Neue Studie: Nicht nur Rauchen, auch Oralsex kann tödlich sein
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Neue StudieNicht nur Rauchen, auch Oralsex kann tödlich sein

Oralsex-Fans haben ein grösseres Risiko, an Mund- und Rachenkrebs zu erkranken. Was bisher als Meinungsmache abgestempelt wurde, hat nun eine weitere Studie bestätigt.

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Raucher und Personen, die Oralsex praktizieren, haben laut US-Forschern ein deutlich grösseres Risiko für Mund- und Rachenkrebs.

Raucher und Personen, die Oralsex praktizieren, haben laut US-Forschern ein deutlich grösseres Risiko für Mund- und Rachenkrebs.

Nach dem Bekanntwerden einer Studie von US-Forschern aus dem Jahr 2007 dürften viele eine gewisse Unlust gespürt haben. Denn dort hiess es: Fellatio und Cunnilingus erhöhen das Risiko für Mund- und Rachenkrebs deutlich. Zu diesem Schluss kamen die Wissenschaftler, nachdem sie die Speichelproben von 100 Mund- und Rachenkrebspatienten mit denen von 200 gesunden Menschen verglichen und die Teilnehmer nach ihren sexuellen Vorlieben befragt hatten.

Wer von mehr als sechs Oralsex-Partnern in seinem Leben berichtete, hatte demnach ein 8,6-mal höheres Risiko für Krebs im Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Humanen Papillomavirus (HPV).

Die Meldung ging um die Welt. Doch Experten kritisierten die Studie. Denn zum einen beziehe sie sich nur auf jene krebskranken Studienteilnehmer, bei denen auch Papillomaviren nachgewiesen wurden (72 von 100). Zum anderen stehe selbst in diesen Fällen keinesfalls fest, ob die Krebserkrankung wirklich durch die Viren oder durch etwas ganz anderes ausgelöst wurde, so das Urteil.

Mehr Risikofaktoren

Doch nun bestätigt ein anderes Forscherteam das Resultat und ergänzt es: Demnach haben nicht nur Personen, die Oralsex praktizieren, sondern auch Raucher ein grösseres Risiko, an Mund- und Rachenkrebs zu erkranken, wie sie im Fachjournal «JAMA» schreiben.

Das Team um Carole Fakhry von der Johns Hopkins Universität in Baltimore hat festgestellt, dass Menschen, die rauchen oder unlängst Tabakprodukte konsumiert haben, häufiger das Virus HPV-16 im Mund tragen. Dieses Virus ist bei 80 Prozent der Mund- und Rachenkrebsfälle anwesend und wird für eine Zunahme dieser Krebsarten verantwortlich gemacht. Papillomaviren gelangen über orale sexuelle Praktiken in den Mundbereich.

Ab drei Zigis pro Tag ist Infektionsrate höher

Für ihre Studie haben die Forscher fast 7000 Teilnehmer einer US-nationalen Ernährungsstudie untersucht. Dabei verliessen sie sich nicht auf Aussagen der Probanden, sondern testeten ihr Blut auf Abbauprodukte von Tabakprodukten.

Es zeigte sich, dass schon ab einer Menge von drei bis vier Zigaretten pro Tag die Infektionsrate mit HPV-16 deutlich höher war. Allerdings wurde HPV-16 nur bei 63 Personen (1 Prozent) aller Probanden gefunden. Dennoch betonen die Forscher, dass es nötig sei, die Rolle des Tabakkonsums bei der Infektion mit HPV-16 und der Progression zu bösartigem Krebs genauer zu untersuchen.

Eine Infektion mit HPV-16 wird auch mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht. Die auch in der Schweiz empfohlene HPV-Impfung für junge Mädchen wirkt auch gegen diesen HPV-Typ. (fee/sda)

Humane Papillomavirus (HPV)

Humane Papillomavirus (HPV)

Sie infizieren Epithelzellen der Haut und verschiedener Schleimhäute und können bei den infizierten Zellen ein unkontrolliertes tumorartiges Wachstum hervorrufen. Diese Tumoren sind meist gutartig und führen zur Warzenbildung an der betroffenen Stelle.

Einige HPV-Typen können jedoch auch bösartige Veränderungen hervorrufen, insbesondere Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) bei Frauen. Vermutlich ist auch ein erheblicher Anteil der Scheiden-, Penis- und Anal-Karzinome Folge einer solchen HPV-Infektion.

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