Panzer-Unfall bei Armeeübung - «Nicht mehr lange und wir wären verstorben»
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Ähnlicher Panzer-Unfall «Nicht mehr lange und wir wären verstorben»

Vier Soldaten wurden bei einer Nachtübung bewusstlos in einem Schützenpanzer aufgefunden. Ein ehemaliger Panzergrenadier konnte sich aus einer ähnlichen Situation retten – und vermutet Selbstverschulden.

von
Céline Krapf
Zora Schaad
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Bei einer Übung wurden in der Nacht auf Dienstag vier Armeeangehörige bewusstlos in ihrem M113-Panzer vorgefunden. (Symbolbild)

Bei einer Übung wurden in der Nacht auf Dienstag vier Armeeangehörige bewusstlos in ihrem M113-Panzer vorgefunden. (Symbolbild)

Schweizer Armee
Die Männer erlitten schwere Kohlenmonoxidvergiftungen. (Symbolbild)

Die Männer erlitten schwere Kohlenmonoxidvergiftungen. (Symbolbild)

20min/Taddeo Cerletti
Mit Helikoptern der Air Zermatt und der Air Glaciers wurden die Männer ins Universitätsspital Genf geflogen.

Mit Helikoptern der Air Zermatt und der Air Glaciers wurden die Männer ins Universitätsspital Genf geflogen.

Air Zermatt

Darum gehts

  • Vier Soldaten wurden in der Nacht auf Dienstag bei einer Nachtübung bewusstlos im Innern eines Schützenpanzers aufgefunden. Mit Helikoptern mussten sie ins Spital gebracht werden.

  • Womöglich gelangten Abgase in den Innenraum des Panzers – weshalb ist bislang unklar.

  • Ein ehemaliger Panzergrenadier berichtet von einem ähnlichen Vorfall.

Nach einer kalten Nacht auf dem Simplonpass wurden vier Soldaten gestern aus einem Schützenpanzer geborgen und ins Spital gebracht – sie litten an einer schweren Kohlenmonoxidvergiftung, nur eine Person war noch ansprechbar. Was genau geschah wird nun durch die Militärjustiz und -polizei untersucht.

«Dass Panzer mit heisser Motor-Abluft geheizt werden, ist verbreitet», sagt ein ehemaliger Panzergrenadier zu 20 Minuten. Während seiner Zeit in der Offiziersschule sei es auch bei ihm beinahe zu einem Unglück gekommen. Mitten im Winter hätten er und seine Kameraden bei Minustemperaturen Wache schieben müssen. «Wir haben extrem gefroren, wollten uns im Innern des Fahrzeuges aufwärmen.» Also hätten sie eine Blache über den Abluftschaft gestülpt und die Motor-Abluft in den Innenraum geleitet: «Es wurde über 30 Grad warm, wir wurden schläfrig und ganz benebelt vom Kohlenmonoxid», erzählt der Grenadier. Plötzlich habe jemand an die Panzertüre gehämmert, die Tür aufgerissen – und ihn und seine Kameraden damit gerettet: «Nicht mehr lange und auch wir hätten eine Vergiftung erlitten und wären womöglich verstorben», sagt der Offizier rückblickend.

«Man tut alles, um sich irgendwie aufzuwärmen»

Er ist sich sicher, dass der aktuelle Vorfall am Simplon selbstverschuldet gewesen sei, denn das Beheizen des Panzers mit Motor-Abluft sei klar verboten. Dennoch sei das Verhalten der Soldaten nachvollziehbar: «Wenn man stundenlang in der Kälte ausharren muss, tut man alles, um sich irgendwie aufzuwärmen», sagt der Grenadier. Aus seiner Sicht seien solche Einsätze in Friedenszeiten deshalb äusserst fragwürdig.

Zum Bericht des ehemaligen Panzergrenadiers will sich die Armee nicht äussern: Die Militärjustiz und die Militärpolizei hätten eine Untersuchung eingeleitet, um die Gründe für den Unfall herauszufinden. «Solange diese Untersuchungen offen sind und die Schlussfolgerungen nicht bekannt sind, werden wir uns nicht auf Annahmen äußern, die in direktem Zusammenhang mit den möglichen Unfallursachen stehen», schreibt Armeesprecherin Delphine Allemand.

Den vier Männern, die am Dienstag am Simplonpass eine Kohlenmonoxidvergiftung erlitten hatten, geht es wieder besser: Am Mittwochabend konnten bereits alle vier Soldaten das Genfer Unispital wieder verlassen.

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Bei einer Übung wurden in der Nacht auf Dienstag vier Armeeangehörige verletzt.

Bei einer Übung wurden in der Nacht auf Dienstag vier Armeeangehörige verletzt.

Air Zermatt
Mit Helikoptern der Air Zermatt und der Air Glaciers wurden die Männer ins Universitätsspital Genf geflogen.

Mit Helikoptern der Air Zermatt und der Air Glaciers wurden die Männer ins Universitätsspital Genf geflogen.

Air Zermatt
Die Soldaten bemannten einen sogenannten Schützenpanzer 63 (Symbolbild).

Die Soldaten bemannten einen sogenannten Schützenpanzer 63 (Symbolbild).

VBS/DDPS

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