FC Aarau: Nicht tot, nur abgestiegen
Aktualisiert

FC AarauNicht tot, nur abgestiegen

74 Jahre lang hielt Aarau den Mythos der Unabsteigbaren am Leben. Jetzt hats die Aargauer erwischt. Aufgeben wollen sie aber nicht.

von
Reto Fehr

Die Highlights der Partie Aarau - GC. (Quelle: SF)

29 Jahre lang hielt sich der FC Aarau in einer Liga, wo er aufgrund der «wirtschaftlichen Potenz, der Infrastruktur und des Zuschauerpotenzials eigentlich gar nie richtig hingehört hat», bilanziert die «Aargauer Zeitung» nach dem Abstieg des Vereins. Das Prädikat «unabsteigbar» muss der Verein abtreten. Fast dreissig Jahre hielt sich der Klub in der NLA, gar deren 74 stieg man insgesamt nicht mehr ab. Jetzt darf nur noch GC diesen Titel tragen. In Zürich schmückt man sich aber lieber mit «Rekordmeister».

Der Abstieg hatte sich abgezeichnet. «Anfang Saison haben wir nicht damit gerechnet. Aber wenn man zu Beginn die Punkte nicht holt, rennt man denen immer nach. Dieses Mal hat es nicht gereicht», so Präsident Alfred Schmid gegenüber SF. Auch Torhüter Ivan Benito sieht den Grund für den Abstieg nicht in den letzten Wochen. «Wenn man die letzten sechs Spiele anschaut, hätten wir nicht absteigen dürfen. Aber davor machten wir zu wenig», wie er gegenüber «Teleclub» erklärt. Wehmut kommt bei den Spielern natürlich auf. Michele Polverino sagt voraus: «Der Schweizer Fussball hat etwas verloren. Der FC Aarau gehört in die Super League. Man wird uns in den nächsten Jahren vermissen.» In den nächsten Jahren? Vielleicht war es nur ein Versprechen, vielleicht auch eine böse Vorahnung.

Neues Stadion wichtiger als neue Saison

Denn klar ist allen Beteiligten: Mit dem aktuellen Stadion hat der Verein in der obersten Spielklasse nichts verloren. Das Brügglifeld muss ersetzt werden. «Mit unserer veralteten Infrastruktur haben wir auf dem Transfermarkt schlechte Karten», weiss Schmid. Wichtiger als die Planung der nächsten Saison dürfte daher die Abstimmung vom 13. Juni sein. Dann entscheidet das Volk, ob der FC Aarau ein neues Stadion und damit eine Zukunft im Spitzenfussball erhält. «Der FC Aarau ist nicht tot», sagte Schmid nach dem 1:4 gegen GC. Der Henker steht jedoch bereit. Kommt das Stadion an der Abstimmung nicht durch, sieht es düster aus.

Jetzt rettet man sich in fast übliche Floskeln. Der Abstieg könne auch eine Chance sein. Er biete die Möglichkeit auszumisten und ein Team aufzubauen. Auch Rolf Fringer, der Meistertrainer von 1993, macht seinem ehemaligen Verein Mut: «Natürlich verspüre ich eine gewisse Wehmut. Im Sport muss man aber immer nach vorne schauen. Der Abstieg ist kein Weltuntergang. Im Gegenteil. Vielleicht ist er sogar eine Chance.» Aktuell ist Schmid der Präsident, welcher mit Aarau abstieg. «Vielleicht erinnert man sich an mich auch als Präsident, der wieder aufgestiegen ist. Wir haben einen Plan für die Challenge League in der Schublade und wollen mit einer guten Mannschaft in die Saison steigen», orakelt er.

«Wenn man so Fussball spielt, steigt man ab»

Als Hauptgrund für den Abstieg hört man immer wieder die Transferpolitik. Als Verantwortlicher gilt Fritz Hächler, welcher sein Amt als Sportchef bis im Februar ausführte. Dieser wehrte sich gegen die Vorwürfe in einem fünfseitigen Schreiben an die Verantwortlichen. «Die rund vier Millionen Lohnbudget reichen nicht», beklagt er sich darin unter anderem. Das Spiel gegen GC verfolgte er live am TV. Was ging ihm dabei durch den Kopf? «Wenn man so Fussball spielt, steigt man ab. Enttäuscht war ich vom Team, das mit dem Messer am Hals so eine Leistung zeigt», verrät er gegenüber 20 Minuten Online. Und wie empfindet er diese Relegation? «Das ist tragisch.» Doch wie gesagt: Noch ist der FC Aarau nicht tot, sondern nur abgestiegen.

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