US-Senator Ted Cruz: «Nichts gegen Kanada, aber...»
Aktualisiert

US-Senator Ted Cruz«Nichts gegen Kanada, aber...»

Erinnern Sie sich an die Verschwörungstheorie, Barack Obama sei in Kenia geboren und daher gar nicht wählbar? Nun ereilt Ted Cruz, einen seiner härtesten Kritiker, dasselbe Schicksal.

von
K. Ramezani
Ted Cruz Anfang August in Iowa – wo sich kein Politiker blicken lässt, es sei denn er liebäugelt mit dem Präsidentenamt.

Ted Cruz Anfang August in Iowa – wo sich kein Politiker blicken lässt, es sei denn er liebäugelt mit dem Präsidentenamt.

Ted Cruz ist ein Senkrechtstarter: Doktortitel der Elite-Uni Harvard mit 25 Jahren, Oberster Prozessanwalt des Staates Texas mit 32, auf Anhieb Wahl in den US-Senat mit 42. Wird er Präsident mit 46? Bereits jetzt gilt der Republikaner mit Tea-Party-Affinität als heisser Anwärter für die Wahl 2016. Nicht zuletzt, weil er als kubanischer Secondo den Demokraten das rasant wachsende Latino-Wählersegment streitig machen könnte. Seine jüngsten Auftritte in den wichtigen Vorwahl-Staaten New Hampshire und Iowa sind ein Hinweis darauf, dass er sich ernsthaft überlegt, nach dem höchsten Amt im Staat zu greifen.

Bis zum Herbst 2016 läuft noch einiges Wasser den Potomac hinab. Doch bereits muss Cruz den ersten Stolperstein meistern. Die Frage steht im Raum, ob er überhaupt wählbar ist: Laut Gesetz kann nur ein «natural born citizen», also ein «gebürtiger» Amerikaner, Präsident werden. Was das genau heisst, weiss allerdings niemand. Muss ein Kandidat in den USA geboren sein, was automatisch die US-Staatsbürgerschaft mit sich bringt? Oder reicht es, als Amerikaner geboren zu sein? Dann wäre auch eine Geburt im Ausland mit mindestens einem amerikanischen Elternteil zulässig.

Cruz wusste nichts von seinem kanadischen Pass

Cruz wurde 1970 als Sohn eines Kubaners und einer Amerikanerin in Kanada geboren. Vor diesem Hintergrund erlebt Amerika derzeit eine amüsante Neuauflage der sogenannten Birther-Debatte: Waren es bisher rechtsnationale Kreise, die immer wieder Barack Obamas Berechtigung auf das Präsidentenamt anzweifelten, steht nun plötzlich ein Vertreter eben jenes Obama-kritischen Milieus im Fokus. Der Vorwurf aus jener Ecke, die heuchlerischen Medien würden die Birther-Debatte um Obama kritisieren, nicht aber jene um Cruz, greift zu kurz: Obama wurde auf US-Territorium (Hawaii) und zusätzlich als Sohn einer Amerikanerin geboren.

Bezeichnenderweise hat sich Cruz nie an der Birther-Kampagne gegen Obama beteiligt, die jeglicher Grundlage entbehrt. Vielleicht ahnte er, dass sein Lebenslauf diesbezüglich nicht über alle Zweifel erhaben ist. Vielleicht aber auch nicht: Dass er neben der amerikanischen auch die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt, war ihm bislang nicht bewusst. Um die Birther-Debatte zu beenden, veröffentlichte er am Wochenende seine Geburtsurkunde und erklärte, auf seinen kanadischen Pass zu verzichten: «Nichts gegen Kanada, aber ich bin gebürtiger Amerikaner und als US-Senator sollte ich ausschliesslich Amerikaner sein.»

Ein Fall für die Justiz?

Sollte Cruz 2016 tatsächlich antreten und gewinnen, müsste ein Gericht ein für allemal definieren, was «natural born» heisst. Bislang hat es zwei Präsidentschaftskandidaten gegeben, die wie Cruz ausserhalb der USA geboren wurden: George Romney (Mitt Romneys Vater) wurde in Mexiko geboren und trat 1968 an. John McCain kam in der ehemaligen Panamakanalzone zur Welt und bewarb sich 2008. Da beide die Wahl verpassten, stellte sich die Frage nicht. Der wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses erklärte 2011, dass jemand wie Cruz «höchstwahrscheinlich» wählbar ist. Aber eben: Das letzte Wort hätte die Justiz.

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