Ottmar Hitzfeld: «Nicht immer stellen die Besten das beste Team»
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Ottmar Hitzfeld«Nicht immer stellen die Besten das beste Team»

Das Schweizer Aufgebot für die WM in Südafrika steht. Im Interview verrät Nati-Coach Ottmar Hitzfeld, warum er bei seiner Nomination auf Erfahrung, Charakter und Geleistetes setzte.

Mit dem Satz «Nicht immer stellen die besten Spieler auch das beste Team!» versuchte Hitzfeld am Dienstag am Sitz von Hauptsponsor Credit Suisse die Schwierigkeit zu erklären, die richtige Auswahl zu treffen. Er habe bei seiner mit Spannung erwarteten Selektion, die ihm auf verschiedenen Positionen mehr oder weniger grosses Kopfweh bereitete, nicht nur auf die ideale Mischung zwischen Jung und Alt geschaut, sondern auch auf die Erfahrung und den Charakter der Spieler Rücksicht genommen. «Entscheidend war für mich aber auch die Leistung in der Ausscheidungsphase gewesen. Wer hatte welchen Anteil an der Qualifikation?»

Welcher Entscheid bescherte Ihnen am meisten Kopfschmerzen?

Hitzfeld: «Der Entscheid zwischen Xherdan Shaqiri, Marco Padalino und Valentin Stocker war für mich der schwierigste. Diesen habe ich erst in den letzten 24 Stunden gefällt. Stocker war schon ein paar Mal auf der Liste und fiel dann doch noch raus. Schlussendlich war es ein Bauchentscheid gewesen.»

Was gab den Ausschlag für Padalino und gegen Stocker? «Mit Shaqiri und Stocker hätte ich zwei sehr junge Spieler dabei gehabt. Ich wollte zumindest im einen Fall auf mehr Erfahrung setzen. Für Shaqiri sprach, dass er vielseitiger einsetzbar ist als Stocker. Er ist ein echter Allrounder, jung und unbekümmert. Beim FC Basel war er diese Saison ein sehr belebendes Element.»

Sie sagten einmal, dass nur Spieler zum Einsatz kommen, die auch im Klub regelmässig spielen. Weshalb sind Sie nun teilweise von diesem Grundsatz abgekommen?

«Es war auf einzelnen Positionen ganz einfach schwierig, an diesem Grundsatz festzuhalten. Wir hatten in der Abwehr diese Saison viele Probleme mit Verletzungen. Mehr Spieler, als mir lieb waren, kamen zudem im Klub nur unregelmässig zum Einsatz.»

Mit Philippe Senderos ist nun ein Spieler dabei, der dieses Jahr im Klub praktisch nie gespielt hat. Warum ist er dabei?

«Das war in der Tat ein schwieriger Entscheid, bei dem ich alle Risiken gegeneinander abwägen musste. Schliesslich gab den Ausschlag, dass er mir das ihm geschenkte Vertrauen stets zurückbezahlte. Ich möchte an das Luxemburg-Spiel erinnern, als er ebenfalls zur Diskussion stand und dann zwei Tore erzielte. Senderos ist eine Persönlichkeit im Team. Zudem steht er voll im Trainingsbetrieb und hat bei Everton auch bei den Reserven gespielt. Ich hoffe, ihn in der dreiwöchigen Vorbereitungsphase total integrieren zu können.»

Nun haben Sie, entgegen Ihrer Ankündigung, zu den 23 Spielern noch 7 weitere auf Pikett gesetzt. Dürfen diese auf eine Nachnomination hoffen?

«Nein, wenn nichts Gravierendes mehr passiert, dann sind die ersten 23 an der WM. Gravierend wären Verletzungen oder miserable Leistungen im Trainingslager. Aber grundsätzlich haben die 23 Spieler mein volles Vertrauen.»

Die meisten der 23 genannten Spieler waren schon länger gesetzt. Hätten Sie lieber mehr Auswahl gehabt?

«Ich hätte schon lieber die Qual der Wahl, doch das ist in einem kleinen Land wie die Schweiz schwieriger als in Deutschland oder anderswo. Aber wir haben auch so ein starkes Kader und ich musste schwierige Entscheidungen fällen. Ich hätte noch 15 andere Spieler nominieren können.»

Wen hatten Sie denn ausser den 23 selektionierten und den 7 Pikett-Spielern noch im Auge?

«Warten Sie, ich muss erst die Liste hervornehmen. Ich möchte nicht falsche Hoffnungen wecken. Also hier stehen noch die Namen von Philipp und David Degen, Yann Sommer, Johan Djourou und Xavier Margairaz.» (si)