Nicht nur national überraschen
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Nicht nur national überraschen

Skip Claudio Pescia und die Curler von St. Galler Bär haben als neue Schweizer Meister überrascht. Mit der Unterstützung von Patrick Hürlimann, dem Olympiasieger von 1998, sollen sie auch an der am Samstag beginnenden WM in Grand Forks (USA) mit den Besten mithalten.

Seit dem letzten WM-Medaillengewinn eines Schweizer Männerteams sind fünf Jahre vergangen. Claudio Pescia nahm als Nummer 3 eine Schlüsselrolle ein, als Skip Ralph Stöckli mit den St. Galler Bären im Curling-Mekka Winnipeg auftrumpfte und selbst im Final den klar favorisierten Kanadier Randy Ferbey an den Rand der Niederlage brachte.

Ralph Stöckli und der damalige Lead Simon Strübin spielen seit 2006 für Basel Regio, gleichwohl sind aus der erfolgreichen Formation von 2003 noch vier Spieler dabei. Nebst Claudio Pescia sind dies der damalige Co-Lead Marco Battilana, die Nummer 2 Pascal Sieber und Teamcoach Patrick Hürlimann.

Der Olympiasieger von Nagano trat im Frühling 2002 als aktiver Spitzencurler zurück. In dieser Saison liess er sich jedoch von Claudio Pescia für die dritte Position reaktivieren, die nach der Trennung von Andreas Hänni verwaist war. Der Erfolg war überwältigend: Hürlimann brachte nebst dem nach wie vor bemerkenswerten technischen Können auch viel Erfahrung und Ruhe ins Team, während Claudio Pescia sich an Hürlimanns Seite enorm steigerte und an der Schweizer Meisterschaft einen hervorragenden Match nach dem andern ablieferte.

Patrick Hürlimann wollte seinen kurzfristigen Einsatz «nicht als offizielles Comeback» verstanden wissen, dennoch wird er sich an der Weltmeisterschaft im US-Bundesstaat North Dakota unweit der kanadischen Grenze mit den Besten messen, wie er es früher während Jahren getan hatte. Die Verpflichtungen, denen er in Grand Forks als Mitglied der Exekutive im Curling-Weltverband WCF nachkommen müsste, konnte er weitgehend abtreten, so dass er den Kopf für den Wettkampf frei haben sollte.

Starke Konkurrenz

Wenn sie ähnlich überzeugend aufspielen wie an den Schweizer Meisterschaften, werden die St. Galler Bären auch an der WM eine gute Figur machen. Die Konkurrenz im Kampf um die Medaillen ist allerdings sehr stark.

Über allen steht Kanadas Meisterteam um Skip Kevin Martin. Die Curler aus Edmonton mussten schon an der Provinzmeisterschaft von Alberta gegen Widersacher wie Randy Ferbey ihr Bestes geben. Am «Brier», der kanadischen Meisterschaft, die als bestes Turnier der Welt überhaupt betrachtet werden darf, gewann Kevin Martin seine 13 Partien allesamt, auch den letztjährigen souveränen Weltmeister Glenn Howard liess er hinter sich. Für Kanada hat Martin noch einiges gutzumachen: Bei seinen bisherigen WM-Teilnahmen scheiterte er sowohl 1991 (im Final) als auch 1997 (im Halbfinal); auch im Olympia-Final 2002 gegen Norwegens Pal Trulsen blieb ihm der Triumph versagt.

Die Schotten um David Murdoch, den Weltmeister von 2006 und aktuellen Europameister, gelten als erste Herausforderer der Kanadier. Auch gegen die Deutschen (Andy Kapp) und die Norweger (Thomas Ulsrud) werden es die Schweizer im Kampf um die Medaillen nicht leicht haben.

Ersatzmann Toni Müller

An den Europameisterschaften im Dezember in Füssen hatte der erst 23 Jahre alte Skip Toni Müller mit seiner Adelbodner Crew bewiesen, dass auch Favoriten mit bekannten Namen zu schlagen sind. Die Berner Oberländer liessen unter anderen den dreifachen Weltmeister Peter Lindholm (Schweden) und den früheren Europameister Andy Kapp hinter sich und belegten an ihrer ersten EM den sehr guten 4. Platz. Als Ersatzmann im Team von Claudio Pescia wird Toni Müller, der in ein paar Jahren eine führende Rolle im Schweizer Curling spielen könnte, weitere Erfahrung sammeln. Mitte März gewann Müller im finnischen Vierumäki zusammen mit Irene Schori (Grasshoppers) die erste offizielle Mixed-Weltmeisterschaft.

Männer-WM in Grand Forks, North Dakota (USA). 5. bis 13. April. Die Teilnehmer:

Schweiz (St. Galler Bär/Marco Battilana, Pascal Sieber, Patrick Hürlimann, Skip Claudio Pescia, Ersatz Toni Müller), Australien (Hugh Millikin), China (Wang Fengchun), Dänemark (Johnny Frederiksen), Deutschland (Andy Kapp), Frankreich (Thomas Dufour), Kanada (Kevin Martin), Norwegen (Thomas Ulsrud), Schottland (David Murdoch), Schweden (Anders Kraupp), Tschechien (Jiri Snitil), USA (Craig Brown).

Programm:

Vorrunde (Zeiten in MEZ). Die Spiele der Schweizer. Samstag, 5. April, 21.00 Uhr: Schweiz - Deutschland. - Sonntag, 2.00: Schweiz- Frankreich. 21.00: Schweiz - China. - Montag, 16.00: Schweiz - Norwegen. 21.00: Schweiz - China. - Dienstag, 21.00: Schweiz - Tschechien. - Mittwoch, 2.00: Schweiz - Dänemark. 16.00: Schweiz - Australien. - Donnerstag, 2.00: Schweiz - Schottland. 16.00: Schweiz - Kanada. 21.00: Schweiz - USA. - Freitag, 21.00, oder Samstag, 2.00: Page-System-Spiele. - Samstag, 20.30: Halbfinal. - Sonntag, 13. April, 2.00 Uhr: Spiel um Platz 3. 20.30 Uhr: Final.

Modus:

Die zwölf Teams tragen zuerst eine «Round Robin» aus (jeder gegen jeden). Danach kommen die ersten vier in die «Page-System»- Spiele: Der Erste spielt gegen den Zweiten und der Dritte gegen den Vierten. Der Sieger des Duells Erster gegen Zweiter gelangt direkt in den Final. Der Verlierer ermittelt in einem Halbfinal gegen den Sieger des Duells Dritter gegen Vierter den zweiten Finalisten.

(si)

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