Wintertourismus – Nicht-EU-Touristen zahlen 30 Franken für das Schweizer Zertifikat
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WintertourismusNicht-EU-Touristen zahlen 30 Franken für das Schweizer Zertifikat

Die Schweiz erhebt als einziges Land eine Zertifikatsgebühr für Touristinnen und Touristen. Das macht der Tourismusbranche Sorgen.

von
Claudia Blumer
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Leute aus den USA und aus Grossbritannien sind für die Wintersportorte wichtige Gäste: Jungfraubahnen zu den Wintersportgebieten Grindelwald-First sowie Kleine Scheidegg/Wengen und Männlichen.

Leute aus den USA und aus Grossbritannien sind für die Wintersportorte wichtige Gäste: Jungfraubahnen zu den Wintersportgebieten Grindelwald-First sowie Kleine Scheidegg/Wengen und Männlichen.

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Schweiz Tourismus sorgt sich, weil Touristinnen und Touristen aus Nicht-EU/Efta-Ländern neu für das Schweizer Zertifikat eine Gebühr von 30 Franken zahlen müssen.

Schweiz Tourismus sorgt sich, weil Touristinnen und Touristen aus Nicht-EU/Efta-Ländern neu für das Schweizer Zertifikat eine Gebühr von 30 Franken zahlen müssen.

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Auch die Impfquote ist ein Thema. «Ist die Schweiz dann das einzige Land, das wegen der zu tiefen Impfquote in den Skigebieten noch auf eine Zertifikatspflicht angewiesen ist, hält dies viele ausländische Gäste ab», sagt Mitte-Nationalrat Lorenz Hess.

Auch die Impfquote ist ein Thema. «Ist die Schweiz dann das einzige Land, das wegen der zu tiefen Impfquote in den Skigebieten noch auf eine Zertifikatspflicht angewiesen ist, hält dies viele ausländische Gäste ab», sagt Mitte-Nationalrat Lorenz Hess.

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Darum gehts

  • Diesen Winter wird die Schweizer Tourismus-Branche wieder ausländische Gäste empfangen können. Allerdings müssen Nicht-EU/Efta-Gäste wegen der Zertifikatspflicht mit administrativen Hürden rechnen.

  • Für die Umwandlung eines ausländischen Zertifikats in ein Schweizer Zertifikat erhebt der Bund eine Gebühr von 30 Franken. «Das ist eine Hürde, die es in anderen Ländern nicht gibt», sagt Schweiz-Tourismus-Sprecher Markus Berger.

  • Vorsichtige Touristinnen und Touristen könnten zudem durch die tiefe Impfquote abgeschreckt werden. Ein britischer Wissenschaftler rät von Schweiz-Reisen ab.

Vor einem Jahr blieb der ausländische Wintertourismus aus. Nun hofft die Tourismusbranche auf eine gute Saison. Doch es besteht die Gefahr, dass ein Teil der Gäste durch logistische Hürden abgeschreckt wird. Denn Touristinnen und Touristen von ausserhalb Europas müssen ihr Zertifikat umwandeln, das kostet sie eine Gebühr von 30 Franken. In anderen Ländern fällt diese Gebühr nicht an.

Möglich, dass die 30 Franken nicht der einzige Stolperstein sein werden für Gäste aus Grossbritannien, den USA und weiteren Übersee-Ländern (siehe Box): Der Bund stellt ab 11. Oktober eine zentrale elektronische Antragstelle für Covid-Zertifikate zur Verfügung, um die Kantone zu entlasten. Wie genau der Prozess abläuft, wenn ein ausländischer Tourist oder eine ausländische Touristin ein Schweizer Zertifikat beziehen will, wie lange die Wartezeiten sind, ist jedoch noch ungeklärt. Darüber informiert der Bund demnächst.

Nachteil gegenüber dem Ausland

Die Tourismus-Branche macht sich deswegen Sorgen, wie Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus sagt. «Mit der 30-Franken-Gebühr haben wir eine Hürde, die andere Länder nicht haben.» Es komme jetzt sehr darauf an, wie die Einzelheiten rund um den Zertifikatsbezug geregelt werden. Und man hoffe beim Tourismus natürlich auch, dass der Bundesrat auf den 30-Franken-Entscheid zurückkommt. Das Lobbying läuft.

