Aktualisiert 08.09.2009 13:34

Nach NATO-AngriffNicht nur Taliban getötet

Bei dem Luftangriff auf Anforderung der Bundeswehr sind auch afghanische Dorfbewohner ums Leben gekommen. Vier Tage nach der heftig umstrittenen Militäraktion räumte die von der NATO geführte internationale Afghanistan-Schutztruppe ISAF ein, dass es dabei zivile Opfer gab.

Der Deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung hatte am Wochenende ebenso wie Offiziere von Bundeswehr und NATO erklärt, dass es sich bei den mindestens 72 Toten ausschliesslich um bewaffnete Taliban-Kämpfer gehandelt habe.

Mit den Ermittlungen zu dem Raketenangriff beauftragte ISAF-Kommandeur Stanley McChrystal den kanadischen Generalmajor C.S. Sullivan. Dem Untersuchungsteam gehören ausserdem ein Bundeswehroffizier und ein amerikanischer Luftwaffenoffizier an, wie die ISAF am Dienstag in Kabul mitteilte. Angefordert wurde der Luftangriff auf die beiden entführten Tanklastwagen am Ufer des Flusses Kundus von der Bundeswehr, die Bomben wurden von F-15-Kampfflugzeugen der US-Luftwaffe abgeworfen.

Die Kommandeure hätten ursprünglich angenommen, dass die Tanklastwagen nur von Aufständischen umgeben gewesen seien. Eine nachfolgende Überprüfung habe aber ergeben, dass auch «Zivilisten bei dem Angriff getötet und verletzt wurden».

Taliban fordern Untersuchung

Die Taliban forderten eine Untersuchung der Vereinten Nationen zu dem Luftangriff. Wenn die UN die Menschenrechte respektierten, sollten sie die Wahrheit über das Geschehen ermitteln, hiess es in einer Erklärung der Taliban. Bei dem Angriff vom Freitag seien 150 Dorfbewohner getötet worden.

Die tatsächliche Zahl der Todesopfer ist allerdings ebensowenig klar wie die Frage, wie viele Zivilisten sich unter ihnen befinden. Die unabhängige Menschenrechtsgruppe Afghan Rights Monitor erklärte, sie habe die Umgebung des Angriffs untersucht. Dabei habe sich gezeigt, dass bis zu 70 Dorfbewohner getötet worden seien. Diese seien zu den Tanklastwagen am Fluss Kundus gelaufen, um Benzin abzuzapfen. Hingegen gab der Gouverneur von Kundus, Mohammad Omar, an, dass bei dem Angriff bis zu 72 Menschen getötet worden seien, bei denen es sich wahrscheinlich um Aufständische handle.

Auto rammt Konvoi vor Militärflugplatz von Kabul

Bei einem Selbstmordanschlag der Taliban in der afghanischen Hauptstadt Kabul wurden am Dienstag drei Menschen getötet worden. Sechs weitere Zivilpersonen sowie ein ausländischer Soldat wurden bei der Explosion vor dem Tor des Militärflugplatzes verletzt, wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte. Der Anschlag richtete sich gegen einen Konvoi ausländischer Truppen.

Taliban-Sprecher Sabiulla Mudschahid sagte, ein Selbstmordattentäter sei mit seinem Fahrzeug in einen NATO-Konvoi gefahren und habe drei Geländefahrzeuge zerstört. Ein Augenzeuge berichtete, er habe gesehen, wie ein Auto auf drei oder vier Geländewagen der internationalen Truppen aufgefahren und explodiert sei.

Noch mehr als eine Stunde nach der Explosion schossen Flammen aus ausgebrannten Fahrzeugen. Dabei waren immer noch kleinere Detonationen zu hören, offenbar von Munition in den Fahrzeugen. Ein Sprecher der US-Streitkräfte bestätigte, dass es südlich des Flugplatzes eine Explosion gegeben habe. Der Militärflugplatz liegt direkt neben dem internationalen Flughafen der afghanischen Hauptstadt, hat aber einen getrennten Eingang.

In der Provinz Baghlan griffen am Montagabend Aufständische einen Polizeikonvoi an. Bei den anschliessenden Gefechten nahe des Dorfs Dahna Ghori kamen nach Angaben der Regionalbehörden zwölf Taliban-Kämpfer ums Leben. Ausserdem wurden ein Polizist getötet und 17 weitere verletzt. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.