Aktualisiert 19.10.2004 10:36

Nicht registrierte Prepaid-Handys werden im November abgeschaltet

Benützer von Prepaid-Handys müssen sich bis Ende Oktober bei ihrem Anbieter registrieren lassen. Hunderttausende haben dies noch immer nicht getan.

Im Laufe des Novembers werden die nicht registrierten Prepaid-Handys abgeschaltet, wie Swisscom-Sprecher Sepp Huber gegenüber 20min.ch erklärte.

Mit Telefonansagen erinnert die Swisscom ihre Kunden daran, dass ihr Handy bald verstummen könnte. Wer mit einem noch nicht gemeldeten Prepaid-Handy der Swisscom telefoniert, bekommt seit vergangenem Montag zuerst eine Ansage mit der Aufforderung zur Registrierung vorgespielt. Mehrmals hat der Telekom-Anbieter seine Kunden schon per SMS über die Registrierungspflicht informiert.

Die Botschaften kommen aber oft gar nicht an: Prepaid-SIM-Karten werden nämlich gerne von Leuten gekauft, die nur für dringende Fälle ein Mobiltelefon zur Verfügung haben wollen. Viele lassen deshalb ihr Handy während Monaten ausgeschaltet. Auch Aufrufe in den Kundenzeitschriften erreichen sie nicht, weil sie diese als anonyme Kunden nicht erhalten.

Erst die Hälfte registriert

Der Erfolg lässt denn auch zwei Wochen vor Ablauf der Frist auf sich warten: Noch immer sei rund die Hälfte der rund 500 000 Prepaid-Kunden nicht registriert, teilte die Swisscom auf Anfrage mit. Das Unternehmen führt dies nicht zuletzt auf das mangelnde Bewusstsein bei den Kunden zurück.

Viele glaubten, sie seien nicht betroffen, häufig könnten sie mit dem Begriff «Prepaid» ohnehin nichts anfangen, heisst es in der Mitteilung der Swisscom weiter. Nur wenigen sei zudem bekannt, dass die Massnahme der Kriminalitätsbekämpfung diene. Viele hielten die Nachregistrierung für eine Marketingmassnahme und empfänden sie als Zumutung.

Dieses Problem kennt man bei der Konkurrenz nicht: Ihr seien keine Reklamationen von Kunden bekannt, sagte Orange-Sprecherin Therese Wenger auf Anfrage. Auch bei Orange liessen sich aber erst gut die Hälfte jener Prepaid-Kunden registrieren, die ihr Handy regelmässig einschalteten. Wie viele noch ausstehend sind, wollte Wenger aber nicht sagen.

Nicht anders sieht es bei Sunrise aus: Rund 45 Prozent der betroffenen Kunden hätten sich bisher registrieren lassen, teilte der Telekom-Anbieter auf Anfrage mit.

Kritik an Verordnung

Gemäss einer im Juni vom Bundesrat verabschiedeten Verordnung muss sich registrieren lassen, wer eine neue Prepaid-SIM-Karte für sein Handy kauft. Wer nach dem 1. November 2002 eine solche Karte gekauft hat, dem bleiben für die nachträgliche Registrierung nun noch knapp zwei Wochen Zeit.

Wer sie vorher erworben hat, muss seine Personalien nicht herausgeben. Vor dem Datum gab es in der Schweiz laut dem Bundesamt für Kommunikation fast 2,3 Millionen Prepaid-Benützer. Bis Ende 2003 stieg diese Zahl auf knapp 2,6 Millionen.

Vertreter von Stafverfolgungsbehörden stellen die Wirksamkeit der Massnahme denn auch in Frage. Sie lässt sich auch auf andere Weise leicht umgehen - etwa über Strohmänner oder mit dem Kauf einer ausländischen Karte.

Kritisiert wird die Registrierungspflicht auch von Flüchtlingshilfsorganisationen: Weil es dazu einen gültigen Personalausweis braucht, kommen Asylsuchende oder vorläufig Aufgenommene ohne gültige Papiere künftig nicht mehr zu einem Mobiltelefon.

Auch die Telekom-Anbieter werden mit der bundesrätlichen Verordnung nicht glücklich. Neben der kurzen Frist machen ihnen die hohen Kosten zu schaffen. Laut Wenger wendet allein Orange für die Umsetzung einen zweistelligen Millionenbetrag auf.

(sda)

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