhang mit der Impfung?

Während der Boosterkampagne in der Schweiz starben überdurchschnittlich viele Leute, sodass von einer Übersterblichkeit gesprochen werden kann. Gibt es einen Zusammenhang mit der Impfung?

20min/Simon Glauser
Insgesamt starben 814 Personen mehr als erwartet. Diese waren weder an noch mit Covid-19 gestorben. 

Insgesamt starben 814 Personen mehr als erwartet. Diese waren weder an noch mit Covid-19 gestorben.

Bundesamt für Gesundheit
Laut Swissmedic sei ein Zusammenhang mit dem Booster sehr unwahrscheinlich. Das würden Daten aus der Schweiz und anderen Ländern zeigen.

Laut Swissmedic sei ein Zusammenhang mit dem Booster sehr unwahrscheinlich. Das würden Daten aus der Schweiz und anderen Ländern zeigen.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Während der Boosterkampagne konnte in der Schweiz eine Übersterblichkeit festgestellt werden, welche nicht mit Covid-19 zusammenhängt.

  • Laut Swissmedic sei es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass der Booster dafür verantwortlich sei.

  • Ursachen wie beispielsweise verschobene Operationen oder weniger Arztbesuche seien wahrscheinlicher, so das deutsche Statistische Bundesamt.

Gemäss Daten des Bundesamtes für Gesundheit und des Bundesamtes für Statistik konnte in den letzten sechs Kalenderwochen des Jahres 2021 eine Übersterblichkeit bei den über 65-Jährigen beobachtet werden. Konkret sind rund 814 über 65-Jährige mehr gestorben als erwartet. Personen, die an oder mit Covid-19 gestorben sind, wurden davon bereits abgezogen. Wie lässt sich diese «unerwartete Übersterblichkeit» erklären?

Dies fasst die «Weltwoche» in ihrer neuesten Ausgabe zusammen und stellt dabei einen Zusammenhang zur Boosterimpfung her, die in diesen Wochen in der Schweiz gestartet habe. Ist der Booster für diese Übersterblichkeit verantwortlich? Das fragte sich auch die «Weltwoche».

«Äusserst unwahrscheinlich»

Laut Swissmedic ist dies sehr unwahrscheinlich. Bisher durchgeführte Studien hätten nämlich keine Erhöhung der Sterblichkeit in Zusammenhang mit den Corona-Impfungen nachweisen können, so ein Sprecher von Swissmedic auf Anfrage von 20 Minuten. Auch aus den bisher ausgewerteten Meldungen vermuteter unerwünschter Impfnebenwirkungen gebe es sowohl in der Schweiz als auch international keine Hinweise, dass die Auffrischimpfungen zu einer Übersterblichkeit geführt hätten.

Zudem gebe es bei keiner der bis zum 14. Januar 2022 ausgewerteten Meldungen (192) aus der Schweiz, bei denen Personen in unterschiedlichen Abständen zur Impfung gestorben seien, konkrete Hinweise darauf, dass die Impfung die Todesursache gewesen sei, so Swissmedic.

Ähnliche Situation in anderen Ländern

Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in anderen europäischen Ländern starben von November bis Dezember überdurchschnittlich viele Leute. In Deutschland etwa sind Anfang September 2021 bis Ende Dezember 2021 «erhöhte Sterbefallzahlen» beobachtet worden, schreibt das deutsche Statistische Bundesamt. Dies lasse sich jedoch nur zum Teil auf die zeitgleich erhöhten Covid-Todesfälle zurückführen, so das Bundesamt. Und der Rest?

Die Auffrischungsimpfung wird als Ursache nicht erwähnt. Jedoch viele andere Möglichkeiten. Zum Beispiel eine Dunkelziffer an Covid-19-Todesfällen, wie das deutsche Statistische Bundesamt sagt.

Verspätete Grippewelle?

Andererseits könnte auch die «zeitliche Verschiebung von Sterbefällen innerhalb eines Jahres infolge der zum Jahresbeginn ausgefallenen Grippewelle», auch «mortality displacement» genannt, zu mehr Todesfällen geführt haben, heisst es weiter.

Zudem habe die starke Belastung des Gesundheitssystems wegen der grassierenden Delta-Variante zu vielen verschobenen Operationen, weniger Vorsorgeuntersuchungen und generell weniger Arztbesuchen geführt. Gerade bei älteren Leuten könnte dies zu mehr Todesfällen geführt haben, so das Bundesamt. Darüber zeigte sich beispielsweise die Krebsliga äusserst besorgt.

In anderen Ländern keine Übersterblichkeit

Ausserdem gibt es auch Länder, bei denen trotz einer Boosterkampagne zeitgleich keine Übersterblichkeit beobachtet werden konnte. So zum Beispiel in Australien, wie Daten der dortigen Gesundheitsbehörden zeigen.

Ob also die Weltwoche mit ihrer Vermutung, die Auffrischungsimpfung sei für die Übersterblichkeit verantwortlich, recht hat – das kann nicht abschliessend geklärt werden. Von 20 Minuten angefragte Experten im Bereich Epidemiologie und Infektiologie wollten sich gestern auf Anfrage noch nicht zu dieser Frage äussern.

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