Nicht nur die Zertifikatspflicht könnte der Schweiz zum Nachteil gereichen. Auch die tiefe Impfquote ist für manche ausländische Gäste womöglich ein Grund, die Schweiz zu meiden. So ruft der Oxford-Wissenschaftler Max Roser auf Twitter dazu auf, die Schweiz zu meiden. Es sei vielleicht sicherer, die Winterferien im Süden Europas zu verbringen, schreibt der Ökonom und Gründer von «Our World in Data», der in Oxford zu Themen wie Klima, Hunger und Armut forscht.

Auch Mitte-Nationalrat Lorenz Hess befürchtet diesen Effekt, wie er dieser Tage gegenüber 20 Minuten sagte: «Jetzt muss ein Ruck durch die Nicht-Geimpften gehen, sonst eiern wir noch ewig rum.» Es sei «höchst wünschenswert», das Covid-Zertifikat im Winter fallen lassen zu können. «Ist die Schweiz dann das einzige Land, das wegen der zu tiefen Impfquote in den Skigebieten noch auf eine Zertifikatspflicht angewiesen ist, hält dies viele ausländische Gäste von Ferien in der Schweiz ab.»

Tatsächlich hat die Schweiz im europäischen Vergleich eine tiefe Impfquote. Deutschland hat eine leicht höhere, und in anderen Ländern wie Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, aber auch Skandinavien sind prozentual deutlich mehr Personen geimpft.

Andere Länder erheben keine Zertifikatsgebühr

Ab 11. Oktober können Personen aus Nicht-EU/Efta-Ländern bei ihrer Einreise in die Schweiz bei einer zentralen Stelle des Bundes ein Schweizer Zertifikat beantragen – für die Gebühr von 30 Franken. Für die Tourismusbranche ist die Gebühr ein Problem. Denn sie trifft Gäste, die nun – anders als in der letzten Saison – wieder reisen dürfen, und die für die Wintersportorte wichtig sind, etwa aus Grossbritannien und aus den USA. Aber auch Gäste aus Kanada, Brasilien, Indien, Korea und weiteren Ländern sind betroffen.

Die Schweiz ist das einzige Land, das für die Umwandlung des Zertifikats eine Gebühr verlangt, wie Markus Berger von Schweiz Tourismus sagt. Nur in Frankreich gebe es eine vergleichbar automatisierte elektronische Umwandlung, allerdings für die Gäste kostenlos. In den anderen Ländern würden menschenlesbare Impfausweise auf Papier oder elektronisch ohne Umwandlung akzeptiert.

«Der Grund, weshalb die Umwandlung in Frankreich gratis ist, liegt auf der Hand», sagt Berger. «Der Service wurde sehr schnell aufgebaut und zur Verfügung gestellt und gratis angeboten als aktive Tourismusförderungsmassnahme. In der Schweiz gibt es dieses Bewusstsein leider nicht.» Der Schweizer Tourismusverband und Hotelleriesuisse seien deshalb im Gespräch mit dem Bund, um eine Streichung dieser Gebühr zu erwirken. Parallel dazu liefen Überlegungen, wie die Branche diese Gebühren für die Gäste übernehmen könnte. (blu)

Etwas gemildert wird die Auswirkung der tiefen Impfquote auf den Tourismus durch den Umstand, dass auch Österreich – ein weiteres Zielland für Skitouristen – eine vergleichbar tiefe Impfquote hat. Dennoch hoffe man in der Tourismusbranche, dass es mit dem Impfen vorwärts geht, sagt Berger. «Denn je höher die Impfquote, desto weniger ist das Zertifikat ein Thema. Und desto kleiner sind die administrativen Hürden für Gäste.»

«Der Benchmark ist hoch»

Die Impfquote per se sei für die Gäste weniger ein Problem, glaubt Berger. «Die Schweiz hat generell das Image eines sauberen, sicheren Landes. Auch im vergangenen Winter haben wir bewiesen, dass wir gut durch die Pandemie kommen, es gab keine Hotspots.»

Indirekt sei die Impfquote jedoch wichtig: Sie habe einen Einfluss auf die Reiserestriktionen anderer Länder, etwa die Quarantänepflicht, und damit auf die Reiseplanung der Touristinnen und Touristen. Ebenso die administrativen Vorkehrungen, die man in einem Land treffen muss. «Hier bin ich sehr gespannt auf die Lösung des Bundes», sagt Markus Berger. «Der Benchmark ist hoch, wenn man auf die umliegenden Länder schaut.

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